Fotografie-Ausstellung „Arbeitskämpfe“ in Hattingen

Auf dem Rhein grüßen streikende Stahlarbeiter einen Binnenfrachter, der sie mit der Sirene gegrüßt hat. Duisburg-Rheinhausen, 14. Dezember 1987. Foto: LVR/ Michael Kerstgens

Hattingen (lwl/aw). Am Mittwoch (24.5.) eröffnet der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) in seinem Industriemuseum Henrichshütte Hattingen die Ausstellung „Arbeitskämpfe“ (bis 8. Oktober). Im Foyer zeigt der LWL über 80 Fotografien von Michael Kerstgens. Die Arbeiten entstanden zwischen 1984 und 2013 in England, Wales, im Rheinland und in Westfalen. Das Thema „Arbeitskämpfe“ zieht sich wie ein roter Faden durch die Arbeiten Kerstgens‘. Den Anfang machte der große „Miners‘ Strike“ in England und Wales, Höhepunkt des unter der Regierung von Margaret Thatcher eingeleiteten Niedergangs der Bergbau- und Stahlindustrie in Großbritannien.

Das hatte zunächst biografische Gründe, wie Michael Kerstgens erläutert: „Die Fotografien entstanden, weil es mich etwas anging.“ Zurück in Deutschland begegneten ihm ganz ähnliche Bilder – in Rheinhausen, in Hagen und in Hattingen. Die Forderung der Walisischen Bergleute „Coal not Dole“, frei übersetzt „Arbeit statt Stütze“, ließe sich auch auf das Ruhrgebiet übertragen.

Beispiel Stahl: Während die Stahlproduktion sich weltweit seit 1985 mehr als verdoppelt hat, ist die europäische Stahlindustrie um 20 Prozent geschrumpft. „Der Strukturwandel ist keine lokale Herausforderung“, erläutert Robert Laube, Leiter des Hattinger Industriemuseums. „Ob Kohle oder Stahl, Wales oder Ruhrgebiet: Die Krise der Montanindustrie ist seit einer Generation international.“ Kerstgens weitet den Blick von der individuellen, lokalen Betroffenheit zum Verstehen von Mechanismen, die weltweit wirkungsmächtig sind.

„Arbeitskämpfe“ zeigt in eindrucksvollen Schwarz-Weiß-Fotografien Mut und Verzweiflung jener Menschen, die den Strukturwandel an der eigenen Haut zu spüren bekommen. Berührend sind farbige Fotografien, die 30 Jahre später in Yorkshire entstanden. Rund um das Hauptquartier der Bergarbeitergewerkschaft ist ein Revier im permanenten Ausverkauf entstanden. „Statt des Arbeitsplatzes vererben die Eltern ihren Kindern heute ihre Arbeitslosigkeit“, so Kerstgens über die Bilderserie, die er „Poundland“ betitelt hat.

Zur Eröffnung der Ausstellung begrüßt Monika Schnieders-Pförtzsch, stellvertretende Vorsitzende der LWL-Landschaftsversammlung, die Gäste. Dr. Burkhard Zeppenfeld, Kurator der vom LVR-Industriemuseum entwickelten Ausstellung, führt in Kerstgens‘ Fotografie ein. „Marta an der Leine“ begleitet den Abend mit Arbeiterliedern.

Zur Ausstellung sind zwei Publikationen erschienen: Coal not Dole. The Miners‘ Strike 1984/85, sowie: Aufruhrgebiet – Uproar Area, herausgegeben von Michael Kerstgens. Kerstgens wurde 1960 in Llanelli, Süd-Wales, geboren. Er wuchs ab 1965 in Mülheim an der Ruhr auf, studierte an der Essener Folkwang-Hochschule Fotografie, arbeitete als Dozent an der Hochschule Dessau und ist Professor für Dokumentar-Fotografie an der Hochschule Darmstadt. Heute lebt er mit seiner Familie in Oberhausen.

LWL-Industriemuseum Henrichshütte Hattingen
Westfälisches Landesmuseum für Industriekultur
Werksstr. 31-33, 45527 Hattingen