Verein wird Betreten des Pleistalwerk-Geländes verboten

Ruine des Pleistalwerks. Foto: rottenplaces Archivfoto

Sankt Augustin (aw). Neuigkeiten gibt es beim Thema Pleistalwerk, auch bekannt als Zeche Plato, einer ehemalige Ziegelei in Niederpleis in Sankt Augustin (Rhein-Sieg-Kreis). Seit Jahrzehnten befindet sich das Gelände im Dornröschenschlaf. Viele Pläne sollten seit der letzten Nutzung hier realisiert werden. Da war die Rede von einer Forschungseinrichtungen und einem Museum, einem Ökotechnikzentrum, Hotel und die Ansiedlung des Instituts der gewerblichen Berufsgenossenschaften, einer Wohnbebauung, Thermalbad oder eine Neurologische Klinik. Doch nichts geschah. Jetzt wurde gegen den Verein „Umweltbildung Pleistalwerk“, der als Nichteigentümer Planungen für das Areal schmiedete und zur Führung über das Gelände einlud, vom Siegburger Amtsgericht eine einstweilige Verfügung erwirkt.

2001 erwarb der Nachfahre des letzten Fabrikbesitzers, ein Architekt, die Fabrikantenvilla in einer Zwangsversteigerung. Als sieben Jahre später jedoch das Areal mit der Industriebrache zwangsversteigert werden musste, schlug ein Privatmann zu. Der frühere Besitzer jedoch gab seine Pläne mit dem Areal nicht auf, gegen den Willen des neuen Eigners. Nachdem sich 2011 der Verein „Umweltbildung Pleistalwerk“ gegründet hatte und Pläne für das Gelände des Privatmanns schmiedete, auch das Gelände immer wieder ohne Genehmigung betrat, zog Letzterer vor Gericht. In der erwirkten, einstweilige Verfügung wird dem Verein untersagt, das Gelände und die ehemaligen Werkshallen zu betreten und nicht zu Führungen über das Gelände einzuladen.

Das Amtsgericht hatte die einstweilige Verfügung zunächst ohne mündliche Verhandlung beschlossen, der Verein dagegen Widerspruch eingelegt. Somit musste der Fall vor Gericht verhandelt werden. Der Richter empfahl dem Beklagten, seinen Widerspruch zurückzuziehen, gerade aus Kostengründen.

Historie

Im Pleistalwerk wurden ab 1841 feuerfeste Steine, Ziegelsteine, Dachziegel und Tonröhren zur Entwässerung von Häusern und Straßen produziert. 1902 zerstörte ein Feuer ein Ofenhaus. Das Gebäude wurde durch einen dreigeschossigen Backsteinbau ersetzt. 1912 beschäftigte das Unternehmen 242 Mitarbeiter. Die Plato AG Bonn, die das Unternehmen im Jahre 1912 übernahm, wurde 1923 zahlungsunfähig. 1924 vernichtete ein Großbrand einen großen Teil des Werksgeländes. 1930 stellte man ganz auf die Steinzeugröhrenproduktion um.

Nach dem Ende der Steinzeugröhrenproduktion wurden die Maschinen abgebaut, renoviert und verkauft. Teile des Geländes wurden bis in die 1990er Jahre von einer Firma zur Produktion von Automationsmaschinen für Kunststoff- und Autoindustrie genutzt. Seitdem ist das Gelände ungenutzt und das Gebäude verfällt. Das gesamte Fabrikgelände wurde 1991 von der Geerling GbR an die GbR Rehaklinik Sankt Augustin veräußert; diese ging jedoch in Insolvenz. 2008 erwarb ein Privatmann das Areal im Rahmen einer Zwangsversteigerung. 2011 gründete sich der Verein „Umweltbildung Pleistalwerk“.

Kommentieren Sie den Artikel

Please enter your comment!
Please enter your name here