Wachregiment „Feliks Dzierzynski“ Kommando 3

Im brandenburgischen Massow nahe Teupitz (Landkreis Dahme-Spreewald) war von 1960 bis Juni 1990 im Gebiet des ehemaligen militärischen Truppenübungsplatzes das „Kommando 3“ des Wachregimentes Feliks Dzierzynski stationiert – ein paramilitärischer Verband und Teil der Bewaffneten Organe der DDR. Die Aufgaben umfassten vor allem den militärisch-operativen Wach- und Sicherungsdienst (MOS) an Staats- und Parteieinrichtungen auf dem Gebiet Ost-Berlins und Umgebung.

Der Stab war in Berlin-Adlershof untergebracht. In Massow war das Wachpersonal für die geheimen Funkobjekte in Zeesen, Wernsdorf und Gosen und das Wachpersonal für den Außenring des Stasi-Gefängnisses in Hohenschönhausen zuständig. Hier auf dem Truppenübungsplatz waren die zentralen Schießplätze und –bahnen platziert, erfolgte die Grundausbildung, das Häuserkampf-Training, Schützenpanzer und andere Einsatzgefährte trainierten Fahrmanöver usw.

Neben den Schieß-, Kampf-, Trainingsbahnen und -feldern sowie dem Truppenübungsplatz mit einer Gesamtfläche von rund 5000 Hektar verfügte das Wachregiment über eine gute Infrastruktur. Das Kommando war in Kasernen untergebracht, konnte das Kultur- und Veranstaltungshaus mit Kino, Bühne, Restaurant nutzen, in der MHO-Verkaufsstelle das Nötigste erwerben und für das leibliche Wohl sorgte Speisesaal und Kasernenküche (Offiziere und Mannschaften getrennt). Der Medpunkt (Poliklinik) mit Operationssaal und dauerhaft anwesender Ärzteschar/Unfallchirurgie kümmerte sich um die gesundheitlichen Probleme aller Art. Diverse sportliche Einrichtungen und Angebote rundeten das Angebot ab.

Das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) war auf dem Areal auch tätig und bildete hier Offiziere des damaligen irakischen Staatschefs Saddam Hussein aus. Diese erhielten Ausbildung im Nahkampf und im Umgang mit Sprengstoffen und Nervengift. Zudem schickten befreundete Länder wie Äthiopien, Libyen und die PLO ihre Kader ebenfalls nach Massow.

Ab 1995 nutzte man das Areal als Rasthof mit Hotel. Dieses firmierte zwischenzeitlich und bis 2012 als Rehaklinik, ging in die Insolvenz. Bis 2015 diente das Gebäude als Hotel „Spreewald Inn“. Heute ist es eine Unterkunft für Asylbewerber. Die übrigen Gebäude stehen teilweise leer oder wurden an Privatpersonen vermietet.

2012 wollten alte Kameraden an das Wachregiment Feliks Dzierzynski erinnern und stellten am ehemaligen Stabsgebäude des Wachregiments, direkt neben dem Eingang des „Spreewald Inn“-Hotels einen Gedenkstein mit der Inschrift „Wachregiment F. E. Dzierzynski 1960-1990“ auf. Diese Aktion sorgte für großen Ärger in der Bevölkerung. Sogar der Direktor der Stasiopfer-Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen erstattete damals Anzeige. Nach seiner Meinung verletze die Errichtung des Gedenksteins „die Würde und das Andenken der Opfer des DDR-Staatssicherheitsdienstes und der Opfer des Tscheka-Gründers Feliks E. Dzierzynski“.

Feliks Edmundowitsch Dzierzynski

Feliks Edmundowitsch Dzierzynski war Organisator und erster Leiter des Allrussischen Außerordentlichen Komitees zur Bekämpfung von Konterrevolution und Sabotage (Tscheka), der ersten Geheimpolizei Sowjetrusslands. Rund 10.000 Todesurteile sollen die Unterschrift Dzierzynskis tragen, alleine wegen des Großen Terrors der Dreißigerjahre. Ihn selbst ereilte ein nie ganz geklärter Tod.

Dokument-Information
Objekt ID: rp-037537
Kategorie: Militär & Militaria
Bundesland: Brandenburg
Standort: Waldstraße, Halbe
Baujahr: 1960
Denkmalschutz: nein
Architekt: keine Angabe
Objekt abgerissen: teilweise
Objekt erfasst: 06.05.2019
Objekt erstellt: 07.07.2019
Letzte Änderung: 07.07.2019
Copyright © rottenplaces.de
Alle Angaben ohne Gewähr.

Aufgrund der Anzahl der Gebäude und deren positive und/oder negative Veränderungen der Bausubstanz im Laufe der Zeit, stellen einzelne Abbildungen (häufig) nicht den derzeitigen Zustand dar. Die Reihenfolge der Bilder ist keine Zeitreihenfolge.

1 Kommentar

  1. …eine weitere Kaserne stand in Erkner bei Berlin .
    Infos ob diese abgerissen wurde oder für andere Zwecke genutzt wird entziehen sich meiner Kenntnis.

Kommentieren Sie den Artikel

Please enter your comment!
Please enter your name here