Schwermaschinenbau Georgi Dimitroff

Die ehemalige Maschinenfabrik Otto Gruson in Buckau wurde 1952 in Georgij-Dimitroff-Werk umbenannt. Während des Volksaufstandes vom 17. Juni 1953 versuchten bereits in den Ausstand getretene Arbeiter des SKET-Werkes auf das Gelände des Dimitroff-Werkes zu gelangen. Das Werkstor war durch die Polizei blockiert. Etwa 300 SKET-Arbeiter verschafften sich daher über Nebeneingänge Zugang zum Werksgelände. Es kam zu gewalttätigen Auseinandersetzungen mit der Polizei, die später gerichtlich geahndet wurden. Zu diesem Zeitpunkt fanden im Betrieb gerade Parteiversammlungen statt, in welchen die Aufhebung der für Proteste sorgenden Normerhöhungen bekannt gegeben wurden. Zum 1. Januar 1954 wurde der Betrieb aus der Rechtsform der sowjetischen Aktiengesellschaft in einen volkseigenen Betrieb der DDR überführt. Die Firmierung lautete nun VEB Schwermaschinenbau „Georgi Dimitroff“ Magdeburg-Buckau (GDW).

Am 1. Januar 1956 wurde dann der Betriebsteil Buckau der ehemaligen Buckau Wolf AG aus dem Schwermaschinenbau „Karl Liebknecht“ herausgelöst und mit dem VEB Schwermaschinenbau „Georgi Dimitroff“ (vormals Otto Gruson) vereinigt. Das Produktionsprogramm umfasste Ausrüstungen für die Braunkohle- und die Chemieindustrie sowie Gusserzeugnisse. Es entstanden Bagger, Brikettfabriken, Großgetriebe, Förderanlagen und Einrichtungen für Zementfabriken. Die Bagger wurden im DDR-Braunkohletagebau sowie in den Ländern des RGW, so in Polen und der Sowjetunion eingesetzt. Herausragender Konstrukteur im Baggerbau war der bereits seit 1938 im Unternehmen als Ingenieur tätige Johannes Goedecke. Er übernahm 1945 die Leitung des Baggerbau-Konstruktionsbüros. Im Unternehmen hatte man Sozialeinrichtungen gegründet. So bestand ein Kindergarten, Frauenruheräume, eine Nähstube sowie eine Textilverkaufsstelle. Am 25. März 1958 besuchte Magdalena Baranova, die Schwester Georgii Dimitroffs, das Werk. Im November des gleichen Jahres führte der Betriebsdirektor Wolfgang Oehlwein den Vizepräsidenten der Volkskammer Hermann Matern durch das Unternehmen.

Am 9. Juni 1959 fand die Grundsteinlegung für den Bau der sogenannten Chemiehalle statt. Der 7,13 Millionen Mark teure Bau wurde am 30. Juni 1961 in Betrieb genommen und diente zur Herstellung von Druckgasgeneratoren die an das Gaskombinat Schwarze Pumpe geliefert wurden. Wie auch in anderen Industriebetrieben der DDR hatte man im Dimitroff-Werk eine Betriebskampfgruppe gebildet. Während des Baus der Berliner Mauer entlang der innerdeutschen Grenze am 13. August 1961 wurde die Einheit des Werks zeitweise an der Grenze eingesetzt. Als Betriebszeitung erschien regelmäßig der Antrieb als Organ der Leitung der Betriebsparteiorganisation der SED.

1963 wurde der Betrieb wieder geteilt, das ehemalige Dimitroff-Werk, vormals Maschinenfabrik Otto Gruson, an den VEB Schwermaschinenbau „Ernst Thälmann“ (SKET) angeschlossen und der andere Teil unter dem Namen VEB Schwermaschinenbau „Georgi Dimitroff“ mit etwa 3000 Beschäftigten weitergeführt. Gleichzeitig erfolgte die Unterstellung unter die damalige VVB BAUFA Leipzig. Nun konzentrierte man sich auf die Produktion von Tagebauausrüstungen, Ausrüstungen für Torfbrikettfabriken und im geringeren Umfang für die chemische Industrie. Im Mai 1963 errichtete man auf dem als Elbwiese bezeichneten Teil des Werksgeländes eine große neue Kranbahn. Ein größerer Auftrag in dieser Zeit war die ab November 1965 erfolgte Auslieferung von Druckgasgeneratoren für ein beim jugoslawischen Priština errichtetes Gaswerk. Von Bedeutung war auch die Inbetriebnahme des neu entwickelten Tagebaubaggers Es 3150 im Tagebau Welzow-Süd am 23. Dezember 1966.

1968 kam es in Folge der veränderten Energiepolitik zu einem drastischen Rückgang des Bedarfes an Tagebauausrüstungen. Deshalb fiel die Entscheidung, die Serienproduktion von Autodrehkranen ab 1969 aufzunehmen, die zuvor beim VEB Hebezeugwerk Sebnitz konzentriert war. Die Produktion des ADK 63 wurde übernommen und aus einem Funktionsmuster des Typs ADK 100 der ADK 125 entwickelt und auf der Leipziger Frühjahrsmesse 1970 ausgestellt. Die Herstellung der Autodrehkrane in Serienfertigung, bei Weiterführung der eingeschränkten Produktion von Eimerkettenbaggern bereitete große Schwierigkeiten, da Erfahrungen fehlten und die notwendigen Voraussetzungen nur schrittweise geschaffen werden konnten. Als die Schwierigkeiten überwunden waren, wurde im November 1973 die Entscheidung getroffen, dass die Fertigung der Autodrehkrane an den VEB Maschinenbau Babelsberg abgegeben wird und statt dessen, neben der wieder zunehmendnen Produktion der Eimerkettenbagger auch die Fertigung von Schaufelradbaggern aus Lauchhammer nach Buckau verlagert wird. Die erneute Produktionsumstellung wurde 1975 wirksam. Nach nur sechs Jahren wurde somit die Autodrehkran-Produktion zugunsten des durch die erneute Veränderung der Energiepolitik gewachsenen Bedarfes von Tagebauausrüstungen ausgegliedert. Nun erfolgte die Spezialisierung auf Tagebauausrüstungen, die bis etwa 1990 beibehalten wurde.

