Top 10 Grossgeräte – Zehn Stahl-Technikwunder vorgestellt

Sie zähl(t)en zu den größten, beweglichen Transport- und Baumaschinen der Welt – sind und waren wahre Technikwunder im Tagebau. Die Rede ist von Schaufelradbaggern, Eimerkettenbaggern und Förderbrücken. Die Geschichte der Stahlkolosse beginnt in den 1930er Jahren. Beim Anblick dieser Kolosse schlägt nicht nur das Männerherz höher. Zehn aktive und ehemalige Boliden rund um den deutschen Tagebau stellen wir hier vor.

In diesem Beitrag soll es nicht um ein persönliches oder politisches Statement für oder gegen den Kohleausstieg gehen. Im Vordergrund stehen die gigantischen Maschinen und die Ingenieurkunst.

Schaufelradbagger SRs 1200-1452

Der Schaufelradbagger SRs 1200-1452 ist ein Kulturdenkmal des Freistaates Sachsen. 1961 im VEB Schwermaschinenbau Lauchhammerwerk erbaut, verfügt der Bolide über eine Gesamtlänge von rund 75 Metern, eine Höhe von etwa 33,5 Metern und eine Gesamtmasse von rund 1.940 Tonnen. Eingesetzt wurde das Großgerät in den Tagebauen Phönix (nahe Leipzig) und Berzdorf (nahe Görlitz). Nur drei Personen waren für die Besatzung notwendig. Heute erhält der Verein Bergbaulicher Zeitzeugen Berzdorf – Oberlausitz das Gerät museal.

Abraumabsetzer 1115

Der Abraumabsetzer 1115 steht heute im Bergbau-Technik-Park, einem Freilichtmuseum im Leipziger Neuseenland. Das Gerät verfügt über eine Länge von 204 Metern, eine Höhe von 49 Metern und einem Gesamtgewicht von 2.400 Tonnen. Erbaut wurde der Bolide 1985 vom VEB TAKRAF Lauchhammer. Eingesetzt wurde das Großgerät im ehemaligen Tagebau Espenhain (Mitteldeutsches Braunkohlerevier).

Schaufelradbagger 291

Schaufelradbagger 291. Foto: Arthur Konze/CC BY-SA 4.0
Schaufelradbagger 291. Foto: Arthur Konze/CC BY-SA 4.0

Der Schaufelradbagger 291 ist im Tagebau Hambach (Rheinisches Braunkohlerevier) aktiv. Das Großgerät wurde 1983 von der Lübecker Maschinenbau Gesellschaft (Orenstein & Koppel) erbaut, verfügt über eine Gesamtlänge von rund 225 Metern, eine Höhe von etwa 96 Metern und eine Gesamtmasse von 13.500 Tonnen.

Abraumförderbrücke F60

Die Abraumförderbrücke F60 – auch liegender Eifelturm der Lausitz genannt, ist heute Ankerpunkt der Europäischen Route der Industriekultur (ERIH) und die letzte von fünf gebauten Förderbrücken im Lausitzer Braunkohletagebau. Das Konstrukt gilt als eine der größten beweglichen Arbeitsmaschinen der Welt. Erbaut wurde das Meisterwerk der Ingenieurtechnik 1989/91 im früheren VEB TAKRAF Lauchhammer. Bei einer Gesamtlänge von 502 Metern und einer Höhe etwa 80 Metern verfügte die Förderbrücke über eine Gesamtmasse von 13.500 Tonnen (ohne Bagger). Der Bolide steht heute im Besucherbergwerk Abraumförderbrücke F60 bei Lichterfeld-Schacksdorf.

Schaufelradbagger 288

Schaufelradbagger 288. Foto: Raimond Spekking/CC BY-SA 4.0

Der Schaufelradbagger 288 verrichtet seinen Dienst im Braunkohletagebau Garzweiler (Rheinisches Braunkohlerevier), auch Grube Neurath genannt. 1978 vom Schwerindustrieunternehmen Krupp für das Energie- und Bergbauunternehmen Rheinbraun erbaut, verfügt das Großgerät über eine Gesamtlänge von rund 240 Metern, eine Höhe von 96 Metern und eine Gesamtmasse von etwa 13.500 Tonnen. Im Februar 2001 wurde der Bagger innerhalb von drei Wochen vom Tagebau Hambach in den 22 Kilometer entfernten Tagebau Garzweiler gebracht. Der Umzug kostete 15 Millionen Deutsche Mark und beschäftigte 70 Arbeiter. Diese Aktion war wirtschaftlicher, als das Großgerät in seine Einzelteile zu zerlegen.

