Vom Verfall japanischer Hotels auf Reisen

Hotel in Japan. Foto: Jens Moire

Letztes Jahr reiste ich durch Japan und besuchte dort unter anderem eine Vulkaninsel, die mitten im Ozean liegt. Die Insel ist nicht sonderlich bevölkert, wie man es sonst von Japan kennt. Ich erfuhr, dass viele das Eiland schon vor langer Zeit verlassen hatten, da es hier keine Arbeit gab und der Tourismus – wider meines Erstaunens – nicht florierte. Der Flughafen war der kleinste den ich bisher sah, und als ich ankam stürmte es, der Himmel war zugezogen, die Palmen fächerten hin und her, im Hintergrund türmte der mächtige Vulkan und ringsherum war nichts als unruhiger Ozean.

Die Stimmung wirkte wie in Jurassic Park, teils prähistorisch, teils modern, eine halb verlassene Insel, fernab der Zivilisation, als würden hier illegale, wissenschaftliche Versuche stattfinden. Im Ryokan (einem traditionell japanischen Gasthaus) angekommen, begann es wie aus vollen Kübeln zu gießen und so heftig zu stürmen, wie ich es noch nie erlebt hatte, dass ich dachte, es reiße die Dächer herunter und die Insel werde überschwemmt. Der Sturm sollte 2 Tage anhalten.

Ich lernte einen deutschen Professor kennen, der seit ein paar Jahren hier auf der Insel lebte und Tausendfüßer suchte. Von ihm erfuhr ich, dass hier öfter Flug- und Schiffsverbindungen für bis zu 2 Wochen abreißen, was mich teils beunruhigte, da ich in 2 Wochen zurück in Deutschland sein musste, andererseits war es aufregend und ich wünschte mir es würde geschehen. Ebenso erfuhr ich von einem in den 1990er Jahren verlassenen Hotel.

Nach dem Sturm wurde ich dort hingeführt. Das gesamte Gelände war von Palmen und anderen Pflanzen umringt. Die Zimmer waren zwar teilweise verwüstet, aber es schien als hätte man alles stehen und liegen gelassen und wäre vor etwas geflüchtet. In jedem Zimmer befanden sich alte Nintendo Spielekonsolen, im Erdgeschoss waren sogar große Spielautomaten, im Keller eine Bar, Klaviere, in der Küche noch Unmengen Geschirr. Das Nebengebäude mit Schwimmbad war ebenfalls begehbar.

Ich hatte auch von einem zweiten verlassenen Hotel gehört, wo man mich nicht hinführen wollte; aber auf einer Autotour um die Insel fand ich es schließlich. Ich dachte zuerst es wäre ein Tempel, wie es da erhaben auf einem Hügel thronte, inmitten der prähistorisch anmutenden Natur und wieder dem Vulkan im Hintergrund, und die ganze Szenerie war in gelb-oranges Licht getaucht, erneut mit aufziehenden Wolken. Dann aber wurde mir gewahr, dass es das Hotel sein musste. Rasch parkte ich das Auto, nahm meine Kamera und fand ein Schlupfloch, durch das ich in sein Inneres kroch.

So traute ich meinen Augen kaum. Die Eingangshalle war aus Marmor, eine alte Telefonzelle befand sich darin, Rattan-Möbel, die über die Zeit vom Wasser aufgeweicht waren, am Hintereingang ein Auto mit offener Fahrertüre, als hätte vor kurzem ein Page dem Fahrer diese geöffnet. Die Zimmer waren alle gut erhalten, doch auf dem Teppichboden wuchsen Farne. Das Obergeschoss war nicht fertig gebaut. Dort befand sich aber ein Lager, erneut mit Klavieren darin, dann Sporträume und vom Turm aus konnte man das gesamte Gelände mit noch Nebengebäuden sehen.

Aus welchem Grund hatte man so viel Geld in den Bau eines solchen Hotels gesteckt und dann einfach mit allem was darin war stehenlassen? Wie dekadent. Ich musste das Hotel schnell verlassen, da es bereits zu hageln angefangen hatte und es schon begann dunkel zu werden.

Die ganze Serie und noch weitere meiner Fotografien finden sich unter
www.behance.net/jensmoire

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