VEB Strickwarenfabrik „Aktivist“

Ehemaliger VEB Strickwarenfabrik "Aktivist" vor dem Rückbau. Foto: Winternitz

1910 erbaute das Unternehmen Junghans & Rössel einen Fabrikkomplex und betrieb diesen als mechanische Strickerei. 1926 kam es zur Aufsplittung der Gesellschaft, der Fabrikant Rössel produzierte auf dem Gelände weiter, Junghans baute in der Nähe eine neue Fabrik auf. Nach dem Zeiten Weltkrieg und der damit verbundenen Enteignung der Betriebe firmierte man als VEB „Aktivist“ und ab 1951 wieder vereint. Produziert wurden Trikotagen und Bademoden, nicht nur für den heimischen Markt, sondern auch für den Westen – darunter namhafte Trademarks. 1976 erweiterte man das Werksgelände durch einige Neubauten, darunter neue Produktionshallen und ein Speisesaal.

1990 übernahm die Micado Strickwaren GmbH die Produktion bis in das Jahr 2004, produzierte mitunter Kinder- und Babymode für führende Versandhäuser. Dann stürzte das Unternehmen direkt in die Insolvenz, 1996 wurde das Gesamtvollstreckungsverfahren eröffnet. Auf dem Gelände gab es seit dem Leerstand bereits mehrere Feuerwehreinsätze und Einbrüche. Immer wieder diente das Gelände als Ort für illegale Müllablagerungen.

2010 gab die Stadtverwaltung bekannt, dass das Gelände des ehemaligen VEB noch eine Weile auf die Revitalisierung warten müsse, es fehle an den notwenigen Geldern. Die Planungen sollten allerdings dazu angelaufen sein. In der aktuellen Förderperiode 2014 bis 2020 wolle die Stadt einen erneuten Antrag auf Förderung stellen. Immer wieder musste das Areal kontrolliert und neu gesichert werden, da die Absperrungen beschädigt wurden und sich beispielsweise Kinder auf dem Gelände oder in den einsturzgefährdeten Gebäuden aufhielten.

Lange Zeit war von diesen Planungen allerdings nicht viel umgesetzt worden, lediglich ein Teilabbruch wurde realisiert. 2016 wurden dann die Fördermittel bewilligt. Nur ein Jahr später wurden diese dann abgebrochen, weil während des Rückbaus unbekannte Keller entdeckt wurden, die voller Müll waren. Aus diesem Grund mussten die Abbruchkosten neu kalkuliert werden. 700.000 Euro mussten zu den 1,3 Millionen, die das Abbruchprojekt im Ganzen kosten sollte, zugeschossen werden.

Nach einem schier endlos wirkenden Abbruch des früheren VEB Strickwarenfabrik „Aktivist“ kam Mitte Juli 2018 die Meldung aus der Stadtverwaltung, dass die Geschichte des DDR-Betriebes, in dem zu Glanzzeiten bis zu 1.500 Menschen arbeiteten, zu Ende ist. Das Gelände wurde beräumt und auch der belastete Boden ausgetauscht. 46.000 Tonnen Bauschutt, 625 Tonnen Holz, 1.500 Tonnen Baumischabfälle und Textilien sowie 1.000 Tonnen Stahl mussten fachgerecht entsorgt werden.

Quelle: Freie Presse

Dokumenten Information
Copyright © rottenplaces 2014
Dokument erstellt am 09.08.2014
Letzte Änderung am 09.08.2014

Vorheriger ArtikelVEB Kirchberger Textilwerke
Nächster ArtikelKinderheim Sonnenland
André Winternitz, Jahrgang 1977, ist freier Journalist und Redakteur, lebt und arbeitet in Schloß Holte-Stukenbrock. Neben der Verantwortung für das Onlinemagazin rottenplaces.de und das vierteljährlich erscheinende "rottenplaces Magazin" schreibt er für verschiedene, überregionale Medien. Winternitz macht sich stark für die Akzeptanz verlassener Bauwerke, den Denkmalschutz und die Industriekultur.