Dampfseidenfabrik Schumann & Wille

Am 5. Dezember 1900 meldete Albert Schumann sein Gewerbe einer Seifenfabrik bei der Stadtverwaltung in Wittenberge an. Mitinhaber des Unternehmens war der Kaufmann Rudolf Wille. Am 21. Dezember 1900 war der Aufbau des Fabrikgebäudes beendet und selbiger wurde zur baupolizeilichen Abnahme angemeldet. Ein Bauantrag zur Einrichtung eines Pferdestalles mit Kutscherwohnung wurde am 18. Oktober 1904 gestellt. Im Jahr 1907 erfolgte ein Anbau an das Fabrikgebäude und die Anschaffung eines Siedekessels, 1912 wurde als Erweiterungsbau ein Lagerschuppen gebaut.

Der Firmenname lautet „Schumann & Wille – Erste Wittenberger Dampfseidenfabrik“. Sie befand sich in der früheren Packhofstraße 25, heute Liebigstraße 4. Die Seifenfabrik verfügte über ein eigens Anschlussgleis von dem noch Reste existieren. Hergestellt wurden in dieser Seifenfabrik Haus- und Feinseifen, Seifenpulver, Parfümerien. 1913 erfolgte die Einführung des Schnellwaschmittels „Ragoda“ welches als „bestes modernes Waschmittel“ angepriesen wurde.

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Noch 1913 wurde erstmals das Vorhandensein einer Glyzerin-Fabrik erwähnt. Im Jahre 1918 ließen die Fabrikbesitzer ein eigenes Wohnhaus bauen, welches noch genutzt wird. Im Oktober 1919 erhielt das Gesamtgrundstück, das inzwischen wesentlich erweitert war, einen schmückenden Einfriedungszaun. 1948 hatte der Betrieb eine Belegschaft von ca. 30 Mitgliedern, von denen etwa die Hälfte Frauen waren. Aus dem Jahr 1970 ist der Umbau eines Maschinenraums mit Fahrstuhl aktenkundig. 1972 erfolgte die Umwandlung in den VEB Haushaltsreiniger, Liebigstraße 4. 1992 ging der volkseigene Betrieb in die Liquidation.

Quelle: „Wie sich das Ackerbürgerstädtchen Wittenberge zu einer Industriestadt entwickelte“, von Heinz Muchow, 2001, Seiten 73 bis 74 sowie Seite 156, bzw. Stadtarchiv Wittenberge

Dokumenten Information
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Dokument erstellt am 11.08.2016
Letzte Änderung am 11.08.2016
Objekt und Text eingereicht von Heiko Irgang