Mönchengladbach legt Grundstein für nachhaltige Gewerbeflächen

Mönchengladbach (pm/aw). Nachhaltiges Gewerbeflächenkonzept verschafft Überblick über potentielle Gewerbeflächen. Kriterien für Priorisierung und nachhaltige Entwicklung festgelegt. Rund ein Viertel aller Unternehmen in Mönchengladbach möchte sich vergrößern. Zugleich haben viele auswärtige Unternehmen Interesse am Unternehmensstandort Mönchengladbach. Gerade vor dem Hintergrund des Strukturwandels gilt es, in der Stadt auch zukünftig ausreichende hochwertige Gewerbeflächen sicherzustellen. Doch welche Flächen stehen dafür überhaupt zur Verfügung? Und welche Leitlinien sind wichtig, um Gewerbeflächen nachhaltig zu erhalten und zu entwickeln? Fragen, auf die die Stadt im Nachhaltigen Gewerbeflächenkonzept Antworten gibt. Am Dienstag hat die Verwaltung das Konzept im Ausschuss für Planung, Bauen und Stadtentwicklung vorgestellt.

Technische Beigeordnete Claudia Schwan-Schmitz: „Unser Lebensraum im Rheinischen Revier ist hochverdichtet. Trotzdem gibt es in Mönchengladbach einen unbestritten hohen Bedarf an Gewerbeflächen, der durch die besonderen Strukturwandererfordernisse verschärft wird. Wichtig ist deshalb, dass wir Flächen effizient nutzen. Gerade in bestehenden Gebieten müssen wir Vorgaben zu nachhaltigem Wirtschaften berücksichtigen und über Stadtgrenzen hinaus denken. Das nachhaltige Gewerbeflächenkonzept legt dafür den Grundstein.“

Oberbürgermeister Felix Heinrichs: „Mit dem Nachhaltigen Gewerbeflächenkonzept legen wir erstmals objektive Kriterien fest, die uns helfen, zu einer sinnvollen Priorisierung bei der Entwicklung theoretisch verfügbarer Flächen zu kommen. In Kombination mit unserer noch laufenden Wirtschafts-Potentialanalyse stellen wir die Weichen für ein erfolgreiches nachhaltiges Gewerbeflächenmanagement und eine gezielte Ansiedlungsstrategie von Unternehmen. Das ist ein starkes Pfund für die Zukunft des Wirtschaftsstandorts Mönchengladbach.“

Dr. Ulrich Schückhaus, Vorsitzender der Geschäftsführung der WFMG – Wirtschaftsförderung Mönchengladbach GmbH: „Dass die verfügbaren Gewerbeflächen in der Stadt zunehmend zur Neige gehen und wir sehr dringend neue benötigen, spüren wir seit Jahren. Das Nachhaltige Gewerbeflächenkonzept gibt uns künftig ein Instrumentarium an die Hand, um die Mangelsituation proaktiv anzugehen und vor allem solche Entwicklungen zu priorisieren, die besonders strukturwandelrelevant sind, indem sie die Sicherung und Schaffung zukunftsfähiger, wissensintensiver Arbeitsplätze begünstigen.“

Prioritäten setzen und den Flächenbedarf effizient decken Das Gewerbeflächenkonzept betrachtet in einer Analyse den erwarteten Bedarf an Gewerbeflächen bis 2045 und weist ebenso die theoretisch verfügbaren Flächen aus. In diese Flächenbegutachtung sind nicht nur potentielle neue Gewerbeflächen eingeflossen, sondern auch vorhandene brachliegende Grundstücke und Konversionsflächen, die für eine Gewerbenutzung reaktiviert werden könnten. Zudem beschäftigt sich die Stadt auch mit weiteren möglichen Gewerbeentwicklungen, die bislang regionalplanerisch noch nicht ausgewiesen sind, etwa im JHQ oder am Flughafen.

Klar ist, dass nicht alle theoretisch verfügbaren Flächen entwickelt werden können – schon gar nicht gleichzeitig. Zum nachhaltigen Gewerbeflächenkonzept gehört deshalb ein ausführlicher Kriterienkatalog, mit dem systematisch Herausforderungen, Aufwände und Chancen einer jeden Potentialfläche bewertet werden können. Mithilfe dieser Kriterien erstellt die Verwaltung nun eine Priorisierung, nach der sie potentielle Flächen entwickeln will. Die Priorisierung wird voraussichtlich Mitte 2024 in die politische Beratung gehen.

