Stärkefabrik R. Hundhausen

Die Stärkefabrik R. Hundhausen ist ein ehemaliges Unternehmen in Hamm, später in Ahlen. Die Geschichte der Firma Hundhausen lässt sich in das Jahr 1864 zurückverfolgen. In Hamm in Westfalen wird aus Weizenmehl Weizenstärke erzeugt. Zu dem Endprodukten des Werkes gehörten Weizenstärke, Weizenstärkepuder, Weizensüßkleber, Aleuronat und Weizenstärkequellmehl. Ab 1868 ist der Name R. Hundhausen Stärkefabrik verbürgt. Zu dieser Zeit war die Hammer Fabrik die erste ihrer Art und die Produkte und Erzeugnisse erlangten unter dem Markennamen Hundhausen große Bekanntheit in ganz Deutschland. Die Gründe für die hohe Bekanntheit von Hundhausen-Produkten waren ein weitverbreitetes Davidis-Kochbuch, die Berichterstattung von der Nansen-Expedition, sowie Gold- und Silbermedaillen für Hundhausen-Artikel in Amsterdam (1883), Brüssel und Berlin (1888), Wien (1891), Jamaica (1891) und Anvers (1894).

1885 wird auf dem Gelände der Stärkefabrik Hundhausen bei Wasserbohrungen ein Kohleflöz entdeckt. Dem damaligen Inhaber des Unternehmens Dr. Johannes Hundhausen wird vom Landesoberbergamt in Hamm das Bergrecht verliehen. Aufgrund der damaligen Wirtschaftskrise wird das Steinkohlefeld „Robert von Hundhausen“ jedoch nicht erschlossen. 1899 wurde der Betrieb vom Lippstädter Kaufmann C.D. Epping erworben. Im Ersten Weltkrieg kann die Produktion wegen Rohstoffmangels nicht aufrechterhalten werden. 1940 wurde der Betrieb aufgrund von Platzmangel am alten Standort in Hamm nach Ahlen verlegt. Auf dem Gelände der Firma Hundhausen in Hamm befinden sich heute das Amtsgericht sowie die Justizvollzugsanstalt Hamm.

Die Produktionsstätten werden in Ahlen neu errichtet und mit für diese Zeit modernsten Produktionsanlagen ausgestattet. Im Zweiten Weltkrieg wird das Werk am 23. März 1944 bei einem Bombenangriff schwer getroffen. Die Produktion konnte jedoch nach kurzer Zeit wieder aufgenommen werden. Die Herstellung von Stärkemehl in Ahlen wurde 1990 eingestellt, da das Gelände in der Innenstadt von Ahlen keine Vergrößerung der Fabrik zuließ.

Heute verfallen die Gebäude und das Gelände zusehends. Teilweise wachsen Bäume und Sträucher durch die Mauerwerke und Fensterfronten in die Gebäude hinein und sorgen für einen morbiden Charme. Überall ist ein unbeschreiblicher Vandalismus zu erkennen. Es ist eine Schande, zu sehen, wie diese altindustrieelle Fabrik durch Graffitisprayer, Halbstarke und Kabel- sowie Metalldiebe so dermaßen zerstört wurde, dass nur noch ein Abriss erfolgen konnte.

2016 wurde das Areal an einen Ahlener Unternehmer verkauft. Ein Vollsortimenter hatte Interesse an einem Teilbereich geäußert. 2008 legte eine Düsseldorfer Projektentwicklungsgesellschaft einen Entwurf vor, demnach auf über 9.000 Quadratmetern unter dem Projekttitel „Stadtgalerie Ahlen“ ein zweigeschossiges Einkaufszentrum entstehen sollte. 35 Millionen Euro sollten an diesem Standort investiert werden. Im September 2017 begannen die Abbrucharbeiten auf dem Areal. Nach wenigen Wochen war von einem Kapitel der ehemaligen Achener Industriegeschichte nichts mehr zu sehen. Entstehen wird hier ein neues Einkaufszentrum (wir berichteten mehrfach).

Quelle: Wikipedia, privat

Dokumenten Information
Copyright © rottenplaces 2010
Dokument erstellt am 26.09.2010
Letzte Änderung am 30.09.2017

Vorheriger ArtikelPortland Zement- & Kalkwerke „Burania“
Nächster ArtikelKomforthotel LaVie
André Winternitz, Jahrgang 1977, ist freier Journalist und Redakteur, lebt und arbeitet in Schloß Holte-Stukenbrock. Neben der Verantwortung für das Onlinemagazin rottenplaces.de und das vierteljährlich erscheinende "rottenplaces Magazin" schreibt er für verschiedene, überregionale Medien. Winternitz macht sich stark für die Akzeptanz verlassener Bauwerke, den Denkmalschutz und die Industriekultur.