1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
12
13
14
15
16
17
18
19
20
21
22
23
24
25
26
27
28
29
30
31
32
33
34
35

Die gebäudetechnischen Bedingungen für die Berufsausbildung wurden 1972 durch die Übergabe neuer Ausbildungsstätten verbessert. Wichtige Ereignisse in der Produktion waren der Aufbau des Baggers Es 3150 im Tagebau Greifenhain am 1. November 1976 sowie die Durchführung des Probebetriebs des Ers 710 zum 31. Dezember 1976 in Jänschwalde. Exporte gingen nach Rumänien, Ungarn und die Sowjetunion. Nach anderthalb Jahren Bauzeit und Baukosten von 2,4 Millionen Mark wurde die Produktionshalle 12 im Jahr 1977 in Betrieb genommen. Auf 2000 m² wurden hier Zuschnittsarbeiten durchgeführt. Als weitere neue Halle entstand die Halle 14/15, in der am 17. September 1979 eine neue Spitzendrehmaschine der Firma Škoda in Betrieb ging. Zum 1. Januar 1979 wurde der bisherige VVB Bergbauausrüstungen, Krane und Förderanlagen aufgelöst und das neue Kombinat TAKRAF gebildet, zu welchem auch das Dimitroff-Werk gehörte. Von 1970 bis 1981 wurde der Betrieb von Edgar Freistedt, der 1960 als Absolvent der Hochschule für Schwermaschinenbau eingestellt und von 1966 bis 1970 als Direktor für Technik tätig war, geleitet.

Anfang der 1980er Jahre begann man in der Tagebautechnik elektronische Elemente einzusetzen. Zunächst wurde eine elektronische Programmsteuerung im SRs 1301 eingesetzt. Ab 1987 wurden alle Baggertypen mit entsprechender Mikroelektronik ausgeliefert. Auch die Ausrüstung des Werkes wurde in dieser Hinsicht in Teilen modernisiert. Zur Verbesserung der Bevölkerung mit Konsumgütern wurden die Industriebetriebe der DDR angehalten auch Produkte für den Konsumbereich zu produzieren. Das Dimitroff-Werk stellte in diesem Zusammenhang im Behälterbau des Betriebes den PKW-Anhänger HP 500 her. Am 8. Oktober 1986 konnte man bereits die Fertigung des 10.000. PKW-Anhängers feiern. Im Januar 1982 wurde Karl-Heinz Richtetzki neuer Betriebsdirektor des Werkes. Von 1981 bis 1985 entstanden 62 Tagebaugeräte. In der Entwicklung befand sich der Mini-Eimerkettenschwenkbagger Ers 100, der nach nur einjähriger Entwicklungszeit ab etwa 1986 produziert wurde und als Grundlage für eine neue Typenreihe diente. 1987 wurde der 1000. Eimerkettenschwenkbagger vom Typ ERs 710 fertiggestellt. Für 8,4 Millionen Mark entstand 1987 eine neue Großküche. Am 4. Januar 1988 besuchte Hans-Joachim Lauck, DDR-Minister für Schwermaschinen- und Anlagenbau, das Dimitroff-Werk. In diesem Jahr wurde das 150jährige Betriebsjubiläum begangen. Aus diesem Anlass erhielten diverse Mitarbeiter des Unternehmen Auszeichnungen. Der Werksangehörige Siegfried Fricke erhielt den Karl-Marx-Orden, die höchste Auszeichnung der DDR.

Nach der politischen Wende des Jahres 1989 blieb das Werk zunächst als Zweigwerk der dann privatisierten Takraf Schwermaschinenbau AG bestehen. Es firmierte nun wieder unter dem alten traditionellen Namen Maschinenfabrik Buckau (MFB). Die Maschinenfabrik Magdeburg-Buckau GmbH wurde dann jedoch ab dem 1. Januar 1995 liquidiert. Der Betrieb war zuletzt eine Tochter der 3B TEC Aufbereitungssysteme GmbH[33] und firmierte als 3B Maschinenfabrik Buckau GmbH. Die Gesellschaft wurde am 16. August 1996 aus dem Handelsregister gelöscht.

Auf Teilen Werksgeländes bestanden dann andere gewerbliche Nutzungen. So arbeitete hier die Firma Pape Entsorgung GmbH und die Funke Industrie-Transporte GmbH. Einige der Gebäude der ehemaligen Buckau-Wolf AG wurden später unter Denkmalschutz gestellt. Teilwesie werden diese heute fremdgenutzt oder befinden sich in der Planungsphase.

Quelle: Wikipedia

Dokumenten Information
Copyright © rottenplaces 2012
Dokument erstellt am 28.04.2012
Letzte Änderung am 03.07.2014

Vorheriger ArtikelElbe Silos
Nächster ArtikelBrückenkopf Herrenkrug
André Winternitz, Jahrgang 1977, ist freier Journalist und Redakteur, lebt und arbeitet in Schloß Holte-Stukenbrock. Neben der Verantwortung für das Onlinemagazin rottenplaces.de und das vierteljährlich erscheinende "rottenplaces Magazin" schreibt er für verschiedene, überregionale Medien. Winternitz macht sich stark für die Akzeptanz verlassener Bauwerke, den Denkmalschutz und die Industriekultur.