Zeche Hannover: Deutschlands größtes Dampf-Festival

Dampf-Traktor "Lady Jane" (1928) und eine Dampfwalze mit stehendem kessel von 1910 beim Dampfcorso 2015. Foto. LWL/Hessmann

Bochum (lwl/aw). Rauchende Schlote, heißer Dampf und das Schnaufen der Maschinen sind am Samstag und Sonntag (20. und 21. Mai) im LWL- Industriemuseum Zeche Hannover zu erleben. Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) ist Gastgeber von Deutschlands größtem Dampf-Festival für straßengebundene Dampf-Fahrzeuge. 20 originale Dampfwalzen, Dampftraktoren, Lokomobile, dampfgetriebene PKW und LKW aus Deutschland, Großbritannien und den Niederlanden lassen vor dem mächtigen Malakowturm der Zeche Hannover das Dampfzeitalter lebendig werden. Hinzu kommen über 20 originalgetreue Nachbauten im Maßstab 1:2 bis 1:5. Beim Dampf-Corso, der an beiden Tagen um 15 Uhr zur Tour rund um die Zeche startet, werden die Maschinen im Einzelnen vorgestellt.

Erstmals in Deutschland zu sehen ist der Dampf-Traktor „Keck“, eine Maschine des amerikanischen Herstellers Keck-Gonnermann aus dem Jahre 1930, den der Eigentümer Chris Bimmel aus dem niederländischen Obdam nach Bochum bringt. Nicht so weit hat es das jüngste Original des Dampf-Festivals, eine Dampf-Walze des deutschen Herstellers Henschel aus dem Jahr 1952, die aus Borken anreist. „Dank der guten Kontakte zur deutschen und zur niederländischen Dampfszene konnten wir 20 originale Maschinen für das Festival zusammenbekommen, die alle im Fahrbetrieb zu sehen sind. Die mächtigen Maschinen unter Dampf zu sehen, ist ein einmaliges Erlebnis für alle Sinne“, freut sich LWL-Museumsleiter Dietmar Osses, der das Festival organisiert hat.

Steampunk-Camp

Das Dampf-Festival Ruhrgebiet ist gleichzeitig Treffpunkt der jungen Steampunk-Szene im Revier. „Seit unserer Ausstellung zu Subkulturen im Ruhrgebiet vor einigen Jahren pflegen wir gute Kontakte zur Steampunk-Szene, die die Utopien des Jule-Verne-Zeitalters weiterlebt. Die Gruppierung „Vaporium Ruhr“ veranstaltet beim Dampf-Festival ein großes Steampunk-Camp mit vielen Akteuren und Ausstellern. Wir erwarten eine Menge Gäste in phantastischen Kleidungen“, verrät Osses.

Begleitprogramm für die ganze Familie

Dampfmaschinen-Workshops für Kinder, Vorführungen der historischen Fördermaschine der Zeche Hannover von 1893 und ein buntes Begleitprogramm mit Mitmach-Aktionen, Zauberei und dem Zirkus Luftikus machen das Dampf-Festival zu einem Fest für die ganze Familie. Mit über 40 Maschinen aus 100 Jahren im vollen Dampfbetrieb ist das Dampf-Festival Ruhrgebiet das größte seiner Art in Deutschland.

Das seltenste Exemplar des Festivals ist eines der wenigen noch erhaltenen Dampf-Automobile „Model D Raar“ der White Sewing Machine Company aus Cleveland/ Ohio aus dem Jahr 1905. Die aus einer Nähmaschinenfabrik hervorgegangene Firma war von 1900 bis 1911 der führende Hersteller von dampfgetriebenen PKW, bis sie schließlich die Produktion auf benzingetriebene Motoren umstellte.

Das Prachtstück des Festivals ist die Kirmes-Zugmaschine „Hendrina“ von Jan Linders aus Venray. Sie wurde 1913 als Dampftraktor hergestellt und später zu einer Show-Maschine umgerüstet. Die Maschine verfügte über einen eigenen Generator, der aus Dampfkraft elektrische Energie für die Beleuchtung erzeugt – für das frühe 20. Jahrhundert war dies eine Sensation. Das älteste Exemplar ist eine dampfgetriebene Feuerspritze aus dem Jahr 1884, gebaut in London vom Hersteller Shand, Mason & Co. Die dampfgetriebene Pumpe kann 1.500 Liter Wasser in der Minute fördern.

Den diesjährigen Themenschwerpunkt des Festivals bilden tonnenschwere Dampf-Traktoren. Sie dienten als Zugmaschinen auf Straßen und Feldern und wurden auch zum Antrieb von Dreschmaschinen, Sägewerken oder Steinbrechern genutzt. Eine Besonderheit ist die Kemna EM Einheitsmaschine von 1916, die in Kooperation mit der Chemnitzer Maschinenbaufabrik Haubold hergestellt wurde. Auf Anweisung der deutschen Heeresverwaltung produzierten verschiedene Hersteller dieses Einheitsmodell eines Dampftraktors in großer Zahl, um schwere Lasten und Geschütze auf den unwegsamen Geländen an den Fronten des Ersten Weltkrieges zu transportieren.

Während heute vor allem in England und den Niederlanden viele originale Dampffahrzeuge erhalten sind, ist das Ruhrgebiet „die heimliche Hauptstadt des Dampfmodellbaus“. Zahlreiche ehemalige Maschinenbauer, Ingenieure, aber auch Liebhaber verbringen einen großen Teil ihrer Freizeit mit der Fertigung von detailgenauen Nachbauten von Dampffahrzeugen und Dampfmaschinen. Über 20 dampfgetriebene Traktoren, Dampf-Walzen und Spezialfahrzeuge, meist im Maßstab 1:3, aber immer noch mehrere hundert Kilo schwer, drehen ihren Runden um den Malakowturm der Zeche Hannover und laden Kinder zum Mitfahren ein.

Die größte und älteste Dampfmaschine des Festivals hat dagegen das LWL-Industriemuseum selbst zu bieten: Es ist die Fördermaschine von 1893 – die älteste Fördermaschine des Ruhrbergbaus, die noch am Originalstandort zu sehen ist. Bei Schauvorführungen setzt sich die mächtige Koepescheibe in Bewegung – gesteuert durch Druckluft und angetrieben mit einem Elektromotor.

Dampf-Festival Ruhrgebiet
Sa/So, 20. – 21. Mai 2017, jeweils von 10 bis 18 Uhr
LWL-Industriemuseum Zeche Hannover
Günnigfelder Straße 251, 44793 Bochum
Eintritt: 7 Euro, ermäßigt 3 Euro
www.lwl-industriemuseum.de