Stadt will historisches Stadtbad denkmalgerecht sanieren

Stadtbad Leipzig. Foto: rottenplaces Archivfoto.

Leipzig (pm/aw). Über hundert Jahre nach der Eröffnung und nach mehr als 17 Jahren ohne Badnutzung soll das Leipziger Stadtbad in Zentrum-Nord im Eigentum der Stadt verbleiben und perspektivisch als Sportstätte betrieben werden. Zwei Nutzungsvarianten sollen hierfür untersucht werden: Zum einen die Inbetriebnahme der Frauen- und Männerschwimmhalle inklusive einer Saunalandschaft. Zusätzlich könnte die Sportbäder Leipzig GmbH zentral im Gebäude untergebracht werden. In der zweiten Variante sollen nur die Frauenschwimmhalle und der Saunabereich aktiviert werden, weitere Flächen wären beispielsweise für die Büro- oder Archivnutzung freigegeben. In jedem Fall würde das Bad zunächst denkmalgerecht saniert werden.

Den entsprechenden Beschluss zur Freigabe von 250.000 Euro als Planungsmittel hat Oberbürgermeister Burkhard Jung jetzt auf Vorschlag von Baubürgermeister Thomas Dienberg auf den Weg gebracht. Der Stadtrat entscheidet abschließend darüber. Die Ratsbeschlüsse zur Veräußerung des Bades aus dem Jahr 2005 wären damit aufgehoben und die Ausschreibung beendet. „Für die Stadt Leipzig ist das historische Stadtbad von herausragender Bedeutung“, erläutert Baubürgermeister Thomas Dienberg. „Den Verbleib im Besitz der Stadt – unter einem tragfähigen Nutzungskonzept als Schwimmhalle, was sich so viele Leipzigerinnen und Leipziger wünschen – sehe ich deshalb als große Chance an.“

Das Stadtbad wurde zwischen 1913 und 1916 in der ausgehenden Epoche des Historismus errichtet – Stadtbaurat Otto Wilhelm Scharenberg nutzte Jugendstilelemente und jene des Maurischen Stils. Es ist das älteste Hallenbad Leipzigs und als Baudenkmal besonders schützenswert. Doch schon zur Eröffnung im Juli 1916 war die dreiflügelig konzipierte Anlage eine kleine Sensation und gehörte zu den modernsten Hallenbädern Europas – nicht zuletzt aufgrund des integrierten Wellenbades. Die Herrenschwimmhalle hat eine Wasserfläche von 384 Quadratmetern, die Frauenschwimmhalle von 136 Quadratmetern; der als Hundetherapiebecken angelegte Teil wurde in den 1980er Jahren zum Kinderbecken umfunktioniert – Herzstück des Bades war jedoch die prunkvolle Damensauna, die mit filigranen Säulen, Bögen und ornamentverzierten Fliesen orientalisch anmutet.

2004 musste das Bad wegen baulicher Mängel geschlossen werden. Investoren mit überzeugenden Konzepten zur Inbetriebnahme konnten in den vergangenen Jahren jedoch nicht gefunden werden. Beide jetzt zur Diskussion stehenden Nutzungsvarianten wurden im Austausch mit der Sportbäder Leipzig GmbH sowie der Förderstiftung Leipziger Stadtbad entwickelt. Die Reaktivierung des Leipziger Stadtbades könnte ein Impulsgeber für das neue Wohnquartier am Eutritzscher Freiladebahnhof und den gesamten Stadtteil sein.