Sanierung des „Polnischen Hauses“ kann beginnen

Die Sanierung des "Polnischen Hauses" in Bochum kann beginnen. Foto: LWL/Dietrich Hackenberg

Bochum (lwl/aw). Die Sanierung des „Polnischen Hauses“ in Bochum kann beginnen. Zum Jahresbeginn wurde der Kooperationsvertrag zwischen dem Verein Bund der Polen in Deutschland „Rodlo“ als Eigentümer und dem Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) als Projektsteuerer für die Baumaßnahme unterzeichnet. Die mit 1,2 Millionen Euro Kosten veranschlagte Sanierung des symbolträchtigen Hauses wird mit 700.000 Euro von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM), mit 414.000 Euro von der NRW-Stiftung und mit 116.000 Euro vom Land NRW finanziert. Die sanierten Räumlichkeiten werden danach gemeinsam vom Bund der Polen und der „Porta Polonica“, der Dokumentationsstelle zur Kultur und Geschichte der Polen in Deutschland, genutzt.

Kulturstaatsministerin Monika Grütters betonte, dass die Dokumentationsstelle ‚Porta Polonica‘ „seit Jahren einen wertvollen Beitrag zur deutsch-polnischen Verständigung leistet.“ Grütters weiter: „Hier in Bochum gab es die meisten polnischen Einwanderer in Deutschland zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Der Bundesregierung ist es ein Anliegen, die Vermittlung der Geschichte, Traditionen und der Kultur der damaligen neuen Mitbewohner auch an jüngere Generationen zu unterstützen. Um den kulturellen Austausch zwischen Deutschland und Polen künftig noch stärker auszubauen, soll mit der von uns geförderten Sanierung des ‚Polnischen Hauses‘ und dem Umzug der Dokumentationsstelle dorthin ein zentralen Ort der Begegnung, Erinnerung und Aufarbeitung geschaffen werden.“

Joachim Stamp, Integrationsminister des Landes Nordrhein-Westfalen, sagte: „Mit dem ‚Dom Polski‘ wird die Geschichte der Polen auf besondere Art und Weise gewürdigt. Es ist ein lebendiges Beispiel für die Erinnerungskultur zwischen Deutschen und Polen und zeigt, wie wichtig das Miteinander unserer beiden Länder in der Gegenwart und in der Zukunft trotz der schwierigen Vergangenheit ist. Für die Landesregierung Nordrhein-Westfalen spielt die Erinnerungskultur eine wichtige Rolle. Deswegen unterstützen wir die Sanierung und freuen uns auf ein Polnisches Haus in neuem Glanz.“

Hintergrund

Die ehemalige Klosterstraße in Bochum (heute „Am Kortländer“) war seit etwa 1880 ein Zentrum des polnischen Lebens im Ruhrgebiet und nach 1945 in ganz Deutschland. Der Begriff „Klein Warschau“ machte die Runde. Ab etwa 1900 fand sich in dem Straßenzug ebenfalls das sogenannte „Dom Polski“, das Polnische Haus, das sich seit mehr als 100 Jahren im Besitz des Bundes der Polen in Deutschland e.V. befindet.

Mit dem „Dom Polski“ ist eine wechselvolle deutsch-polnische Geschichte verbunden: Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges 1939 wurden die meisten polnischen Hauseigentümer in der Klosterstraße enteignet. Zahlreiche Funktionäre und Mitglieder des Bundes der Polen wurden verfolgt und in Konzentrationslagern ermordet. Erst nach 1945 ist das „Dom Polski“ wieder zur Deutschland-Zentrale des Bundes des Polen geworden.

2013 hatten Bund und LWL die „Porta Polonica“ gegründet. Grundlage war ein Beschluss des Deutschen Bundestages. Seither wird die Dokumentationsstelle zur Kultur und Geschichte der Polen in Deutschland institutionell durch den Bund (BKM) gefördert.

Kern der Arbeit und der Außendarstellung der „Porta Polonica“ ist das Internetportal porta-polonica.de. Institutionell angebunden ist sie an das LWL-Industriemuseum. Ihren vorläufigen Sitz hat sie seit der Gründung 2013 in den Räumen des LWL-Industriemuseums Zeche Hannover in Bochum. Seit Projektbeginn ist aber ein Einzug in das Polnische Haus nach dessen Sanierung geplant. Auf Basis des Kooperationsvertrages kann jetzt der Bau- und Liegenschaftsbetrieb des LWL mit den vorbereitenden Arbeiten der Sanierung beginnen.

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