Fördermittel für Gärtnerhaus der Klinik Lüneburg

Lüneburg (dsd/aw). Vor gut einem Jahr begannen auf dem Gelände der Psychiatrischen Klinik in Lüneburg die von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD) unterstützten Restaurierungsarbeiten von Haus 43, dem ehemaligen Gärtnerhaus, in das das Bildungszentrum der „Euthanasie“-Gedenkstätte Lüneburg e.V.“ einzieht. Gerade wurde der Förderbetrag in Höhe von 60.000 Euro für den 2019 begonnenen Bauabschnitt zur Fachwerksanierung ausbezahlt – und die DSD bleibt dran. Ein weiterer Fördervertrag für den zweiten Bauabschnitt – diesmal in Höhe von 50.000 Euro für die Tischler- und Rohbauarbeiten – ist bereits unterwegs und trifft in Kürze bei Dr. Sebastian Stierl, dem Leiter der Bildungs- und Gedenkstätte Opfer der NS-Psychiatrie in Lüneburg, ein. Damit leistet die DSD ihren Beitrag zur Planungssicherheit für die Bauherren, ihre Architekten und hochqualifizierten Handwerksbetriebe und hilft, diese wichtigen Arbeitsplätze zu erhalten.

Das ehemalige Gärtnerhaus steht auf dem parkartigen Areal der heutigen Psychiatrischen Klinik am Westrand des von zahlreichen Wegen durchzogenen, locker bebauten Geländes nordwestlich der Lüneburger Innenstadt. Das Haus wurde 1832 errichtet als Teil der königlich-preußischen Baumschule und Obstplantage. Für die Errichtung des Fachwerkhauses verwandte man Backsteine des abgetragenen Kirchturms von St. Nicolai in Lüneburg.

Die gefällig gestaltete Schauseite des schlichten, biedermeierlichen Fachwerkbaus erinnert an eine Orangerie. Das zweistöckige Haus mit vorkragendem Obergeschoss und Satteldach ist ziegelgedeckt. Die Fassade ist symmetrisch, die zentrale zweiflügelige Zugangstür wird von großen, hochrechteckigen Fenstern mit Läden gerahmt. Eine zentrale Luke ermöglicht, Lasten direkt ins Obergeschoss zu verladen. Im Detail ist das Portal des Zweckbaus mit blumengeschmückten hölzernen Konsolen und einem profilierten Gesims geschmückt und verweist so auf die Funktion des Baus und den Anspruch des herrschaftlichen Auftraggebers.

Als 1901 auf dem Areal die Lüneburger Heil- und Pflegeanstalt eingerichtet wurde, blieb der Bau erhalten, auch weil gärtnerische Tätigkeiten zur Therapie gehörten. Heute ist das Gebäude das älteste auf dem Gelände. Während des Dritten Reichs wurden in der Klinik über 300 Tötungen von geistig und körperlich kranken Kindern und Jugendlichen und hunderte Zwangssterilisationen durchgeführt. In den 1940er Jahre diente das Krankenhaus als Lazarett. Im Gärtnerhaus wohnten damals die Ärzte und ihre Familien. Seit den 1980er Jahren stand das Gebäude leer und verfiel.