Frühmittelalterliche Siedlung in Paderborn entdeckt

Grabungsdokumentation mit Laptop und Zollstock: Dr. Sveva Gai von der Stadtarchäologie Paderborn, Marvin Mädel und Claudia Melisch von den archäologischen Fachfirmen (v.l.n.r.). Foto: LWL/Nils Wolpert

Paderborn (lwl/aw). Paderborn ist aktuell Schauplatz der größten archäologischen Ausgrabung, die die Stadt je gesehen hat. Auf elf Hektar haben Archäologen des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) im Neubaugebiet Springbach Höfe eine Siedlung aus dem 8. bis 10. Jahrhundert entdeckt. Die Überreste der mittelalterlichen Häuser werden nun freigelegt, bevor auf dem Gelände ein neues Stadtviertel entsteht.

Auch nach über 1.000 Jahren sind die Grundrisse der mittelalterlichen Häuser noch gut erkennbar. Sie zeichnen sich als dunkle Verfärbungen im Boden ab. Die Gebäude, die hier einst standen, waren nicht aus Stein, sondern aus Holz gebaut. „Wir haben bereits fünf Teilgrundrisse von Pfostenbauten entdeckt“, erläutert die Stadtarchäologin Dr. Sveva Gai. „Dazu kommen noch einmal so viele Grubenhäuser.“ Hierbei handelt es sich um Wohn- oder Werkstattgebäude, die in den Boden eingegraben wurden. Von solchen Häusern blieben bis heute verfüllte Gruben zurück.

Anhand der gefundenen Keramikscherben können die Archäologen die Häuser in das 8. bis 10. Jahrhundert datieren. „Die ungewöhnlich große Zahl an Gebäuden zeigt, dass wir es hier nicht bloß mit einem Hof zu tun haben“, so Gai. „Alles deutet auf eine karolingisch-ottonische Siedlung hin.“

Noch nie hatten die Paderborner Stadtarchäologen Gelegenheit, eine solch große Fläche zu untersuchen. Die Forschungen stehen jedoch unter großem Zeitdruck, da das Gebiet Bauland ist. Unter der Anleitung der LWL-Archäologen arbeiten drei Firmen unter Hochdruck. In den kommenden vier Monaten graben sie die Befunde aus und dokumentieren sie. „Die Zusammenarbeit mit den Grabungsfirmen läuft sehr effektiv“, bestätigt Robert Süße von der Stadtarchäologie Paderborn. „Auch über die hervorragende Kooperation mit den Ämtern und Eigenbetrieben der Stadt Paderborn sind wir sehr froh“, fügt Gai hinzu.

Bereits im Sommer 2017 hatten die Archäologen vom LWL erste Entdeckungen in dem Neubaugebiet gemacht, dessen Flurname Goldberg lautet (wir berichteten). Im Luftbild waren auffällige Strukturen erkennbar. Probegrabungen bestätigten, dass diese Felder im Mittelalter besiedelt waren.

Die Entdeckung ist für Archäologen von besonderem Interesse: Während westlich von Paderborn zahlreiche Siedlungsspuren von der Eisenzeit bis ins Mittelalter bekannt sind, ist das Gebiet im Paderborner Osten archäologisch kaum erforscht. Im vergangenen Jahr hatte der Bau von Windrädern zur Entdeckung der mittelalterlichen Siedlung Marsfelde geführt. Die LWL-Archäologen vermuten aufgrund schriftlicher Überlieferungen zahlreiche weitere Siedlungen in diesem Raum. Die aktuelle Ausgrabung im Osten der Stadt liefert einen neuen wichtigen Baustein zur Erforschung des Paderborner Umlandes im Mittelalter.