„ROST ROT“ kombiniert Altindustrie, Architektur und Garten

"Rost Rot" von Peter Latz. Neuerscheinung/Fotomontage.

Für den Landschaftsarchitekten Peter Latz ist das ehemalige Hüttenwerk in Duisburg-Meiderich klar eine Lebensaufgabe. Wer heute durch die großzügigen Landschaftsgefilde wandelt, bemerkt kaum, welches fachtechnische Verständnis, Planungsaufwand, Ehrgeiz und Herzblut in der Strukturierung und Revitalisierung des Landschaftsparks steckt. Für diese Zwecke hat Latz sein Buch „ROST ROT – Der Landschaftspark Duisburg-Nord“ publiziert. Ein Buch, das mit Bildern, Skizzen, Plänen und Erläuterungen Einblicke in 12 Jahre des Planens und Realisierens bietet und den Leser durch die faszinierende Welt, die der Industrie folgen lässt.

Der Landschaftsarchitekt legt in seinem Buch sein Wissen und seine Erfahrungen zu seinem bekanntesten Projekt umfassend dar. Ergänzt wird der Blick durch Beiträge namhafter Beteiligter von unterschiedlicher Wichtung. Das Geleistete ist schlichtweg beispielhaft: 230 Hektar ehemaligen Hüttengeländes galt es zu entwickeln, Planbeispiele gab es zu dieser Zeit nur wenige. Wurden die meisten Zechen- und Hüttenwerk-Areale dem Erdboden gleichgemacht, sollte beim stillgelegten Hüttenwerk alles anders sein. Der Chef der Internationalen Bauausstellung Emscherpark (IBA), Karl Ganser, der das Vorwort zum Buch verfasst hat, wertet die Leistung von Latz als beispielhaft und beschreibt den Landschaftspark als „Denkmal der Eisenindustrie und als Kulturbiotop – alles im Maßstab von Landschaft“.

In seinem Buch „ROST ROT“ erzählt Latz in fünf Kapiteln – die chaotische Landschaft strukturiert zerlegt in geordnete Einheiten – eindrucksvoll von der Arbeit an seinem „Masterpiece“ und gibt Einblicke in seine theoretischen Planungsansätze sowie die praktische Umsetzung. Neben Ganser erweitern der Architekturkritiker Marc Treib sowie Wissenschaftler, Fachkollegen und die Parkleitung des Landschaftsparks den Blick auf die faszinierende Landschaft, die der Industrie folgt. Der Entwurf von Peter Latz und seinem Team griff vorhandene industrielle Strukturen und Fragmente auf und fügte sie zu einer neuen Landschaft zusammen. Zu Recht gelten die realisierten „Visionen“ von Latz als Leuchtturmprojekt der Internationalen Bauausstellung (IBA) Emscher Park. Schon alleine aus dem Grund, weil Latz das Areal transformierte, ohne sich – wie eingangs erwähnt – auf bewährte Vorbilder zurückzugreifen.

Der Landschaftspark Duisburg-Nord steht als bemerkenswertes Beispiel dafür, wie mit Hinterlassenschaften der Industrie intelligent und ansprechend umgegangen werden kann und muss. Latz Leitidee, Gartenkunst und ästhetische land- und forstwirtschaftliche Organisationsmuster zu vereinen, ist im Ruhrgebiet nahezu beispiellos. Latz schuf ein Geflecht urbaner Infrastruktur und Industrie, gepaart mit Naherholungsräumen inmitten des Ruhrgebiets. In „ROST ROT“ verdeutlicht Latz die Herangehensweise an sein Projekt, begonnen mit Spaziergängen und Skizzen, über Flächennutzungs- und Bebauungspläne bis hin zu Erschließungsmaßnahmen und den Umgang sowie die Inkludierung von Vegetation und Böden.

Heute besuchen mehr als eine Million Menschen im Jahr den Landschaftspark in Duisburg, um „Latz Park“ – wie man selbigen ehrfürchtig nennen kann – zu bestaunen und zu erleben. Der Besucher wird Zeuge, wie konservierte Altindustrie, gepaart mit absonderlichen Biotopen und Vegetationen harmonisiert. Das Buch „ROST ROT“ vermittelt aber auch die Schwierigkeiten im Umgang mit dem Bestand, den Konfrontationen mit fachfremden Persönlichkeiten und schildert den methodischen Ablauf bis zum Konsens im Bestand und Analyse sowie schlussendlichen Projekterfolg.

ROSTROT – Der Landschaftspark Duisburg-Nord
Gebundene Ausgabe: 288 Seiten
Verlag: Hirmer; Auflage: 1 (1. Oktober 2016)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3777424269
ISBN-13: 978-3777424262
Preis: 49,90 EUR

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