Schaufelradbagger SRs 1500-1473

Der Schaufelradbagger SRs 1500-1473 wird auch als „Blaues Wunder“ der Lausitz bezeichnet. Grund dafür ist der letzte ausgeführte Anstrich. Seinen Dienst tat der Bagger zuerst im Tagebau Meuro, später auch vorübergehend im benachbarten Tagebau Welzow-Süd. 1964/65 wurde der Bolide vom VEB Schwermaschinenbau Lauchhammerwerk erbaut, verfügt über eine Gesamtlänge von rund 171,5 Metern, eine Höhe von 50 Metern und eine Gesamtmasse von 3.850 Tonnen. Das „Blaues Wunder“ gehört heute zu den bekanntesten Landmarken der Lausitz, doch seine Zukunft sieht alles andere als rosig aus.

Schaufelradbagger SRs 6300-1519

Schaufelradbagger SRs 6300-1519. Foto: Onkel Holz/CC0

Der Schaufelradbagger SRs 6300-1519 ist im Tagebau Welzow Süd (Lausitzer Revier) aktiv. Erbaut wurde das Gerät 1981 vom VEB TAKRAF Lauchhammer, verfügt über eine Gesamtlänge von rund 250 Metern, eine Höhe von etwa 64 Metern sowie eine Gesamtmasse von rund 6.300 Tonnen. Sein Pendant, der SRs 6300-1550, 1988 ebenfalls im VEB TAKRAF Lauchhammer erbaut, war im Tagebau Breitenfeld aktiv und wurde 1996 verschrottet.

Portalkratzer Zeche Zollverein

Der Portalkratzer befindet sich zwischen dem Zechengelände von Schacht XII und der Kokerei Zollverein in Essen und wurde 1973 auf dem Kohlenlagerplatz installiert. Bei dem sogenannten Kombinationsgerät, konstruiert von der Firma Schade, handelt es sich zwar nicht um ein typisches Konstrukt aus dem Tagebau, dennoch ist es ein besonderes Werk der Ingenieurkunst. Der Portalkratzer beinhaltet gleichzeitig einen Absetzer zum Haldenaufbau sowie einen Kratzer zum Abbau der Halde, mit dem die kommende Kokskohle zuerst zu einer Halde aufgebaut, dann die Halde abgekratzt und auf ein laufendes Förderband weiter zur Kokerei transportiert wurde. Die Kokskohle lagerte man ein, um im Falle eines Produktionsstillstandes auf der Zeche die Kokerei weiterhin mit Kokskohle versorgen zu können.

Schaufelradbagger SRs 1300-1521

Der Schaufelradbagger SRs 1300-1521 – auch „Big Wheel“ genannt, steht heute in „Ferropolis“, einem Museum und Veranstaltungsort nahe Gräfenhainichen östlich von Dessau auf einer Halbinsel im ehemaligen Tagebau Golpa-Nord. Erbaut wurde das Gerät 1984 vom VEB TAKRAF Lauchhammer und verfügt über eine Gesamtlänge von 74,5 Metern, einer Höhe von 31 Metern sowie einer Gesamtmasse von rund 1.718 Tonnen. Für den Betrieb wurden 3 bis 5 Personen benötigt. Zum Einsatz kam er neben dem Tagebau Gopla-Nord auch im Tagebau Gröbern.

Eimerkettenbagger ERs 1120-651

Eimerkettenbagger ERs 1120-651. Foto: gravitat-OFF/CC BY 2.0
Eimerkettenbagger ERs 1120-651. Foto: gravitat-OFF/CC BY 2.0

Der Eimerkettenbagger ERs 1120-651 – auch „Mad Max“ genannt, steht heute in „Ferropolis“, einem Museum und Veranstaltungsort nahe Gräfenhainichen östlich von Dessau auf einer Halbinsel im ehemaligen Tagebau Golpa-Nord. 1962 wurde der Bolide vom VEB Förderanlagen Köthen erbaut. Der Bagger verfügt über eine Gesamtlänge von 79,2 Metern, einer Höhe von 27,6 Metern sowie einer Gesamtmasse von 1.250 Tonnen. Für den Betrieb wurden 3 bis 5 Personen benötigt. Zum Einsatz kam er neben dem Tagebau Schlabendorf-Süd auch im Tagebau Gopla-Nord.

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