Dabei machen die Überlegungen nicht an der Stadtgrenze Halt. Vielmehr strebt Mönchengladbach die Entwicklung kommunal übergreifender Gewerbegebiete und Gewerbesteuerverbünde mit Nachbarkommunen an. Dabei können Teile der Mönchengladbach zustehenden Gewerbeflächen außerhalb der Stadtgrenzen realisiert werden, ohne dass dem städtischen Haushalt die Gewerbesteuereinnahmen verloren gehen. Die mit Jüchen und Grevenbroich gemeinsam angedachte Gewerbeflächenentwicklung im Elsbachtal ist dafür ein Beispiel.

Ein grundlegendes Gebot aller zukünftigen Gewerbeflächenentwicklungen ist zudem ein hohes Maß an Effizienz bei der Flächennutzung. Das kann beispielsweise bedeuten, Freiflächen in und um vorhandene Gewerbegebiete auszunutzen (etwa bei einer möglichen Erweiterung des Regioparks), bestehende Gebäude aufzustocken oder kombinierte Nutzungen zu fokussieren, beispielsweise einen Windpark und eine Gewerbeansiedlung.

Leitlinien für ein nachhaltiges Gewerbeflächenmanagement Das Gewerbeflächenmanagement der Stadt soll nicht nur effizient sein, sondern auch nachhaltig. Das Konzept legt deshalb Leitlinien für die unterschiedlichen Dimensionen nachhaltiger Entwicklung fest. Soziale Aspekte bedingen etwa, dass im Sinne der Anwohner eine attraktive Gestaltung des Umfelds von Gewerbegebieten beachtet wird, und für Arbeitnehmer die gute Erreichbarkeit und gegebenenfalls eine Kita vor Ort. Aus ökonomischer Sicht ist etwa die schon angesprochene Flächeneffizient relevant, weil sie hilft, Entwicklungs- und Erschließungskosten gering zu halten.

Zu den ökologischen Zielsetzungen zählt es, Eingriffe in Natur und Landschaft so weit wie möglich zu verhindern und Gewerbegebäude nachhaltig zu bauen. Eine wichtige Leitlinie dabei ist der Zero-Emissions-Gedanken, der kreislaufwirtschaftliche Grundsätze beschreibt. Unvermeidbare Abwärme aus industriellen Prozesse etwa könnte direkt vor Ort für die Wärmeversorgung von Gebäuden genutzt werden, die Produktionsreste des einen könnten wenige Meter weiter dem nächsten als Rohstoff dienen.

Über das Nachhaltige Gewerbeflächenkonzept Das Nachhaltige Gewerbeflächenkonzept wurde vom städtischen Fachbereich Stadtentwicklung und Planung sowie der Stabsstelle Strukturwandel gemeinsam mit der Wirtschaftsförderung Mönchengladbach und mit Unterstützung des Büros Georg Consulting erstellt. Doch auch viele andere Akteure haben sich in den Prozess eingebracht. So gab es etwa Workshops mit Kammern, Verbänden und weiteren Teilnehmern. Auch eine Unternehmensbefragung gehörte zum methodischen Repertoire. Ziel des Konzepts war es zum einen, sich dem Thema Fläche systematisch zu nähern, den langfristigen Bedarf zu ermitteln, das theoretisch verfügbare Flächenangebot herauszuarbeiten und dieses in ein Geoinformationssystem zu überführen. Zum anderen legt das Konzept mit klaren Leitlinien und Handlungsempfehlungen die Grundlage dafür, wie in Mönchengladbach künftig Gewerbeflächen nachhaltig weiterentwickelt werden oder neu entstehen können. Das Konzept ist damit ein weiterer Schritt bei der Umsetzung der städtischen Gesamtstrategie. Hier zahlt es unter anderem auf die Ziele „Wirtschaftsstandort auf Wertschöpfung und Wirtschaft 4.0 ausrichten“ (Qualität vor Fläche) und „Nachhaltigkeit, Umwelt & Klimaschutz bei Stadtentwicklung & kommunalem Handeln priorisieren“ ein.