Tropical Islands – Vom Luftschiffhangar zum Freizeitpark

Tropical Islands, ehemalige Werfthalle. Foto: André Winternitz
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70 Kilometer südlich von Berlin – heute Europas größte, tropische Urlaubswelt. Erschlossen wurde das Areal bei Briesen/Brand, einem südlichen Ortsteil der Gemeinde Halbe, im Landkreis Dahme-Spreewald, während des Zweiten Weltkriegs als Flugplatz Brand für die Luftwaffe der Wehrmacht. Von 1939 bis 1942 war der Flugplatz Ausbildungsflugplatz des Flieger-Ausbildungs-Regiments 82, der späteren FFS A/B 82 (Flugzeugführerschule Pretzsch) und bis September 1944 die Flugzeugführerschule A/B 3 Guben. Die sowjetischen Streitkräfte übernahmen das Gelände nach dem Krieg und nutzten es bis 1990 als Frontbomberbasis der sowjetischen Luftwaffe sowie später zusätzlich auch als Sonderwaffenlager. Zwei Jahre später übergab man das Areal an die deutsche Verwaltung.

Die Cargolifter AG, ein seit 2002 insolventes Unternehmen der Luftfahrtindustrie, begann 1998 mit dem Spatenstich für eine Luftschiffhalle, um hier Lastenluftschiffe für bis zu 160 Tonnen schwere Fracht zu entwickeln, zu konstruieren und operativ zu betreiben. Ein Jahr später begannen die Erschließungsmaßnahmen. Nach der Entsorgung der Altlasten riss man neben der nördlichen Start- und Landebahn Teile der Kasernengebäude ab, die diversen Shelter rüstete man mit neuen Toren aus, um hier Lagerflächen zu schaffen. Später entwickelte man zwei Shelter als Besucherzentrum und IT-Serverraum. Der anfallende Beton der Start- und Landebahn wurde als Unterbau für die Luftschiffhalle verwendet.

Im Jahr 2000 waren alle Arbeiten an der Luftschiffhalle fertiggestellt. Das Konstrukt gilt als größte freitragende Halle weltweit. Verschlungen hatte das Bauprojekt bis dahin etwa 75 Mio. Euro, davon wurden 39,4 Mio. Euro aus öffentlicher Hand gefördert. 2001 erteilte das Luftfahrt-Bundesamt die Zulassung als Instandhaltungsbetrieb nach europäischem Luftrecht. Ende September begann das Unternehmen unter Anwesenheit des damaligen Bundespräsidenten Johannes Rau und dem brandenburgischen Wirtschaftsminister Wolfgang Fürniß öffentlichkeitswirksam mit der Luftschiffproduktion. Kurz darauf geriet das Unternehmen in eine finanzielle Schieflage. Auch eine Kapitaleinwerbung brachte nur einen kurzen Aufschub des Geschäftsbetriebes. In der Öffentlichkeit wurde nach privaten Geldgebern gesucht.

Obwohl man über Monate alle Bemühungen unternommen hatte, um den Regelbetrieb aufrechtzuerhalten, zogen sich Investoren zurück und Gelder wurden gestrichen. Auch bestimmte Verträge für Ballonsysteme mit ausländischen Kunden brachten keine Wende. Auch eine Wandelanleihe für Aktionäre und Mitarbeiter sowie eine strategische Kooperation mit dem Luft- und Raumfahrtkonzern Boeing konnten Bund und Land nicht dazu bewegen, Überbrückungskredite zur Verfügung zu stellen. Alls alle Gelder aufgebraucht waren, beantragte die mitarbeiterstärkste Tochtergesellschaft (die Cargolifter AG verfügte über 14 Tochtergesellschaften) Ende Mai 2002 ein vorläufiges Insolvenzverfahren. Wenige Tage später folgte auch die Konzernmutter mit ihrem Insolvenzantrag.

Ein Investor aus Malaysia kaufte die Luftschiffhalle im Jahr 2002 von CargoLifter für 17,5 Mio. Euro (davon 10 Mio. Subvention vom Land Brandenburg) und betreibt hier seit Ende 2004 einen tropischen Freizeitpark mit dem Namen Tropical Islands. Tropical Islands verfügt bei einer Innentemperatur von 26 °C und rund 64 % Luftfeuchtigkeit über den größten Indoorregenwald der Welt. Hier finden Besucher einen Strand mit zahlreichen tropischen Pflanzen sowie mehrere Pools, Bars und Restaurants. Die gesamte Anlage ist in Saunalandschaft und tropische Erlebnislandschaft mit eigenem Eintrittspreis unterteilt. Auch Zusatzangebote wie eine Minigolfanlage, die Abendshow und die internen Übernachtungsmöglichkeiten werden mit einem Aufpreis angeboten. Um die Gäste zu unterhalten, werden neben der Abendshow, kleinere Tageshows und verschiedene Events angeboten.

Der Betreiber rechnete für einen kostendeckenden Betrieb mit 1,25 Mio. Besuchern im Jahr. Diese Zahlen konnten bisher nicht erreicht werden, der Eigentümer schrieb rote Zahlen. Eine geänderte Preisstruktur und neu geschaffene Übernachtungsmöglichkeiten, aber auch die im Jahr 2005 geschaffene, lichtdurchflutete gesamte Südseite der Halle entlang des „Südseestrandes“ sorgten dafür, dass 2009 erstmals Gewinn erzielt werden konnte. 2016 eröffnete das neue Außengelände „Amazonia“ mit einer Größe von 35.000 Quadratmetern. Dieses umfasst zwei Thermenbecken, eine Wildwasserrutsche, Sportpark und Liegeflächen.

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