Spreepark Berlin

Ehemaliger Spreepark Berlin. Foto: Mario Wilpert.

Der Vergnügungspark wurde 1969 als Kulturpark Plänterwald auf einer Fläche von 29,5 Hektar eröffnet. Das Gelände liegt im Norden des Plänterwaldes in direkter Nähe zur Spree. Er war der einzige ständige Vergnügungspark der DDR und nach der Wende auch der einzige Gesamt-Berlins. Im Gegensatz zu vielen westlichen Parks dieser Art, die oft als Themenpark mit perfekt in die Landschaft eingebetteten Fahrgeschäften gestaltet sind, war die Aufmachung dieses Freizeitparks einfacher gehalten. Einen sehr großen Teil der Anlage nahm eine Asphaltfläche ein, auf der Fahrgeschäfte und Buden, wie sie auch vom Rummel bekannt sind, dauerhaft aufgestellt waren.

Daneben gab es auch parkähnliche begrünte Flächen und feste Funktionsgebäude vornehmlich für Restaurants oder Sanitäranlagen. Eine besondere Attraktion war das Riesenrad, das noch 1989 erneuert wurde und mit 36 Gondeln 45 Meter in die Höhe ragt. Als herausragende Landmarke wurde es 1998 von den Treptowers der Allianz abgelöst. Zu DDR-Zeiten kamen bis zu 1,7 Millionen Besucher jährlich. Der Volkseigene Betrieb Kulturpark Berlin wurde 1991 vom gemischten Magistrat Berlins abgewickelt. Von insgesamt sieben Bewerbern erhielt die Spreepark Berlin GmbH des Schaustellers Norbert Witte den Zuschlag.

Unter Witte wurde der Spreepark schrittweise zu einem Freizeitpark nach westlichem Vorbild umgestaltet; es wurden Attraktionen des nur von 1987 bis 1991 bestehenden Park Mirapolis bei Paris übernommen. Zwischenzeitlich hatte der Spreepark 1,5 Millionen Besucher im Jahr. Von nun an wurde ein pauschaler Eintrittspreis (Erwachsene 29 DM, Kinder 27 DM) für den Zutritt und für alle Attraktionen erhoben, anstatt wie bisher an jedem Fahrgeschäft einen individuellen Preis zu kassieren. Die asphaltierte Fläche um das Riesenrad wurde aufgebrochen und in eine Wasserlandschaft umgewandelt. Auf den 21 Hektar, die der Park nutzte, wurden weitere Attraktionen wie Achterbahnen (davon eine mit Looping), zwei Wildwasserbahnen, eine Bühne für Shows, ein Westerndorf und ein englisches Dorf aufgebaut und in die Landschaft eingebettet.

Ab 1999 hatte der Park mit großen Schulden zu kämpfen. Diese lassen sich auf einen Besuchereinbruch zurückführen (in der Saison 2001 kamen nur noch 400.000 Besucher), der oft mit dem gestiegenen pauschalen Eintrittspreis und fehlenden Parkplätzen begründet wird. Im Jahr 2001 meldete die Spreepark GmbH & Co. KG Insolvenz an. Nach Norbert Wittes Insolvenz versuchte er sich an einem Freizeitpark („Lunapark“) im peruanischen Lima, wohin er sich am 18. Januar 2002 mit seiner Familie und seinen engsten Mitarbeitern absetzte.

Witte verschiffte die sechs Attraktionen Baby-Flug, Butterfly, Fliegender Teppich, Fun-Express, Jet Star und Spider in 20 Schiffscontainern. Auch mit diesem Freizeitpark ging er pleite. Am 19. Mai 2004 wurde er in Deutschland zu einer siebenjährigen Haftstrafe verurteilt. Er hatte versucht, im Mast des Fahrgeschäftes Fliegender Teppich 167 kg Kokain von Peru nach Deutschland zu schmuggeln.

Seit 2002 wurde der Park nicht mehr dauerhaft für Besucher geöffnet. Im August 2002 wurde er im Rahmen eines Insolvenzverfahrens abgewickelt. Es blieben Schulden in Höhe von elf Millionen Euro. Seitdem verwahrlost das Gelände. Es wird rund um die Uhr von einem Sicherheitsdienst bewacht. Viele Gebäude sind einsturzgefährdet; das Riesenrad lief außer zu einem Probe-dreh am 7. November 2009 nicht mehr kommerziell. Im Sommer 2014 wurde das Gelände des ehemaligen Spreeparks mit einem neuen und stabileren Zaun versehen. Die morschen Holzbrücken rund um das Riesenrad werden von Baggern abgerissen.

In der Nacht vom 10. auf den 11. August 2014 kam es zu einem Großfeuer im Spreepark, bei dem etwa 100 Helfer auf 5.000 Quadratmetern im Einsatz waren und unter anderem die 1999 errichtete Kulisse Alt-England zerstört wurde. Mittlerweile wurden die abgebrannten Gebäude abgerissen. Außerdem war das Stationsgebäude der nie fertiggestellten Dinofahrt vom Brand betroffen, ferner die Schießbude, die Spielhalle und das abgebaute Zirkuszelt. Die Sicherheitsmaßnahmen wurden nun erhöht. Die landeseigene Grün Berlin GmbH übernahm Januar 2016 den verlassenen Berliner Spreepark im Plänterwald. Aktuell wird „ein hochwertiges und kulturaffines Nutzungs- und Betriebskonzept mit touristischer Strahlkraft entwickelt“.

Der Fotograf Mario Wilpert dokumentierte 2016 und 2017 als erster offizieller Fotograf im Auftrag der Grün Berlin GmbH den aktuellen Zustand des frpheren Spreeparks. Dabei sind diese Fotos entstanden. Mehr Fotos und Informationen unter www.mariowilpert.de

Dokument-Information

Objekt ID: rp-032060
Kategorie: Freizeit & Kultur
Bundesland: Berlin
Standort: keine Angabe
Baujahr: 1969
Denkmalschutz: n.n. bekannt
Bauherr: n.n. bekannt
Fotograf: Mario Wilpert
Objekt erfasst: 14.03.2018
Objekt erstellt: 14.03.2018
Letzte Änderung: 14.03.2018

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1 Kommentar

  1. Sehr geehrte Herr Wilpert,
    ich wollte fragen wenn dort ein Sicherheitsdienst im Einsatz ist wie kann man dort Bilder machen ? Ich wollte dort auch gerne Filmen kann man jemanden um Erlaubnis fragen?

    Vielen Dank

    Janos Gombos

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