Niedersachsenkaserne

1957 begann die Bundeswehr auf dem Nordwestteil der ehemaligen Pulverfabrik der Eibia GmbH, Anlage „Weser“, mit den Bauarbeiten für die Niedersachsenkaserne, verschiedene Restbauten der Pulverfabrik wurden in das Nutzungskonzept mit einbezogen. Wohnungen für Soldaten und ihre Familien sowie Zivilbeschäftigte entstanden. Weiter entstand eine große Garnison, hauptsächlich für Pioniere, die erste Einheit zog im Jahr 1959 ein. Stationiert waren hier unter anderem das Panzergrenadierbataillon 71, die Pionierbataillone 120 und 11, die Panzerpionierkompanie 320, das Raketenartilleriebataillon 32, die Begleitbatterie 3 und das Transportbataillon 11 sowie US-Streitkräfte, welche die Nuklearwaffen auf der Standortmunitionsniederlage Diensthop bewachten. Das Verwaltungsgebäude der Pulverfabrik funktionierte man in den 60er Jahren zum Offizierskasino und zur Standortverwaltung um.

An der Weser errichte man einen Wasserübungsplatz mit eigenem Hafen, das Südgelände diente den Pionieren als Standortübungsplatz. Im Jahr 1990 brach der Boden des Sportplatzes ein, man entdeckte bei den notwendigen Ausgrabungen die Unterbauten der Säurehochkonzentrations-Anlage.

2003 wurden die letzten Truppen verlegt, bis 2006 veräußerte man das Inventar und sonstige, nicht mehr benötigte Positionen. Vor der Auflösung durch den Einbau von neuen Fenstern und die Modernisierung der Küche für mehrere Millionen Euro saniert. Auf dem Gelände wurden 3 ehemalige Tankstellen sowie 3 Altöltanks aus dem Betrieb von Ölwechselrampen zurückgebaut. Bei zwei älteren Tankstellen war der Boden im Bereich der Zapfsäulen deutlich verunreinigt, so dass ergänzend zum Rückbau ein Bodenaustausch als Sanierungsmaßnahme erforderlich war.

Bis heute übte das Technische Hilfswerk (THW) auf Lehrgängen der Berufsschule in Hoya den Abriss von Gebäuden und Gebäudeteilen sowie das Bergen von Verschütteten. Der ADAC veranstaltete auf dem Gelände 2007 und 2008 ein Rennen. Seit den ersten Truppenreduzierungen hat der Ortsteil Barme fast ein Drittel seiner Einwohner verloren.

Am Haupttor der Kaserne und am Forstenhof, dem ehemaligen Soldatenheim, siedelte sich 2010 ein Wolfscenter an, in dem Wölfe gezüchtet und studiert werden sowie Publikumsverkehr, Seminare und Ausstellungen stattfinden. Die Kaserne war einer der Schauplätze von Sven Regeners Roman Neue Vahr Süd.

Im April 2012 begannen die Abbrucharbeiten des mehrere Hektar großen Kasernengeländes. Ein Teilstück von 11 Hektar hatte das Gleisbauunternehmen Wiebe gekauft, der bisherige Eigentümer des Geländes, die Immobilienfirma IVG, hatte sich vertraglich zum Rückbau auf eigene Kosten verpflichtet und ein Abbruchunternehmen bestellt. Der Rest des Geländes ist im Eigentum der Gemeinde Dörverden, welche das Gelände zum Industrie- und Gewerbegebiet umplant. Die Niedersachsenkaserne diente den Ehrenamtlichen des Technischen Hilfswerks (THW) mehrfach als Übungsgelände. Am 17. November 2012 sprengten 30 Sprengbeauftragte des THW aus Bremen, Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen, unterstützt vom THW-Ortsverband Verden den 34-Meter-Schornstein auf dem Gelände. Die mächtige, mehrlagige Spannstahlarmierung trotzte den ersten beiden Sprengversuchen. Beim dritten Versuch fiel der kleine Riese dann um.

Quelle: Wikipedia, Ingenieure Born-Ermel, Kreiszeitung

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Dokument erstellt am 22.05.2011
Letzte Änderung am 03.07.2014

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André Winternitz, Jahrgang 1977, ist freier Journalist und Redakteur, lebt und arbeitet in Schloß Holte-Stukenbrock. Neben der Verantwortung für das Onlinemagazin rottenplaces.de und das vierteljährlich erscheinende "rottenplaces Magazin" schreibt er für verschiedene, überregionale Medien. Winternitz macht sich stark für die Akzeptanz verlassener Bauwerke, den Denkmalschutz und die Industriekultur.