Maschinenhalle der Zeche Zollern nach Sanierung geöffnet

Die Fördermaschine von 1902 ist immer noch funktionstüchtig und soll bald wieder regelmäßig laufen. Foto: LWL/Hudemann

Dortmund (aw/wh). Nach einer umfangreichen Sanierung wird am Montag, 5. September 2016, die Maschinenhalle der Zeche Zollern in Dortmund wiedereröffnet. Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) hat das Gebäude seines Industriemuseums seit 2007 renovieren lassen und will es zukünftig für Veranstaltungen und Ausstellungen nutzen. „Diese Halle ist ein Ort der Industriekultur, wie es ihn kein zweites Mal in Europa gibt. Wir sind sehr glücklich, dass wir dieses Jugendstil-Juwel der Öffentlichkeit jetzt in neuem Glanz präsentieren können“, erklärte LWL-Direktor Matthias Löb in Dortmund.

Im Mittelpunkt der Sanierungsarbeiten standen die Stahlglaskonstruktionen der Fenster sowie das Stahlfachwerk der 1902/03 errichteten Halle. Darüber hinaus wurden Ziegelsteine und Fugen ausgebessert, die an vielen Stellen marode waren. Die Kosten der Sanierung belaufen sich auf 7,6 Millionen Euro, wobei 90 Prozent vom Land übernommen wurden. Die Maschinenhalle der Zeche Zollern mit ihrem bekannten Jugendstil-Portal gilt als ein herausragendes Beispiel moderner Industriearchitektur und Pionierbau der Industriedenkmalpflege in Deutschland.

Sanierung startete 2007

2007 starteten in Dortmund die Vorarbeiten mit einer aufwändigen Bauuntersuchung und Schadensanalyse. „Wir mussten zunächst einmal herausfinden, wo genau welche Schäden vorlagen, um möglichst viel der Substanz zu retten und dabei den Sanierungsaufwand möglichst klein zu halten. Und dabei haben wir auch viel über das Gebäude und seine ständigen Veränderungen gelernt“, erklärt Museumsdirektor Dirk Zache. Farben wurden untersucht, historische Fotos analysiert, Glasfunde ausgewertet. Die aufwändige Restaurierung der Schalttafel und vieler anderer Details führten die Restauratoren des Museums durch.

Von vornherein ging es den Fachleuten nicht um die Rekonstruktion des ursprünglichen Zustands, sondern um den Erhalt des Gebäudes mit seinen vielfältigen Nutzungsspuren. Im wissenschaftlichen Beirat, der den Prozess der Sanierung über Jahre begleitet hat, wurde ein Weg entwickelt, den Zache als „abstrahierende Neufassung“ bezeichnet: Was im Original nicht mehr vorhanden war, erkennt der Besucher heute als „Annäherung“.

Auffällige Fenster

Am Augenfälligsten wird dies bei den ursprünglich farbig geränderten Fenstern, die in den 1950er Jahren mit Klarglas erneuert worden waren. „Zwar haben wir farbige Scherben der ursprünglichen Verglasung gefunden, da aber die erhaltenen Fensterrahmen der 1950er Jahre eine andere Sprossenaufteilung aufweisen, mussten wir uns auch hier etwas erkennbar Neues einfallen lassen“, so Zache. So weisen heute lediglich einige Bahnen aus satiniertem Glas auf die ehemals aufwändigere Gestaltung hin. Anders beim Westfenster: Da hier die Befunde eindeutiger waren und die Sprosseneinteilung unverändert geblieben war, wurde neben dem blau eingefärbten Klarglas auch der ursprünglich gelbe Glasstreifen wieder eingesetzt. Vollständig erhalten blieb indes die Jugendstil-Verglasung im Windfang des Portals. Sie wurde behutsam restauriert. „Das ist ein absoluter Glücksfall, denn ein solches Portal gibt es kein zweites Mal in einem Industriebau in Europa“, betont LWL-Direktor Löb.

Nach der Restaurierung erstrahlt die Maschinenhalle in neuem Glanz. Foto: LWL/Holtappels
Nach der Restaurierung erstrahlt die Maschinenhalle in neuem Glanz. Foto: LWL/Holtappels

Vom Abriss bedroht

Dabei hat nicht viel gefehlt, und die Halle wäre den Abrissbaggern zum Opfer gefallen: Drei Jahre nach der endgültigen Stilllegung der Zeche Zollern (1966) hatte die Gelsenberg AG das Gebäude samt Inventar schon zum Abbruch ausgeschrieben. Erwarteter Schrottwert: 215 000 DM. Ihre Rettung gelang 1969 dank des hartnäckigen Engagements einer kleinen Zahl von Personen, die von der exemplarischen Qualität der Anlage begeistert waren. Diese Aktion wirkte als Initialzündung für die Industriedenkmalpflege und führte 1979 bzw. 1984 zur Gründung der Industriemuseen in Westfalen und im Rheinland – und in der Folge auch zu dem, was heute ganz selbstverständlich als „Industriekultur“ gilt.

Nach Abschluss der Sanierung will das LWL-Industriemuseum die Maschinenhalle insbesondere für Veranstaltungen und Ausstellungen nutzen. Die entsprechende Infrastruktur, darunter Sanitäranlagen und ein Aufzug, wurden denkmalverträglich integriert. Das über hundert Jahre alte Kellergeschoss lädt schon heute zu eigenen Entdeckungen ein. Auch die elektrische Fördermaschine von 1902 geht wieder in Betrieb. „Da können wir auf das Engagement unserer ehrenamtlichen Mitarbeiter bauen“, freut sich Zache.