Trommelfabrik Weißenfels (VEB Trowa)

Die Trommelfabrik in Weißenfels wurde 1824 ursprünglich als Badeanlage errichtet. Der damalige Weißenfelser Bürgermeister Oelzen stellte diese bei der Herrenmühlenschleuse fertig und eröffnete sie. Zu damaligen Zeiten wollte man Weißenfels zu einem Badeort formen. Die Gäste blieben aber weit hinter den Erwartungen zurück. 1890 errichtete der Braumeister Gürth an diesem Ort eine Gaststätte samt großzügigen Saal und weihte diese unter dem Namen „Etablissement Bad“ ein. Zu Zeiten des Ersten Weltkriegs funktionierte man das Areal zu einem Lazarett um. 1920 wurde das Ensemble vom Unternehmen Sonor übernommen. Ab sofort stellte man hier Schlagzeuge, Becken, Trommeln, Xylofone und Triangeln her. Auch während es Zweiten Weltkriegs ging die Produktion weiter.

1952 wurde der Inhaber, Otto Link, festgenommen und zwangsenteignet. Zu DDR-Zeiten firmierte das Unternehmen als Volkseigener Betrieb (VEB) Trowa (Trommelwaren). 1981 wurde die Produktion eingestellt und der Betrieb geschlossen. Noch heute zeugen die imposanten Stuckdecken, Säulen und Wandmalereien von der Extravaganz, die einst hier herrschte.

Anfang 2016 kaufte ein Libyer mit Wohnsitz in Kanada die Trommelfabrik. um aus dieser ein Kulturzentrum zu formen. Fünf Millionen Euro sollen hier investiert werden. Entgegen den Vermutungen, der Investor wolle aus der Trommelfabrik eine Moschee bauen lassen, werden hier ein Hotel, eine Gaststätte mit Café, Räume für Events, Theater- und Ballsaal, eine Kegelbahn, ein türkisches Bad mit Sauna und Gartenanlagen entstehen.

Im August 2016 kam es im Gebäude zu einem Brand. Ein illegal entfachtes Feuer in einem stillgelegten Ofen hatte den Dachstuhl in Flammen gesetzt. Nach Angaben der Polizei hatten Arbeiter, die auf dem Gelände aktiv waren, das Feuer bemerkt. Ermittlungen ergaben, dass diese nichts mit dem illegalen Befeuern des Ofens zu tun hatten. Wer dafür verantwortlich ist, ist nach wie vor unklar. Vermutlich sind Funken des Feuers, das am Abend zuvor entfacht wurde, erst am nächsten Tag auf das Dach übergesprungen. Immer wieder kam es zu Einbrüchen und Diebstählen auf dem Gelände. Die Ermittlungen wegen Brandstiftung dauern an. Der Investor hält trotz des Brandes an seinen Plänen fest.

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Dokument erstellt am 22.09.2016
Letzte Änderung am 22.09.2016

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André Winternitz, Jahrgang 1977, ist freier Journalist und Redakteur, lebt und arbeitet in Schloß Holte-Stukenbrock. Neben der Verantwortung für das Onlinemagazin rottenplaces.de und das vierteljährlich erscheinende "rottenplaces Magazin" schreibt er für verschiedene, überregionale Medien. Winternitz macht sich stark für die Akzeptanz verlassener Bauwerke, den Denkmalschutz und die Industriekultur.