Vor 70 Jahren brannte Schloss Biesdorf

Foto: Wikimedia Commons/Sebastian Wallroth

Am Abend des 21. April 1945 geriet das Obergeschoss des Schlosses Biesdorf in Flammen, brannte aus und stürzte in das Erdgeschoss. Die „Stiftung Ost-West-Begegnungsstätte Schloss Biesdorf e. V.“ erinnert an diesen Termin sinnloser Zerstörung unmittelbar vor Ende des 2. Weltkriegs. 70 Jahre danach ist die Wehmut gewichen – Freude überwiegt: die spätklassizistische Turmvilla von Heino Schmieden entsteht so schön wie nie zuvor.
77 Jahre hatte das Schloss bis zu jener Brandnacht auf dem Buckel. Es hatte schwierige Jahre und gute Jahre erlebt. Die freiherrlichen Besitzer hatten das Schloss mit bürgerlicher Unterstützung errichtet und vornehmlich defizitär bewirtschaftet. Erst mit der Übernahme des Schlosses durch die Familie Siemens 1889, namentlich Wilhelm von Siemens, begann eine Erfolgsgeschichte des Schlosses, des Gutes und der Gemeinde Biesdorf.

Zu den Brandursachen gibt es bis zum heutigen Tag keine historisch gesicherte Erklärung. Einerseits gibt es, auch durch Erinnerungen von Zeitzeugen plausibel erscheinend, die Annahme, dass die damaligen Nutzer des Schlosses, die NSDAP-Ortsgruppe und die Biesdorfer Polizei, um Spuren wie zum Beispiel Akten zu verwischen, den Brand herbeigeführt hatten. Auch eine SS-Kampfgruppe könnte der Täter gewesen sein. Die während der aktuellen Bauarbeiten freigelegten und im alten Mauerwerk gefundenen Einschüsse können andererseits ein Hinweis auf Kampfhandlungen am Schloss sein, die zum Brand führten.

Letztlich bleibt die Ursache für diese Zerstörung, für deren endgültige Behebung es sieben Jahrzehnte gebraucht hat, der von der deutschen Hauptstadt aus vom Zaun gebrochene Krieg. Dass Schloss und Park aber in der schweren Nachkriegszeit nicht Opfer von Vandalismus und Holzeinschlag wurden, ist der Roten Armee zu danken, die die Anlage beschlagnahmte, das Gebäude provisorisch sichern ließ und einen Friedhof für gefallene sowjetische Soldaten anlegte. Dem heute denkmalgeschützten Schlosspark blieb das Schicksal der meisten Berliner Straßen- und Parkbäume erspart.

70 Jahre nach Kriegsende hat sich das Schicksal von Schloss und Park endgültig ins Gute gewendet. Die „Stiftung Ost-West-Begegnungsstätte Schloss Biesdorf e. V.“ freut sich mit allen Freunden und Unterstützern und den Bürgerinnen und Bürgern aus Marzahn-Hellersdorf und Berlin außerordentlich. Zum Biesdorfer Blütenfest vom 14. bis 17. Mai wird der große Baufortschritt des Schlosses zu besichtigen sein. Am 29. März 2007 wurde bekanntgegeben, dass die Stiftung Deutsche Klassenlotterie für den Wiederaufbau des Obergeschosses 4,75 Millionen Euro beisteuern will. Die restlichen 3,75 Millionen Euro sollen durch Fördermittel der Europäischen Union eingesammelt werden. Baubeginn war Oktober 2013, zur IGA im Jahr 2017 soll das Schloss wiedereröffnet werden und zusammen mit dem umliegenden Park ein Teil davon sein.

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