Virtual-Reality-Projekt schickt User in die Sperrzone

Autoscooter in Prypjat. Foto: Justin Stahlman/CC BY 2.0

Am 26. April 1986 ereignete sich im Kernkraftwerk Tschernobyl eine der schlimmsten Nuklearkatastrophen. Laut der Internationalen Bewertungsskala (INES) für nukleare Ereignisse gilt der Super-GAU neben der Nuklearkatastrophe von Fukushima als schlimmste Havarie in der Geschichte der Kernenergienutzung. Der Reaktor Block IV des Kernkraftwerks explodierte, es gelangten radioaktive Stoffe in die Erdatmosphäre, die infolge radioaktiven Niederschlags hauptsächlich die Region nordöstlich von Tschernobyl sowie viele Länder in Europa kontaminierten. Bis heute ist die Region unbewohnbar, Mensch und Natur kämpfen mit den Spätfolgen.

Bis heute reisten Tausende Touristen in der Sperrzone, um sich selbst ein Bild von der schaurigen Kulisse zu machen. Jeder, der sich bisher nie in die Gegend traute – schon wegen gesundheitlichen Bedenken – kann jetzt virtuell eine ganz besondere Reise nach Tschernobyl starten. Sony hat jetzt auf dem offiziellen PlayStation Blog einen VR-Titel angekündigt, der in naher Zukunft für die PlayStation VR verfügbar sein wird. In „Chernobyl VR Project“ begibt sich der interessierte Nutzer auf eine interaktive Reise zu der verlassenen Stadt Prypjat sowie dem Kernkraftwerk Tschernobyl.

Modernste Technik lässt den User bequem vom heimischen Sofa die Geschichte und die Katastrophe hautnah erleben und sich in die rund 50.000 Menschen hineinversetzen, die vor und nach der Tragödie in der heutigen Geisterstadt Prypjat gelebt und gearbeitet haben. Die Sony-Neuheit soll eine VR-Dokumentation gemischt aus interaktiver Erfahrung sowie einer Educational Software sein, die dem User das Ereignis realitätsnah vermitteln soll. Die Produzenten haben durch die Kombination von zahlreichen 360°-Filmen, Panoramen, 3D-Scanning von Locations und Gebäuden, 360°-Fotografie, stereoskopischen Videos ein Abenteuer sondergleichen geschaffen.

Im virtuellen Rundgang können neben dem Kraftwerk auch das Duga-Radar, der Vergnügungspark mit dem meistfotografierten Riesenrad, das „Azure“-Schwimmbad, die Volksschule Nr.III, das Krankenhaus und zahlreiche Wohnungen in der Zone besichtigt werden. Hartgesottene können – ohne sich zu kontaminieren – den Schrottplatz mit diversen Hubschraubern, Panzern und Fahrzeugen besuchen, die während der Rettungseinsätze eingesetzt wurden. Heute ist dieser Ort extrem verstrahlt.

Wann genau die Veröffentlichung für Sonys PlayStation VR erfolgt, ist unklar, für die HTC Vive ist das Abenteuer hingegen bereits erschienen.

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