Kunstprojekt „Weisse Schatten“ in der Papierfabrik Wolfswinkel

Kunstprojekt "Weisse Schatten" in der Papierfabrik Wolfswinkel. Foto: Endmoräne e. V.

Eberswalde (aw). Nur noch dieses Wochenende haben Interessierte die Möglichkeit, das Kunstprojekt „Weisse Schatten. Wege duch die verlassene Papierfabrik Wolfswinkel“ des Künstlerinnenvereines Endmoräne e. V. zu erleben. In der Zeit von 13 bis 18 Uhr öffnet die Industriebrache am Finowkanal vorerst zum letzten Mal die Türen für Besucher der Kunstinszenierung. Als Kollektiv reichlich geschichtsträchtig, bespielen die Endmoräne-Künstlerinnen seit einem Vierteljahrhundert leerstehende Orte und Gebäude im Berliner Umland. Mit raum- und themenbezogenen Arbeiten ziehen sie jeden Sommer kunstbegeisterte Besucher, Anwohnerinnen und Ausflügler aus Berlin und Brandenburg in ihren Bann.

Unweit von Berlin, in der so genannten „Waldstadt“ Eberswalde, einem der ersten Industriestandorte Deutschlands an der Schwelle zum Maschinenalter, befindet sich ein stilles Zeugnis der einstigen gewerblichen Blüte dieser Gegend. Ein Vierteljahrhundert lang formierten sich am Finowkanal zunächst Manufakturen, später seit der Industrialisierung bis in die 1990er Jahre zahlreiche Fabriken, vornehmlich aus dem metallverarbeitenden Bereich. Darunter, gleich einer Prinzessin unter Rittern, die Papierfabrik Wolfswinkel, die wie viele volkseigene Betriebe nach der Wende privatisiert und kurz darauf geschlossen wurde. Romantisch verschlafen und zugleich kühl morbide wirken die verlassenen Überbleibsel des frühindustriellen Denkmals, dessen steinerne Hallen mit Natur und Kanal eine entrückte Symbiose eingegangen sind, um im selben Augenblick beides zu konfrontieren.

Eben dieses Moment machen sich die Endmoräne Künstlerinnen zum komplexen Thema: Jene faszinierenden Kontraste, welche die verfallende Fabrik räumlich und geschichtlich bietet, bildnerisch partizipatorisch zu erschließen. Das hier einstmals produzierte reinweiße Papier im aktuellen Kontext zwischen Schutt und Schatten zu rekapitulieren. Und die Widersprüchlichkeit kaputter Schönheit und anziehender Verödung installatorisch umzusetzen. Ein Weißabgleich mit der Umgebung, der die Kunst auf die Situation vor Ort einstellt. Das Ganze mit Beteiligung des Publikums mittels eines Wegeleitsystems, auf dem man vorwärts durch das Gestern und zurück in die Zukunft gehen kann.

Den Gegensätzen in und zwischen allen Dingen Raum, Form und Entfaltungsmöglichkeit zu geben, ist – so sei die These – die projekteigene Ausstellungsdialektik von Endmoräne. Wo viel Licht ist, ist viel Schatten. Ob eine Synthese gelingt, ist in dem Sinne nicht wichtig. Denn der Weg ist ja das Ziel. Seit Anfang und nur noch bis zum 16. Juli in der ehemaligen Papierfabrik Wolfswinkel. Wenn 22 Künstlerinnen mitsamt Gästen passend zum Sujet wieder aus dem Vollen schöpfen. Papier ist angeblich geduldig. Endmoräne nicht. Auch darin bleibt sich das Projekt über die Jahre treu.

Die Ausstellung in der Papierfabrik mit Arbeiten von Ina Abuschenko-Matwejewa, Susanne Ahner, Kerstin Baudis, Ka Bomhardt, Anna Borgman, Claudia Busching, Monika Funke Stern, Gisela Genthner, Renate Hampke, Masko Iso, Ingrid Kerma, Gunhild Kreuzer, Angela Lubič, Barbara Müller, Dorothea Neumann, Patricia Pisani, Elke Postler, Ilka Raupach, Antje Scholz, Erika Stürmer-Alex, Christiane Wartenberg, Tina Zimmermann erfolgt in Kooperation mit Studierenden der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde.

Schirmherrin ist die Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg Dr. Martina Münch. Die Ausstellung wird gefördert aus Mitteln des Landes Brandenburg, der Stadt Eberswalde, der EWE Stiftung, des Landkreises Märkisch Oderland, der Stiftung der Sparkasse Märkisch Oderland, der Aktion KulturAllianzen, der Gerda-Weiler-Stiftung, der GLS Treuhand e.V. sowie von Volker Haerecke und der IndustrieKultur GmbH Wolfswinkel.

Ehemalige Papierfabrik Wolfwinkel
01. bis 16. Juli 2017
jeden Samstag und Sonntag 13 bis 18 Uhr
Eberswalder Str. 27-31, 16227 Eberswalde
Zur Ausstellung ist eine Broschüre erschienen. Weitere Informationen über das Gesamtprojekt und die beteiligten Künstlerinnen sowie zu Verkehrsanbindungen, Führungen und Performances unter www.endmoraene.de