Alter Beckhof

Der Alte Beckhof am Menkebach im Bielefelder Stadtbezirk Sennestadt ist ein ursprünglicher Neusiedlerhof. Dieser war namensgebend für die Beckhofsiedlung, einem Standort der Von Bodelschwinghsche Stiftungen Bethel. Dort wurden ehemalige Zwangsarbeiter untergebracht, die nach dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr in ihre Heimat zurückkehren konnten. Erbaut wurde das Haupthaus 1782 und war umgeben von kleineren Hofstellen und Wirtschaftsgebäuden. Durch eine Erweiterung im Jahr 1828 wurde der Beckhof zum damals größten Gehöft in der Senne – darauf verweist heute noch eine Inschrift über dem mit fleuralen Ornamenten geschmückten Torbogen.

Das Vierständerhaus hat heute eine Größe von rund 600 Quadratmetern und ist denkmalgeschützt. Gäste aus Nah und Fern fanden den Weg in den Bielefelder Süden, sogar der estnische Präsident Lennart Meri besuchte das ostwestfälische Gehöft. Auch Ausflügler schätzten das Fachwerkhaus, das über viele Jahre als Gastronomiebetrieb genutzt wurde. Die Besucher machten es sich im Sommer auf der rund 3 000 m² großen Rasenfläche, die das Gebäude umgibt, bequem. Im Winter versammelte man sich vor dem eindrucksvollen Kamin.

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In der nach dem historischen Bauernhaus benannten Beckhofsiedlung (heute größtenteils abgerissen) lebten vor allem Menschen aus Osteuropa. Es handelte sich dabei um ehemalige Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter, die nach dem Zweiten Weltkrieg als Displaced Persons eine Unterkunft benötigten. Diese waren vorher in einem Lager in Augustdorf untergebracht. In dem Augustdorfer Lager wurden vor allem Hilfsbedürftige, Kranke und Erwerbsunfähige aufgenommen. Sie fanden in der Senne ebenso ein neues Zuhause, wie diejenigen, die wegen ihrer nationalen, religiösen und politischen Überzeugungen nicht zurückkehren konnten.

Es wurde 1959 eine Kirche gebaut, in der sich vier Kapellen für unterschiedliche Konfessionen befanden. Weitere Gebäude waren ein Schulungszentrum, eine Gemeinschaftsküche, ein Ausflugslokal, ein internationales Wohnheim sowie ein Gemeinschaftshaus.

2009 erklärte das Betheler Immobilienmanagement das Gebäude zum Verkauf. 2011 hatte eine Firma aus Schloß Holte-Stukenbrock das Gebäude gekauft um aus diesem ein Mehrgenerationshaus zu machen. Doch der Kaufvertrag wurde rückgängig gemacht, da die Firma den Kaufpreis nicht zahlen konnte. Das Gebäude fiel zurück an die von Bodelschwinghschen Stiftungen. 2014 kaufte ein Bauunternehmer aus Dalbke den Beckhof – was aus diesem nun wird, ist derzeit offen. Die Vorgaben und Gegebenheiten auf dem gelände sind allerdings nicht zu verachten. Neben dem Denkmalschutz, der einer Nutzung klare Regeln vorschreibt und eine andere Bebauung in jedem Fall ausschließt, der Ausweisung des Areals als Sondergebiet, die Lage am Fuße des Autobahndamms und der schlechte Zustand kommen goße Aufgaben auf den neuen Eingentümer zu.

Quelle: Wikipedia, Bethel

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Dokument erstellt am 27.05.2011
Letzte Änderung am 06.09.2014

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André Winternitz, Jahrgang 1977, ist freier Journalist und Redakteur, lebt und arbeitet in Schloß Holte-Stukenbrock. Neben der Verantwortung für das Onlinemagazin rottenplaces.de und das vierteljährlich erscheinende "rottenplaces Magazin" schreibt er für verschiedene, überregionale Medien. Winternitz macht sich stark für die Akzeptanz verlassener Bauwerke, den Denkmalschutz und die Industriekultur.