Ausgrabungen am Steintor der Alteburg in Essen-Heidhausen

Überblick über die freigelegte Torsituation. Links an der Profilkante ist die rechte Torwange zu erkennen. In der Bildmitte der schmale Tordurchgang. Foto: Dr. Sebastian Senczek, Stadtarchäologie Essen

Essen (pm/aw). Das Bodendenkmal „Ringwall Alteburg“ in Essen-Heidhausen wurde durch die Stadtarchäologie Essen auf seine archäologische Substanz überprüft. Dafür mussten weite Teile einer ehemaligen Toranlage der frühmittelalterlichen Anlage, dem sogenannten „Steintor“, händisch freigelegt werden.

Bei der Alteburg handelt es sich um eines der bedeutendsten Bodendenkmäler Essens. Sie befindet sich auf dem Pastoratsberg, unmittelbar südlich der Ruhr gelegen. Der Ringwall selbst ist die größte Burganlage in Essen, eine so genannte Fliehburg und damit eine Anlage, in die man sich in Zeiten der Gefahr zurückziehen konnte. Die im Grundriss ovale, ca. 400 Meter mal 200 Meter große Befestigungsanlage wird in der Nordwest-, West- und Südseite durch die natürlichen Talungen des Teufelssiepen, der Ruhr und des Peperbaches begrenzt. Ein Doppelwallsystem sicherte über den Bergrücken verlaufend die Ostseite. Im Gelände sind der Haupt- und Vorwall mit den davorliegenden Gräben noch deutlich sichtbar. Gut erhalten sind des Weiteren die Wallbereiche an der Südspitze sowie in einzelnen Abschnitten an der Westseite.

Das „Steintor“ stellt eines von vier Zugangstoren zur fränkischen Ringwallanlage dar. In den 1920er und 1930er Jahren fanden hier bereits umfangreiche Ausgrabungen durch den damaligen Leiter des Ruhrlandmuseums, Ernst Kahrs, statt. Der Großteil der Dokumentation dieser Altgrabungen gilt aber seit dem 2. Weltkrieg als verschollen. So haben sich nur wenige ungenaue Beschreibungen, Zeichnungen, Fotos und Funde von damals erhalten.

Die aktuelle Maßnahme bot somit auch die Gelegenheit, verlorengegangene Informationen wiederzuerlangen und ein solch bedeutendes Bodendenkmal mit modernen archäologischen Dokumentationsmethoden erneut zu erforschen. Erfreulicherweise konnten bei den Arbeiten alle bereits in den 1920er Jahren dokumentierten Bereiche des Steintores freigelegt werden. In einem rund 15 Meter langen Nordostprofil konnte das komplett erhaltene Fundament einer von der Umfassungsmauer einziehenden rechten Torwange aufgedeckt werden. Oberhalb des Fundamentes befanden sich zudem Reste des aufgehenden Mauerwerks der Torkammer. Das hervorstehende Fundament war besonders im südlichen, hangabwärts gelegenen Profilbereich massiv aufgemauert, wohl um die Last der hangaufwärts gesetzten Mauer zu halten. Im nördlichen Bereich der rechten Torwange befand sich, ca. 0,8 Meter weiter westlich, das Gegenstück mit der linken Torwange, welches jedoch nur noch in den letzten Lagen erhalten war. In diesem Bereich ist der Verlust an archäologischer Substanz enorm, im Vergleich zu den Ergebnissen von vor 100 Jahren.

Beide Mauerbefunde bildeten somit eine sehr schmale, enge Torgasse, die in die eigentliche Burg hineinführte. Der nördliche Bereich der Torgasse war zudem mit Sandsteinplatten gepflastert. Hier befand sich auch der Durchgang, mit einer stufig angehobenen Schwelle und einer eckigen, abgerundeten Aussparung im rechten Mauerfundament, die vermutlich einen massiven Holzbalken für eine Holztür beinhaltet haben wird. In der Mitte der linken Torwange setzte die 1,8 Meter starke Südwest-Nordost orientierte Umfassungsmauer an, vor der sich zusätzlich ein ca. 1,8 Meter tiefer Graben befand, der bei den aktuellen Arbeiten aber nicht weiter untersucht werden konnte.

Bei der kompletten Freilegung des Torbereiches zeichnete sich ab, dass die Zugangssituation zur Burg mindestens zwei oder auch mehrere Ausbauphasen aufweist. Verschiedene Mauerbereiche wurden erst im Laufe der Zeit ergänzt bzw. erneuert. Auch konnten verschiedene alte Oberflächen erkannt werden, die ebenfalls auf eine Mehrphasigkeit deuten. Da allerdings keinerlei Fundmaterial geborgen werden konnte, gestaltet sich eine genauere Datierung als äußerst schwierig.

Alle vorgefundenen Befunde wurden deskriptiv, fotografisch und zeichnerisch erfasst und dokumentiert. Zusätzlich wurde von der gesamten Torsituation eine 3D-Visualisierung erstellt, die es erlaubt, detailgetreue Maße und Detailausschnitte zu entnehmen. So konnte die aktuelle Ausgrabung dazu beitragen, verlorengegangene Informationen zu einer über Essen hinaus so bedeutenden Anlage zurückzuerlangen und neue Ergebnisse zur Struktur, zum Aufbau und zum chronologischen Ablauf zu erhalten.