Villa (Kinderheim) Nordstern

Villa Nordstern. Foto: rottenplaces Archivfoto.

Die Villa Nordstern wurde 1892 vom Stettiner Hermann Manske, dem Gründer der Hannoverischen Zementwerke in Teutonia Hannover-Misburg und Germania Höver, erbaut. Nach dem Kapazitätsabbau eines der Werke Manskes übernahm die Stadt das Gebäude samt Anwesen und betrieb bis 1994 ein Kinderheim. Hier errichtete man auch mehrere Nebengebäude. Rund 120 Kinder im Alter von sechs Wochen bis zwei Jahren aus „sozial ungünstigen Verhältnissen“ haben im Kinderheim „Nordstern“ gelebt.

Seit März 2004 gehörte die Villa Nordstern einem Privatmann – ebenso lang war die Frage offen, ob und wann die geschichtsträchtige Villa saniert wird, hier und da war von einem Kaufpreis von 100 Euro zu lesen, mit der Auflage, die Villa komplett zu sanieren. Die Auseinandersetzung zwischen dem Eigentümer und der Stadt nahm zwischenzeitlich groteske Züge an. Die Verwaltung wollte die Sanierung durch eine sogenannte Verfügung im Sinne des Denkmalschutzes erzwingen. Der Käufer der Villa, der lange Zeit nicht auffindbar war, hatte die Immobilie zwischenzeitlich seinem Sohn überschrieben.

Im Zeitraum von 2004 bis 2005 wurden von der Hannover Region Grundstücksgesellschaft (HRG) die Umnutzung des Grundstücks des ehemaligen Kinderheims durch Wohnbebauung bauftragt. Es folgte der kontrollierte Rückbau der vorhandenen Bausubstanz inklusive der Verkehrsflächen im Vorfeld der Neubebauung. So wurden der Abbruch von Wohnheimen, der eines Heizhauses, der eines unterirdischen Bunkers, anderer Gebäude sowie unterirdischer Fernwärmeleitungen durchgeführt. Im Laufe der Zeit befanden sich auf einem Teilstück bereits mehrere Neubauten.

Die Villa Nordstern jedoch schien jedem Wetter zu trotzen, wären da nicht die Graffitischmierer, Vandalen und selbsternannte „Geisterjäger“, die die mysteriösesten Geschichten um das Gebäude erfinden und somit einen waren Besucherstrom auslösten.

Ein Investor kaufte 2018 die Villa und wird in den kommenden zwei Jahren hier einen „Sport- und Naturkindergarten“ mit überregionalem Einzugsbereich formen. Weiter plant dieser, einen Teil des etwa 42.000 Quadratmeter großen Grundstücks als Bauland zu verkaufen. Wie der Investor gegenüber der „Hannoverschen Zeitung“ mitteilte, ist eine Investitionssumme von rund 3,5 Millionen Euro angedacht.

Quelle: Hannoversche Allgemeine, Hannover Region Grundstücksgesellschaft, Hannover.de

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Dokument erstellt am 26.09.2010
Letzte Änderung am 15.08.2018

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André Winternitz, Jahrgang 1977, ist freier Journalist und Redakteur, lebt und arbeitet in Schloß Holte-Stukenbrock. Neben der Verantwortung für das Onlinemagazin rottenplaces.de und das vierteljährlich erscheinende "rottenplaces Magazin" schreibt er für verschiedene, überregionale Medien. Winternitz macht sich stark für die Akzeptanz verlassener Bauwerke, den Denkmalschutz und die Industriekultur.