Fachleute des LWL entdecken Bergfried der Burg Horstmar

Eine Mitarbeiterin der LWL-Archäologie für Westfalen zieht die Bodenradarantenne über die Stelle, wo sich früher die Burg Horstmar befand. Foto: LWL-Archäologie für Westfalen/J. Coolen

Horstmar (lwl). Fachleute des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) haben bei Bodenradarmessungen im Bereich der ehemaligen Burg Horstmar unter anderem die Reste eines mächtigen Turms, des Bergfrieds, entdeckt. Die Radardaten zeigen die Grundmauern eines runden Turmes, der offenbar frei im Burghof stand. Mit einem Außendurchmesser von etwa 14 Metern gehörte er zu den größeren Exemplaren solcher Türme, die vom 12. bis zum 15. Jahrhundert zum Kern jeder Burg gehörten.

„Der Durchmesser und die Mauerstärke von drei Metern lassen vermuten, dass der Turm über 25 Meter hoch gewesen sein dürfte“, schätzt LWL-Archäologe Joris Coolen. Als Bergfried bezeichnet man im deutschsprachigen Raum den Hauptturm einer hochmittelalterlichen Burg. Neben seiner Schutz- und Wehrfunktion war der Bergfried vor allem ein weit sichtbares Machtsymbol des Burgherrn. Der Bergfried ragte meist deutlich über die restliche Burg und die Umgebung hinaus und war an der Außenseite aufwendig gemauert. Der Eingang lag in der Regel hoch über dem Boden.

Heute ist das ehemalige Burgareal ein stark überwachsener Hügel am Nordrand von Horstmar. „Es bedarf einiger Fantasie, um in dem Wirrwarr von Gräben und Wällen eine Burganlage zu erkennen. Über die ursprüngliche Bebauung war bislang kaum etwas bekannt, da keine systematischen Untersuchungen stattgefunden hatten und keine detaillierten zeitgenössischen Darstellungen überliefert sind“, erklärt Coolen. Großflächige Ausgrabungen des eingetragenen Bodendenkmals sind nicht möglich, auch weil der Burghügel ökologisch von besonderem Wert ist und möglichst unangetastet bleiben soll. Messungen mit einem Bodenradargerät, das die Reflektion verschiedener Sedimente im Boden erfasst, boten jedoch eine Möglichkeit, zumindest ausgewählte Bereiche zu erforschen. Dabei konnten an mehreren Stellen Mauerzüge nachgewiesen werden, die wichtige Hinweise auf die Bebauungsstruktur liefern.

Anlass für die Messungen war die Gestaltung der Ritterroute, die noch dieses Jahr eröffnet werden soll. Die Radroute verbindet die Ortsteile Horstmar und Leer und erschließt die zahlreichen kulturhistorischen und naturräumlichen Sehenswürdigkeiten der „Stadt der Burgmannshöfe“ und ihrer Umgebung. Das Projekt wird von der Stadt Horstmar getragen und großteils aus dem europäischen Leader-Programm finanziert. Weitere Projektpartner sind der Heimatverein Horstmar, der Mühlen- und Heimatverein Leer und der Stadtmarketingverein HorstmarErleben e.V. „Die Ergebnisse der Bodenradarmessung sind für uns von großer Bedeutung, deshalb sind wir vor zwei Jahren an den LWL mit der Bitte herangetreten, uns bei der Suche nach einem Wissenschaftler mit entsprechendem Gerät behilflich zu sein,“ erzählt Bürgermeister Robert Wenking.

„Die LWL-Archäologie hat uns sofort Unterstützung zugesagt. Die Tatsache, dass wir für die Erstellung des Förderantrages noch einen längeren Zeitraum benötigten, war sehr hilfreich“, ergänzt Wenking. So konnte ein LWL-Wissenschaftler die Bodenradarmessung ausführen. Die Burg werde mit Unterstützung der Fachleute der LWL-Archäologie zeitgemäß, denkmalgerecht und vor allem naturschonend präsentiert sowie die Bodenradarbilder auf einer am Rande des Burggeländes aufgestellten Informationstafel visualisiert und erläutert, da die Ritterroute direkt an der früheren Ritterburg vorbeiführe, so Horstmars Bürgermeister weiter.

Um Besicher*innen einen Eindruck des mächtigen Turms zu vermitteln, soll der Turm im Gelände gekennzeichnet werden. Darüber, wie dies möglichst nachhaltig und schonend umgesetzt werden kann, wir derzeit noch beraten.

Die Burg Horstmar war der Sitz der Edelherren von Horstmar, die urkundlich erstmals 1092 bezeugt sind. 1269 wurde die Herrschaft Horstmar mitsamt der Burg an das Stift Münster verkauft. Die Burg war nun Zentrum des bischöflichen Amtes und des Gerichtsbezirkes Horstmar. Seit dem 15. Jahrhundert zur Landesfestung gegen die Grafschaft Steinfurt ausgebaut, blieb sie bis ins 16. Jahrhundert ein Lieblingssitz der Bischöfe von Münster. Laut schriftlicher Überlieferung bestand die Burg zu dieser Zeit aus einem hohen Turm, einer Kanzlei, einem Wohntrakt mit Räumen für den Landesherrn und Funktionäre, einem Gefängnisturm sowie diversen Nebengebäuden, darunter einem Bau- und Brauhaus, Backhaus und Stallungen. Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Burg 1635 auf Befehl des hessischen Leutnants Rabenhaupt zerstört. Die letzten oberirdischen Reste wurden wohl im 18. Jahrhundert abgetragen.