Sophienheilstätte

Ein spannendes Stück Medizingeschichte begann in Bad Berka mitten im Wald. Ende des 19. Jahrhunderts legte Badearzt Dr. Ernst August Willrich hier so genannte Waldschlafstätten für Tuberkolosekranke an. Vorerst noch in Hängematten liegend, lies er später Holzhütten errichten, die zur Rückseite verschlossen, aber an den übrigen drei Seiten hochrollbar waren. Diese Methode – die Frischluftliegekur – wurde angewannt, da es noch keine medikamentösen Behandlungsmethoden gab. So harrten Pateienten stundenlang draußen aus, auch im Winter bei Minusgraden.

Die Tuberkuloseheilstätte „Sophienheilstätte in München wurde 1898 ihrer Bestimmung übergeben. Sie erhielt ihren Namen nach der verstorbenen Großherzogin. Die Sophienheilstätte war eine Einrichtung des patriotischen Institutes der Frauenvereine für das Großherzogtum Sachsen-Weimar in vereinbarung mit der Thüringischen Alters- und Invalidenversicherung. Sie hatte den Charakter einer Volksheilstätte. Bereits im Jahr 1902 veröffentlicht der Fabrikarbeiter Miritz William Bromme seine Publikation „Lebensgeschichte eines modernen Fabrikarbeiters“ mit einer ausführlichen Beschreibung seiner Kuren in der Sophienheilstätte. 1904 ging die Heilstätte in die Obhut der Landesversicherungsanstalt Thüringen über. In den Jahren 1911 und 1912 wurde ein großzügiger Erweiterungsbau errichtet.

1925 entwickelt man die Sophienheilstätte zu einer thoraxchirurgischen Klinik und stattet diese mit leistungsstarken Röntgenapparaten und modernen medizinischen Geräten aus. Im selben Jahr wird ein Luftbadbetrieb für dosierte Bewegung sowie ein Sonnenbad errichtet. Zwei Jahre später beschweren sich Pfleger der Heilstätte öffentlich über ihre ausufernden Arbeitszeiten, jedoch ohne Erfolg. Es folgt 1929 die Weltwirtschaftskrise. Die Landesversicherungsanstalt Thüringen ist nicht in der Lage, alle Krankenhäuser voll zu betreiben und auch die Sophienheilstätte ist 1932 nur zur Hälfte belegt. 1934 übernimmt Lungenarzt Prof. Dr. Adolf Tegtmeier die Leitung der Sophienheilstätte. 1935 sorgt diese erneut für positive Schlagzeilen, als man ab sofort alle chirurgischen Behandlungen der modernen Lungenkollapstherapie vor Ort durchführt.

Während 1941 deutsche Soldaten die Sowjetunion überfallen, wird an der Sophienheilstätte der Einsatz Tuberkolöser in der Produktion erlassen. Patienten fertigen Sicherungen für elektrische Leitungen. Im Frühjahr 1945, kurz vor Kriegsende, wird das Benzintanklager im Imtal nahe dem Rittergut München bombardiert. Die rund einen Kilometer entfernte Sophienheilstätte bleibt hiervon verschont. Nach dem Zweiten Weltkrieg wird die Spohienheilstätte von 1945 bis 1949 erweitert und dem Haus Rodberg bei Bad Berka (1945) sowie dem Schloss Tondorf (1947) und der ehemaligen Knappschaftsheilstätte Bad Berka (1949) zugeordnet. Es folgt die Umbenennung der Heilstätte in „Heilstätte 1“.

Die sowjetische Militäradministration beabsichtigt 1954 die Beschlagnahme der Heilstätte, um in ihr ein Seuchenlazarett für sowjetische Soldaten einzurichten. Diese Pläne können jedoch durch Prof. Dr. Adolf Tegtmeier verhindert werden. Selbiger ist heute Ehrenbüger der Stadt Bad Berka und war auch einer der ersten Thüringer Ärzte, der die Chemotherapie einführte. Von 1951 bis 1957 wurde in Bad Berka die Zentralklinik für Lungenkrankheiten auf der Harth errichtet und an die Sophienheilstätte angegliedert. Diese von ihm geplante und bis 1966 in Funktion des ärztlichen Direktors geleitete Klinik war ein führendes medizinisches Zentrum in der DDR. Tegtmeier ging 1966 in den Ruhstand und starb 1975 in Erfurt.

1992 wird die „Heilstätte 1“ geschlossen. Seitdem sucht man vergeblich nach einem Käufer für das rund 223.500 m² große Grundstück. Alleine die Nutzfläche der Hauptgebäude ist 10.375 m² groß und beinhaltet auch diverse Nebengebäude. Die Gebäude der Sophienheilstätte sind komplett mit Holzplatten verschlossen (Stand 2011) um sie vor Witterungseinflüssen und Vandalismus zu schützen. Laut Immobilienmakler wäre für den potentiellen Käufer eine Förderung durch den Freistaat Thüringen möglich. Allerdings ist eine Komplettsanierung notwendig. Und die Kosten hierfür werden sicherlich astronomisch sein.

Am 27. Mai 2015 brach in einem Nebengebäude auf dem Gelände der ehemaligen Sophienheilstätte in München (Bad Berka) ein Feuer aus. Das ehemals als Liegehalle genutzte und 25 Quadratmeter große Gebäude bestand komplett aus Holz und wurde zerstört. Die Rauchschwaden waren weithin zu sehen, die Wehrleute mussten mit schwerem Atemschutz gegen die Flammen vorgehen. 24 Kameraden und 6 Fahrzeuge wurden eingesetzt. Die Kriminalpolizei nahm die Brandursachenermittlungen auf.

Nur wenige Tage vor dem Feuer wurde bekannt, dass es jetzt eine neue Hoffnung für die ehemalige Lungenheilsätte auf Nachnutzung gibt. Das Ensemble dieses eindrucksvollen Baudenkmals, das wie kein zweites ein Zeuge der Berkaer Kur- und Badeortgeschichte ist, hat den Eigentümer gewechselt. Dies wurde am letzten terminlich stattfindenden Kreisheimattag von der ehemaligen Stadtarchivarin Hella Tänzer verkündet. 2002 hatte die Unternehmensgruppe Dr. Marx die Immobilie gekauft, jetzt gehört das Gebäude einem Zusammenschluss von Bürgern, die die Sophienheilstätte denkmalgerecht sanieren und wiederbeleben wollen. Geplant ist eine Seniorenresidenz mit gehobenem Standard.

Quelle: Chronik Zentralklinik Bad Berka, Stadtarchiv Bad Berka

Dokumenten Information
Copyright © rottenplaces 2011
Dokument erstellt am 19.08.2011
Letzte Änderung am 28.05.2015

1 Kommentar

  1. Bei unserem Besuch am 18.11.2018 konnte man deutliche erkennen, dass in den großflächigen Ziegeldächern Löcher klaffen. Wenn hier nicht umgehend gehandelt wird, ist das Bauwerk nicht mehr zu retten.

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