Unbekannter Löschteich verzögert Umbau

Hanau (aw). Bei der Umgestaltung des Großauheimer Rochusplatzes haben Tiefbauarbeiter einen von 1943 bis 1945 genutzten Löschteich gefunden. Dieser ist mit Bauschutt verfüllt, in dem sich Kampfmittel wie Gewehre und Munition befinden. Nun muss unter dem bisher bepflanzten Teil des Rochusplatzes der gesamte Bauschutt ausgegraben werden, ein Verdichten ist wegen der Kampfmittel nicht möglich. Das hat zur Folge, dass an diesem Donnerstag früh – abgestimmt mit der Unteren Naturschutzbehörde – die drei Linden gefällt werden müssen, die eigentlich erhalten bleiben sollten. „Zu klären ist auch, ob die Bombenabwurf-Recherchen des Kampfmittel-Räumdienstes dazu zwingen, den gesamten Löschteich ausstemmen zu müssen“, erläutert Markus Henrich, Leiter des federführenden städtischen Eigenbetriebs Hanau Infrastruktur Service (HIS).

Würde das notwendig, wären nicht nur 35 bis 40 Zentimeter dicke Stahlbeton-Wände des 400 Quadratmeter großen und 1,80 Zentimeter tiefen Löschteichs abzutragen, sondern auch eine mächtige Bodenplatte. Den zusätzlichen Aufwand beziffert Henrich mit „vorsichtig geschätzt 100.000 Euro“. Hinzu käme eine Bauzeitverzögerung von wahrscheinlich zwei bis drei Wochen. Der Kampfmittel-Räumdienst beaufsichtigt an diesem Donnerstag wieder die Tiefbauarbeiten im Bereich des Löschteichs, am gestrigen Mittwoch ruhten sie.

„Nach Aussage des örtlichen Heimat- und Geschichtsvereins hat in Großauheim keine Bombardierung vor dem Bau des Löschteichs 1943 stattgefunden“, sagt Henrich. „Daher dürften dort im Erdreich an sich keine Weltkriegsbomben zu finden sein“, hofft er. Ist der große Aufwand des vollständigen Aufstemmens nicht nötig, reicht es aus, etwa 80 Zentimeter der Löschteichmauern abzutragen. „Auch diese Variante kostet uns schätzungsweise 40.000 Euro mehr“, so Henrich weiter. Bisher ging HIS davon aus, den von den Stadtverordneten gesetzten Kostenrahmen von 1,2 Millionen Euro für den Platzumbau einzuhalten.

Die Existenz des Löschteichs war HIS bisher nicht bekannt. Denn er trat weder bei den verschiedenen Pflasterarbeiten auf dem Platz in den vergangenen Jahren noch im Zuge der Erkundungsarbeiten vor Baubeginn zutage, weil er sich im bepflanzten Teil befand, wo bisher keine Tiefbauarbeiten nötig waren.

„Auch auf uns vorliegenden alten Postkarten und Bildern war davon nichts zu sehen“, sagt Henrich weiter. Denn solche spielten bei einer Sitzung des Denkmalbeirats vor wenigen Tagen eine Rolle, bei der es um Abbau, Sanieren und Versetzen des Rochuskreuzes von der Platzmitte auf die nordwestliche Seite ging. Bisher war vorgesehen, dass anstelle der bereits verschwundenen vier Bäume zwölf neue gepflanzt werden. Nun wird HIS weiteren Ersatz für die zu fällenden drei Linden pflanzen.

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