Stüveschachtanlage am Piesberg wird zur „begehbaren Ruine“

Stüveschachtanlage Piesberg. Foto: André Winternitz

Osnabrück (aw). Der Stüveschacht ist einer von zwei Tiefschächten der Zeche Piesberg am Rande Osnabrücks. Benannt wurde er nach dem Osnabrücker Bürgermeister Carl Bertram Stüve. Der Schacht liegt auf der Nordseite des Piesbergs, der zum Ibbenbürener Steinkohlerevier gehört. Ein 1,45 km langer Stollen verbindet den Stüveschacht mit dem auf der Südseite des Piesbergs befindlichen Haseschacht.

Weil das dachlose Bauwerk seit vielen Jahren durch Witterungseinflüsse stark in Mitleidenschaft gezogen wurde, waren Sanierungsarbeiten dringend notwendig. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) stellte für Instandsetzungsrbeiten Anfang 2018 50.000 Euro zur Verfügung. Anfang 2019 wurde der erste Bauabschnitt abgeschlossen. Gesichert wurden Mauerkronen, die Wände mussten vor Sturm und Regen geschützt und dessen Statik mit mächtigen Betonringen verstärkt werden. Die Gesamtkosten dafür beliefen sich auf 371.000 Euro.

Nun wurde mit dem zweiten Bauabschnitt begonnen. Das Gebäude soll mit einer Rampe aus verzinktem Stahl versehen werden, natürlich barrierefrei. Es soll eine „begehbare Ruine“ entstehen. Im Inneren wurden die gemauerten Gräben, die früher für Teile der Dampfmaschine errichtet wurden, vom Schutt befreit. Nun soll der 5,40 Meter tiefe Abgrund auf der einen Seite mit Gitterrosten, auf der anderen Seite mit einem Geländer gesichert werden. Ende November sollen diese Vorhaben erledigt sein und 116.000 Euro verschlungen haben. Der Förderverein hat die Summe aus verschiedenen Quellen akquiriert.

Läuft alles nach Plan, könnte 2020 mit dem dritten Bauabschnitt begonnen werden. Architekt und Vereinsmitglied Markus Wiekowski hat die Pläne dafür bereits fertig. Das offene Gebäude soll wie 1888 ein Tonnendach aus Blech bekommen. Ergänzt wird der Bauabschitt dann mit einem Stromanschluss und einer Beleuchtung. Die Kosten dafür belaufen sich auf 225.000 Euro. Die Förderanträge sind bereits gestellt.

Stüveschacht

Seit der Mitte des 16. Jahrhunderts ist die Förderung von Anthrazitkohle, der hochwertigsten Kohlensorte, am Piesberg durchgehend dokumentiert. Um die Mitte des 19. Jahrhunderts erlebte der Bergbau am Piesberg seine Blüte, technische Neuerungen, die Anbindung an die Osnabrücker Eisenbahn und die wirtschaftlich günstige Lage machten dies möglich. 1869 wurde mit dem Haseschacht der erste Tiefbauschacht der Zeche angelegt. 1873 begann die Teufe des Stüveschachtes, die allerdings bereits drei Jahre später aufgrund von technischen Problemen mit der Wasserhaltung eingestellt wurde.

Erst nach dem Verkauf der Zeche 1889 an den Georgs-Marien-Bergwerks- und Hüttenverein investierte man nochmal in einen Ausbau der Anlage. Mit der Schließung der Zeche im Jahr 1898 infolge eines fatalen Grubenunglücks, zunehmenden Wasserhaltungsproblemen und eines Streiks der Bergarbeiter war die Stüveschachtanlage dem Verfall preisgegeben. Bis auf ein Gebäude wurde schließlich die gesamte Anlage abgerissen.

Ruine wird zum Juwel

Dieses einzig erhaltene Bauwerk der Anlage liegt direkt am Schacht. Es zeigte sich viele Jahre in einem ruinösen Zustand. Einst beherbergte es die Wasserhaltungsmaschine, die das in der Tiefe zufließende Grubenwasser hob. Das 19 Meter hohe ehemalige Pumpengebäude steht über quadratischem Grundriss und besitzt ein Hausteinmauerwerk aus Karbonquarzit. Farblich abgesetzt sind ein umlaufendes Gesimsband in Ziegelmauerwerk sowie Einfassungen um Fenster und Tore ebenfalls in Ziegelmauerwerk. Der Förderverein Stüveschacht e.V. bemüht sich darum, die Anlage der Öffentlichkeit wieder zugänglich zu machen.

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