Vogelparadies Bad Rothenfelde

Bad Rothenfelde, ein Juwel unter den Heilbädern Niedersachsens, liegt in reizvoller Umgebung am Südhang des Teutoburger Waldes, direkt an der Landesgrenze zu Nordrhein-Westfalen. Schon 1811 wurde es als Solebad anerkannt und noch heute prägen mächtige Gradierwerke – Salinen – das Ortsbild. Im Süden des Badeortes lag, inmitten von Feldern und Wäldern, der Vogel- und Freizeitpark, der über die Bundesstraßen und Autobahnen schnell zu erreichen war. Mit dem Vogel- und Freizeitpark entstand 1975 in Bad Rothenfelde ein weiterer bedeutender Anziehungspunkt im Städtedreieck Osnabrück – Münster – Bielefeld.

Den Besucher des Vogelparks – der von März bis November unter dem Motto „Ein Nest für die Vögel unserer Erde“ geöffnet hatte – umfing eine wohltuende Welt: Ein sehr umfangreiches Freigelände mit üppigen Anpflanzungen, zahlreichen Weihern und Teichen, entlang kilometerlanger Wanderwege zahlreiche geräumige Volieren im niedersächsischen Fachwerkstil, Erlebnisgastronomie mit 500 Sitzplätzen, Ruhebereiche, Kinderattraktionen und – wohin das Auge blickte – Vögel der seltensten Arten. Ein besonderes Highlight im Park war das Tropenhaus mit seiner weiträumigen Freiflughalle, in der auch Bananen heranreiften, der Kaffeebaum blühte und neben den gefiederten Bewohnern die seltensten Schmetterlingsarten zu finden waren.

Im Laufe der Jahre lebten im Vogelparadies mehr als 1.750 Tiere aus 800 Arten und allen Teilen der Erde und verblüffte die Fachwelt immer wieder mit gelungenen Nachzuchten. Darunter waren beispielsweise im Jahr 1978 der südamerikanische Tschaja und der brasilianische Goldbrust-Bergtukan sowie 1982 der Guan aus Südamerika. Niemandem – außer dem Vogelpark in Bad Rothenfelde – war es in diesen Jahren gelungen, diese äußerst seltenen Tiere erfolgreich nachzuzüchten.

Schwarze Zahlen jedoch hat der Vogelpark nie geschrieben. Nach dem Start in den 70er-Jahren hatte das Projekt des riesigen Geländes heimische Handwerker in den Ruin getrieben. Nach dem Erwerb durch den Vogelparkgründer gab es zwar durch die großen Zuchterfolge einen Aufwärtstrend, doch scheiterten anschließend alle abenteuerlichen Versuche, das Gelände zu aktivieren. Auch Anträge auf eine Nutzungsänderung, um das Gelände mit Ferienhäusern zu ergänzen, scheiterten ebenso wie die Pläne mit dem Branchenriesen TUI. Das Dauerwohnrecht wurde am Ende zum Problem, sodass die Eigentümerfamilie 2004 Insolvenz anmelden musste. Seither war es still auf dem Gelände, der Park war bereits seit dem Jahr 2000 geschlossen, die Vögel verkauft oder an Züchter zurückgegeben worden.

Schlagzeilen machte der ehemalige Vogelpark nach der Schließung mit einer besonderen Musikveranstaltung für Freunde der elektronischen Musik. „Bird the Move“ begann am 20.Oktober 2001. Seither hatte es drei weitere Partys gegeben. Bis dato hatten Szenegrößen wie Dr.Motte, Moguai, Thomas Schumacher und sogar Sven Väth bei „Bird the Move“ aufgelegt. Als Väth kam, es war der zweite „Bird the Move“, hatte er wohl erwartet, auf einem Schützenfest zu spielen. Dann sah er die Palmen, die Mädchen, war hin und weg und spielte tropische vier Stunden lang. 2500 Menschen waren da, der Bass war bis ins nächste Dorf zu spüren. Die Raver, die nach Bad Rothenfelde kamen, schlugen ihre Zelte am Waldrand beim Vogelpark auf, feuerten die Holzkohlengrills an und feierten, schon Stunden bevor die erste Platte sich auf den Tellern zu drehen begann.

Das schlimmste Kapitel erlebte der Park im Juni 2004. Ein verheerender Brand in der Nacht legte das Tropenhaus in Schutt und Asche. Das Feuer wütete in der 7.000 Quadratmeter messenden Halle mit Tropencafé und Terrasse und ließ nicht nur die riesige Hallenkonstruktion verglühen, auch die exotische Flora mit seltenen tropischen Pflanzen und Bäumen, gemauerte Umrandungen an den Wegen, Teiche und Volieren und zerstörte sie für immer. Als die Feuerwehr des Heilbades eintraf, stand der größte Teil der Halle bereits lichterloh in Flammen. Besonders im mit Kunststoff-Doppelstegplatten verkleideten Hallenbereich fanden die Flammen reichlich Nahrung. Das Feuer musste schon längere Zeit unbemerkt sein zerstörerisches Werk getan haben. So wurden sofort weitere Wehren der Umkreise alarmiert. Auf Grund der unzureichenden Wasserversorgung mussten noch weitere Tanklöschfahrzeuge aus den Nachbarstädten und -gemeinden angefordert werden. Die Feuerwehr ließ den in Flammen stehenden Hallenteil kontrolliert abbrennen und verhinderte ein Übergreifen der Flammen auf angrenzende Gebäudeteile. Die für wenige Wochen später angesetzte, fünfte Ausgabe des „Bird the Move“, musste abgesagt werden.

Ende 2013 wurde beschlossen, aus dem einstigen Vogelpark-Areal einen Solarpark zu errichten. Die Niedersächsische Landgesellschaft (NLG) hatte später das Gelände im Auftrag der Gemeinde Bad Rothenfelde aus der Insolvenzmasse des Vogelparks gekauft, ergänzt wurde es durch drei Hektar der Klosterkammer in Hannover sowie weiteren fünf eines Privatmannes. Seit Anfang 2016 ist die Anlage in Betrieb. Der hier nun produzierte Solarstrom soll etwa 1.600 Haushalte in Bad Rothenfelde (Stand 2017) versorgen. Die Anlage mit seinen 35.000 Solarmodulen kann bis zu 7,5 Megawatt Strom in der Spitze liefern und 5 Tonnen CO2 im Jahr einsparen.

Quelle: Wikipedia, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Neue Osnabrücker Zeitung, Meller Kreisblatt, Parkbroschüre

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Dokument erstellt am 22.02.2011
Letzte Änderung am 03.07.2016

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André Winternitz, Jahrgang 1977, ist freier Journalist und Redakteur, lebt und arbeitet in Schloß Holte-Stukenbrock. Neben der Verantwortung für das Onlinemagazin rottenplaces.de und das vierteljährlich erscheinende "rottenplaces Magazin" schreibt er für verschiedene, überregionale Medien. Winternitz macht sich stark für die Akzeptanz verlassener Bauwerke, den Denkmalschutz und die Industriekultur.