Weiter keine konkreten Pläne für Auguste-Viktoria-Klinik

Bad Lippspringe (aw). Was soll nur aus dem weitläufigen Areal mit dem imposanten Gebäude-Ensemble der ehemaligen Auguste-Viktoria-Klinik (AVK) in Bad Lippspringe (Kreis Paderborn) werden? Darüber philosophieren und streiten seit Jahren Politiker, Denkmalschützer, interessierte Investoren und Lippspringer Bürger*innen. Fakt aber ist, seit unserem letzten Artikel ist nicht viel geschehen. Wie die „Neue Westfälische“ jetzt berichtete, wird ein Rückbau großer Gebäudeteile immer wahrscheinlicher – entgegen allen Expertenmeinungen. Sechs Jahre dauert der Streit um eine Um- oder Neunutzung des Flächenjuwels nun an.

Im September 2018 hatte der Hauptausschuss den Mittelbau der einstigen Klinik in die Denkmalliste der Stadt eintragen lassen, diese aber nur als „denkmal- und erhaltenswert“ charakterisiert (wir berichteten). Resultierend hatte der Stadtrat zumindest eine Denkmalbereichssatzung auf den Weg gebracht. Bürgermeister Andreas Bee (parteilos) hat, auch nach einer Anfrage der CDU, keine große Hoffnung zur Zukunft der AVK. Ihm fehle, so zitiert ihn die „Neue Westfälische“, die Fantasie, wie zumindest Teile ehemaligen Klinik neu genutzt werden könnten.

Vorschläge und Rückschritte

Hans-Jürgen Schaefer (CDU) unterbreitete dem Rat den Vorschlag, den geschützten Mittelbau beispielsweise als Begegnungsstätte oder Dokumentationsstätte zu nutzen. Die glasüberdachte Empore könne als Veranstaltungsort für festliche Anlässe dienen. Den Wind aus den Segeln nahm Schaefer Michael Nitsche (SPD). Nach dessen Äußerungen ist in der Stadt kein Geld für die „ambitionierten Pläne“ für die AVK da, denn erstmal seien Investitionen für das Freibad und das neue Feuerwehrgerätehaus notwendig. Sein Fraktionsvorsitzender, Kurt Süpke, hält unterdessen an der Überlegung fest, in der Auguste-Viktoria-Klinik eine Kindertagesstätte einzurichten.

In Sichtweite der Klinik sollen 40 Wohnhäuser entstehen. Eigentlich wollte man mit der Vermarktung noch in diesem Jahr beginnen. Wie zuletzt berichtet, sollen die geplanten, erschlossenen Grundstücke auf Vorschlag seitens der Stadtverwaltung und dem Heimatverein den Namen „Prof.-Rapmund-Straße“ tragen. Damit soll an den Begründer der Bad Lippspringer Lungenheilstätte, Medizinalrat Prof. Otto Rapmund (1845-1930) erinnert werden. Rapmunds Grab befindet sich aktuell noch auf dem AVK-Gelände.

Rückbau oder Umnutzung?

Uninteressante Gebäudeteile – diese nennt man heute leichtfertig „abgängig“ – könnten abgerissen werden, damit sind das ehemalige Schwesternwohnheim und das alte Kesselhaus gemeint, wenn es nach Bee geht. Mittel für diese Schritte sollen im aktuellen Haushalt bereits verankert sein. Der Bürgermeister wird – nach eigenen Angaben – den Fraktionen vorliegende Gutachten zur Verfügung stellen. Gleichzeitig betont das Stadtoberhaupt aber auch, dass man die Jahre nicht untätig gewesen sei. So habe man beispielsweise nach Fördergeldern Ausschau gehalten, die für sozial genutzten Wohnraum zur Verfügung stehen. Man sei an die Landesentwicklungsgesellschaft „NRW Urban“ herangetreten. Doch für entsprechende Mittel bedarf es einen Investor. Und der ist nach Aussagen der Stadt derzeit nicht in Sicht.

Bis es zu einer Entscheidung kommt, verfallen die weitläufigen Gebäudeteile immer mehr. Vandalen und Abenteuerlustige sorgen dafür, dass die Substanz immer weiter geschändet wird. Die Stadt ist machtlos. Immerhin sind die Gebäude seit einiger Zeit ausgeräumt, das hält einen Großteil der illegalen Besucher ab.

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