Eisenerzbergwerk Damme

Schon um 1910 hatten Fachleute im Dammer Gebiet nach Kohle gesucht und bei Probebohrungen Eisenerz gefunden. Aber erst in den 1930er Jahren führten systematische Untersuchungen zu dem Schluß, hier ab 1939 ein lohnenswertes Bergwerk zu errichten, die Bergrechtliche Gewerkschaft Damme wurde gegründet. Ihre Kuxe verteilten sich auf folgende Unternehmen: 52 % Vereinigte Stahlwerke, 19 % Krupp, 12 % Hoesch, 10 % Klöckner und 7 % Mannesmann. Die Krupp AG übernahm die Leitung des Betriebes, dieser wurde ab 1952 von der Erzbergbau Porta-Damme AG betrieben. Allerdings förderten die Bergleute während des Krieges keine nennenswerten Erzmengen, sondern waren mit dem Niederbringen des Schachtes 1 (280 Meter Tiefe) und den Vorrichtungsarbeiten beschäftigt. Erst ab 1948 konnte das Dammer Bergwerk die Rührhütten erstmals mit 30.000 Tonnen Eisenerz beliefern, weil mittlerweile eine Aufbereitungsanage existierte. In dieser Anlage zerkleinerte, sortierte und wusch man das nur zu 20 % eisenhaltige Erz, sodass es schließlich auf 40-50 % Eisenanteil kam.

Da dieser Vorgang sehr viel Wasser verbrauchte und solche Mengen nicht ausschließlich dem Grundwasser entnommen werden konnten, leiteten die Bergleute das getrübte und eingeschlämmte Wasser aus der Aufbereitungsanlage bis 1952 in den kleinen, danach in einen 56 ha großen Klärteich, wo sich das Feinmaterial absetzte. Das inzwischen geklärte Wasser führte man wieder zurück und benutzte es erneut zur „Erzwäsche“. Damit waren die heutigen Dammer Bergseen enstanden.

In seiner Blütezeit um 1960 förderte das Bergwerk jährlich über 900.000 Tonnen und lieferte per Bahn 500.000 Tonnen Erzkonzentrat zu seinen Eigentümern im Ruhrgebiet. Die Bahn war über ein Anschlussgleis der Strecke Damme-Holdorf, geführt in einem weiten Bogen mit relativ starker Steigung zum Betriebsgelände, einziges Transportmittel. 1939 hatte man mit dem Bau des Grubenbahnhofs begonnen und ihn 1947 erst mit insgesamt drei Gleisen abgeschlossen. Unterhalb des Bergwerks befand sich zudem eine Verladestation für grubenholz, dessen Transport über eine Schmalspurbahn zum Schachtgelände erfolgte. Etwa 2.500 Eisenerzzüge mit jeweils etwa 40 Güterwagendürften zum Versand gekommen sein. Diese Menge entspricht etwa 200.000 Lkw-Ladungen.

Mit fast 1.000 Beschäftigten über und unter Tage war das Bergwerk 1961 der weitaus größte Arbeitgeber des Kreises Vechta. Parallel zur Entwicklung des Bergbaus entstanden in Damme der Ortsteil Glückauf, in Holdorf die Siedlung Langenberg und weiterhin Steinfeld-Süd. Diese drei Gemeinden bildeten das Haupteinzugsgebiet der Arbeitskräfte. Die Heimatgemeinde Damme profitierte in vielfacher Hinsicht vom Bergbau, der als Motor der Nachkriegsentwicklung in Handwerk, Gewerbe, Industrie, Bau, Verkehr und Dienstleistungen galt. Das Bergwerk wurde 1967 geschlossen. Aus diesem Grund nahm auch die Wirtschaftlichkeit der Bahnstrecke Damme-Holdorf ab, zumal gleichzeitig die Autobahn A1 fertig gestellt war. Das Anschussgleis zum Bergwerk baute man bereits bis 1970 ab, die Strecke Damme-Holdorf stellte 1987 ihren Betrieb ein. 2002 entstand auf der ehemaligen Bahntrasse ein Naherholungsweg.

Nach der Schließung im Jahre 1967 waren viele Holz- und Möbelfirmen auf dem ehemaligen Zechengelände. In den Gebäuden der Schachtanlage waren bis zum Sommer 2006 die Dammer Möbelwerke ansässig. Das ehemalige Zechengelände wurde allerdings ausgebaut und in den hinteren Hallen die Zerhusen Kartonagen GmbH und das Dammer Logistik untergebracht. Seit 2007 ist das Gelände im Besitz der Paul Schockemöhle Logistics GmbH zu der die Dammer Logistik gehört.

Die meisten Gebäude des Bergwerkes sind heute noch teilweise gut erhalten wie der Förderturm des Schacht 2, die Kaue, das Betriebsgebäude und die Hallen. Die anderen Gebäude wurden zum Teil abgerissen oder sind etwas verfallen wie die Erzwäsche und der Konzentratbunker. Unter dem Gelände befinden sich auch heute noch zwei Tunnel. Einmal der Mannschaftsgang in dem die Bergmänner von der Kaue zum Schacht 1 gehen konnten. Dieser Gang ist noch vollständig und gut erhalten, ist aber kurz vor der Hängebank des Schacht 1 zugemauert. Der andere Tunnel ist der Zentralkanal, in dem viele Rohrleitungen von der Erzwäsche zu dem Hochbehälter verlaufen. Dieser Tunnel ist auch vollständig erhalten und ist so eingerichtet worden, dass Fledermäuse ihren Winterschlaf halten können.

Ende März 2012 wurde in dem Gebäude der ehemaligen Kaue die Ausstellung über den Erzbergbau Damme eröffnet, welche von der Paul Schockemöhle Logistics Damme GmbH in Zusammenarbeit mit der Tourist-Information Erholungsgebiet Dammer Berge e.V. ins Leben gerufen wurde. In der Ausstellung sind u. a. Bilder und ein Film von der Arbeit unter Tage zu sehen. Die Ausstellung ist verbunden mit einer Führung durch das ehemalige Betriebsgelände. Währenddessen werden dem Besucher die Stationen der Führung (u. a. unterirdischer Mannschaftsgang, Kaue) und die Geschichte der Eisenerzgrube Damme detailliert von dem Gästeführer erklärt. Infos unter www.erzbergbau-damme.de

Quellen: Infotafel vor Ort, Wikipedia

Dokumenten Information
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Dokument erstellt am 22.05.2011
Letzte Änderung am 03.07.2014

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André Winternitz, Jahrgang 1977, ist freier Journalist und Redakteur, lebt und arbeitet in Schloß Holte-Stukenbrock. Neben der Verantwortung für das Onlinemagazin rottenplaces.de und das vierteljährlich erscheinende "rottenplaces Magazin" schreibt er für verschiedene, überregionale Medien. Winternitz macht sich stark für die Akzeptanz verlassener Bauwerke, den Denkmalschutz und die Industriekultur.