Werkzeugmaschinenfabrik W. von Pittler

Julius Wilhelm von Pittler gründete 1889 in Leipzig die Maschinenfabrik „Invention“, zur Herstellung und zum Vertrieb von Maschinen und anderen Erzeugnissen der Metallindustrie. 1895 wandelte man das Unternehmen in eine Aktiengesellschaft um und firmierte unter dem Namen „Leipziger Werkzeugmaschinenfabrik vorm. W. von Pittler AG“. Zum Unternehmen gehörten ein eigenes Kraftwerk, sowie eine Gießerei in Leipzig-Plagwitz. Am 2. März 1922 erfolgte die Umbenennung in Pittler Werkzeugmaschinenfabrik AG. Im Jahre 1928 erwarb die Pittler AG die Aktienmehrheit der Magdeburger Werkzeugmaschinenfabrik AG.

1939 galt Pittler als der größte kontinentaleuropäische Hersteller von Revolverdrehbänken, weshalb nach dem Zweiten Weltkrieg 1945 die Firma sequestriert und das Stammwerk demontiert wurde. Um für einen Teil der ehemaligen Belegschaft Arbeitsmöglichkeiten zu schaffen, wurde im Februar 1946 die Firma A. H. Paul, vormals Pittler AG, gegründet, jedoch zum 1. September 1946 wieder aufgelöst, womit das Unternehmen Werkzeugbau und Reparaturbetrieb GmbH Leipzig gegründet wurde. Dieses Unternehmen wurde auf der Grundlage des Volksentscheids in Sachsen 1946 enteignet und im August 1948 im Handelsregister gelöscht.

Die ehemaligen Eigentümer wagten einen Neustart mit der Gründung der Pittler Maschinenfabrik AG (Hauptaktionär Deutsche und Dresdner Bank; 1982 Gildemeister AG; 1985 Gebrüder Rothenberger) und verlegten ihren Unternehmenssitz nach Langen (Hessen). Zum 31. Dezember 1949 erlosch das Unternehmen Werkzeugbau und Reparaturbetrieb GmbH Leipzig. Das Vermögen der enteigneten Unternehmens wurde dann nach 1948 für den Aufbau des neuen VEB Drehmaschinenwerk Leipzig eingesetzt. Am 1. Juni 1959 wurde der VEB Centex Leipzig mit eingegliedert und seit 1969 gehörte der VEB Drehmaschinenwerk Leipzig zum „Werkzeugmaschinenkombinat 7. Oktober“ Berlin. Ab 1982 erfolgte eine Kooperation mit der Gildemeister AG in Bielefeld.

Die Sanierung der Maschinenfabrik Werner & Kolb in Berlin und der Leipziger Drehmaschinen GmbH 1990 und 1991 stellte eine finanzielle Überforderung dar. Daraufhin wurde 1991 der Betrieb privatisiert und in Pittler-Tornos Werkzeugmaschinen GmbH Leipzig umbenannt (Mehrheitsteilhaber Rothenberger). 1997 folgte jedoch der Konkurs.

Die insolvente Pittler-Tornos Aktiengesellschaft wurde 1999 nach ihrer Insolvenz von der EMAG Gruppe übernommen. Daraufhin gliederte sich die EMAG Gruppe in EMAG Leipzig. Die insolvente Pittler Maschinenfabrik GmbH in Langen/Hessen (Mehrheitsteilhaber Gebrüder Rothenberger) wurde 1997 von der in Portland/Oregon beheimatete Precision Castparts Corporation (PCC) – firmiert unter PCC Pittler Maschinenfabrik GmbH (Neugründung) und danach im Jahr 2001 von dem Investor Udo Oppermann und Mirko Kovats – umfirmiert in Pittler Werkzeugmaschinen GmbH übernommen. Nach einem weiteren Konkurs noch im selben Jahr übernahm 2002 die DISKUS WERKE AG (Mehrheitsteilhaber Rothenberger 4xS Vermögensverwaltungs GmbH) die Gesellschaft – firmiert unter Pittler T&S GmbH (Neugründung) und zog 2005 mit dem Unternehmen von Langen nach Dietzenbach.

Die Pittler Berufsausbildung GmbH wurde 1997 von der Stadt Langen/Hessen übernommen und weitergeführt. Es konnte somit eine Insolvenz abgewendet werden. Die Stiftung Fraport Pro Region beteiligte sich 2006 an dem Unternehmen. Heute trägt es den Namen Pittler Pro Region Berufsausbildung GmbH.

Die insolvente Pittler Maschinenfabrik AG (Hauptaktionär Gebrüder Rothenberger) wurde wieder revitalisiert. Die Werkshallen in Langen wurden 2005 und das Hochhaus im Jahr 2013 demontiert und abgerissen. Der Konkurs wurde im Jahre 2008 abgeschlossen und ist im selben Jahr durch Zwangsvergleich beendet worden. Auf der Hauptversammlung im Jahr 2012 wurde die Fortsetzung der Holding-Gesellschaft beschlossen und die Geschäftstätigkeit wieder aufgenommen. Teilhaber der Gesellschaft sind Günter Rothenberger Beteiligungen GmbH und Rothenberger 4xS Vermögensverwaltungs GmbH und GbR.

Quellen: Wikipedia, EMAG-Gruppe, Historisches Wertpapierhaus

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Dokument erstellt am 24.10.2016
Letzte Änderung am 24.10.2016

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André Winternitz, Jahrgang 1977, ist freier Journalist und Redakteur, lebt und arbeitet in Schloß Holte-Stukenbrock. Neben der Verantwortung für das Onlinemagazin rottenplaces.de und das vierteljährlich erscheinende "rottenplaces Magazin" schreibt er für verschiedene, überregionale Medien. Winternitz macht sich stark für die Akzeptanz verlassener Bauwerke, den Denkmalschutz und die Industriekultur.

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