VEB Globus-Werke Leipzig

Der VEB Globus-Werke war in der DDR ein führender Hersteller für Autopflege- und Reinigungsprodukte. Das Werk hatte die Fritz Schulz jun. AG 1897 bauen lassen. Dieser Fabrikkomplex wurde 1905 und 1909/11 erweitert, darunter um ein neues Verwaltungsgebäude, Kesselhaus, Wohnhaus und mehrere Gebäudeflügel. Im Zweiten Weltkrieg wurden einige Gebäudeteile durch Bombenangriffe schwer beschädigt und nur notdürftig oder garnicht aufgebaut. Zahlreiche Planungen für Neubauten wurden nicht mehr realisiert.

1949 erfolgte die Verstaatlichung und Umfirmierung in Chemisch-technischer Betrieb VEB Globus-Werke Leipzig. Später gab es noch diverse Umbenennungen in VEB Aerosol-Automat Karl-Marx-Stadt, Betriebsteil Leipzig, VEB Wittol Wittenberg, Betriebsteil Autopflegemittelfabrik Leipzig und VEB Otto Grotewohl Böhlen, Betriebsteil Autopflegemittel Leipzig. Deutschlandweit bekannt wurde das Werk durch die nach dem Krieg hergestellte Bremsflüssigkeit „Karipol“, aber auch durch die Herstellung von Reinigungs- und Pflegeprodukten. Zum Sortiment der Firma gehörten Putzextrakte, feste und flüssige Leder- und Metallputzmittel, Putzseifen, Putzpulver, Glanzstärken, Mottenmittel, Bohnerwachs, Waschpulver, Autopolitur und andere chemische Erzeugnisse, aber auch Blechemballagen, Kartonagen und Kisten.

1989 produzierte man in den verstaatlichten Werken bekannte Pflegemittel wie „Elsterglanz“ und „Klarofix“. Nach der politischen Wende und der Reprivatisierung des VEB Otto Grotewohl firmierte das Unternehmen noch als „Sächsische Olefinwerke AG, Böhlen“. 1995 wurde der Betrieb stillgelegt. Neben dem jahrelangen Verfall der Gebäude kniet heute noch immer die Steinfigur vor den Toren, die der Globuswerke-Begründer dort positionieren ließ. Diese zeigt den Gott der Mythologie, halb kniend, mit einer großen Weltkugel auf dem Rücken. „Atlas, den Globus tragend“ ist die genaue Bezeichnung der Figur, der Gründer wollte mit dieser andeuten, er wolle die „ganze Welt erobern“. Der Figur verdankt das Unternehmen seinen Namen.

Die LEWO Unternehmensgruppe – die bereits diverse Projekte im Leipziger Westen realisiert hat – wird aus dem Komplex eine Immobilie mit 60 Eigentumswohnungen und Büros formen. Ende 2016 sollen alle Arbeiten abgeschlossen sein. Die Arbeiten erfolgen unter Zusammenarbeit mit dem Denkmalschutz, die floralen Jugenstil-Ornamente werden restauriert und auch die hellen Klinker werden weiter eingesetzt. Die LEWO Unternehmensguppe strebt zudem eine Energie-Effizienz-Zertifizierung an. Die Gruppe wird zuerst den ursprünglichen Teil des Torhauses und das Atelierhaus sanieren. Danach folgen der Rest des Torhauses, das Hof- und Gartenhaus sowie die im hinteren Hofteil freistehenden Remise.

Quellen: globuswerke-leipzig.de, Wikipedia, Leipziger Volkszeitung

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www.globuswerke-leipzig.de

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Dokument erstellt am 24.05.2012
Letzte Änderung am 07.03.2015

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André Winternitz, Jahrgang 1977, ist freier Journalist und Redakteur, lebt und arbeitet in Schloß Holte-Stukenbrock. Neben der Verantwortung für das Onlinemagazin rottenplaces.de und das vierteljährlich erscheinende "rottenplaces Magazin" schreibt er für verschiedene, überregionale Medien. Winternitz macht sich stark für die Akzeptanz verlassener Bauwerke, den Denkmalschutz und die Industriekultur.

2 Kommentare

  1. Als der für das Autopoliermittel notwendige mineralische Polierkörper aus der BRD nicht mehr eingeführt werden durfte, trat Herr Fasterding (Globus) mit der damaligen Forschungsstelle Kaolin in Kemmlitz (Kr. Oschatz) in Verbindung und es wurde erreicht, dass in den frühen 60er Jahren des vorigen Jh. Chargen einer UNGARISCHEN KIESELKREIDE in der Versuchsanlage von Kemmlitz als Austauschstoff hergestellt wurde.
    Als Wiss. Mitarbeiter der Forschungsstelle begleitete ich die Prozesse.

    • Hier ist die Enkeltochter des Begründers der Globuswerke.
      Irrtümlicher Weise wird die Gründung mit der Familie Fritz von Philipp in Zusammenhang gebracht, das war jedoch nur der Schwager, den mein Grosspapa als Mann für eine seiner Schwestern per Inserat herausgesucht hat (das „von“ wurde sehr viel später „erworben“). Die Globuswerke gab es da schon längst.
      Fritz Schulz jun., so wie er die Firma nannte, stammt aus Sagen und hat dann in Leipzig durch besondere Umstände die erste Glanzstärke erfunden. Dazu gibt es sehr nette kleine historische Geschichten.

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