Rittergut/Schloss Wolfskuhlen

In einem idyllischen Wäldchen im niederrheinischen Hinterland gelegen steht das ehemalige Rittergut Wolfskuhlen. Erstmalig erwähnt durch Dietrich von Wolfskuhlen im Jahre 1335 blickt das Gelände und das heute stark zerfallene und einsturzgefährdete Gebäude auf eine ereignisreiche Vergangenheit sowie zahlreiche Besitzer zurück. Von der ehemaligen Burganlage mit ihren wehrhaften Mauern und Türmen sind heute keine sichtbaren Spuren mehr zu sehen. An ihrer Stelle erhebt sich ein um 1800 gebautes, stattliches dreistöckiges Herrenhaus, über dessen Haupteingang – zu dem eine breite Freitreppe führte – und sich noch immer das Wappen der Familie von Wevelinghoven Sittert befindet. Eine Erweiterung des Schlosses an der Südseite erfolgte vor mehreren Jahrzehnten, bei der auch über dem Eingang das vereinigte Wappen von Büllingen-Wevelinghoven angebracht wurde. Die Familie von Wevelinghoven wird aufgrund ihrer langen Geschichte zum rheinischen Uradel gezählt. Ihre Ursprünge liegen in der Zeit der karolingischen Kaiser.

SG109607
SG109610
SG109611
SG109625
SG109643
SG109653
SG109663
SG109665
SG109666
SG109668
SG109679
SG109687

Auswirkungen auf Wolfskuhlen hatte auch der Zweite Weltkrieg. Wenngleich das Gebäude von Bomben- und Beschussschäden weitgehend verschont blieb, so wurde es doch durch die Geschehnisse arg in Mitleidenschaft gezogen. Von der Inneneinrichtung wurden Möbel und Kunstgegenstände beschädigt und kamen zum Teil abhanden. Zu bedauern war auch der Verlust des Archivs, welches nicht nur Urkunden und Akten über das Schloss, sondern auch wertvolles genealogisches Material über die Geschlechter von Wevelinghoven und von Büllingen samt Vorbesitzer und Erben enthielt. Auch aus der auf dem Schloss vorhandenen Bibliothek, die ältere und seltene Werke aufwies, verschwanden wertvolle Bücher.

Als letztes Kapitel hatte die Bergwerksgesellschaft Rheinpreußen den größeren Teil des Herrenhauses für längere Zeit gemietet und es als Bergwerkslehrlingsheim für die Zeche Pattberg eingerichtet.

Von der früheren doppelten Grabenanlage, die das Schloss umgab, sind leider nur noch dürftige Reste vorhanden, die durch die Senkung des Grundwassers ganz ausgetrocknet und verwildert, teilweise aufgeschüttet sind. Die Größe des Gutes, die 1876 noch mit annähernd tausend Morgen angegeben wurde, beträgt gegenwärtig noch rund hundert Hektar. Dass auf antiken Fotos imposant wirkende Herrenhaus steht heute als Ruine an seinem Platz und zerfällt zusehends. Die gesamte Dach- und Deckenkonstruktion ist eingestürzt und auch die Witterungseinflüsse sowie nicht nachvollziehbarer Vandalismus machen der Substanz stark zu schaffen. Es wäre wünschenswert, wenn der aktuelle Besitzer dieses geschichtlich bedeutende Anwesen nicht völlig seinem Schicksal überlassen würde.

Wer Interesse an der kompletten Historie der Besitzer des Rittergutes Wolfskuhlen hat, findet diese chronologisch aufgeführt im Heimatkalender des Kreises Moers von 1954, „Das Rittergut Wolfskuhlen und seine Besitzer“, von Richard Verhuven aus Hülserberg.

Quelle: Heimatkalender des Kreises Moers von 1954

Dokumenten Information
Copyright © rottenplaces 2010
Dokument erstellt am 22.01.2010
Letzte Änderung am 25.06.2014

Vorheriger ArtikelVideo: Brauerei Ibing
Nächster ArtikelVideo: Schloss Wolfskuhlen
André Winternitz, Jahrgang 1977, ist freier Journalist und Redakteur, lebt und arbeitet in Schloß Holte-Stukenbrock. Neben der Verantwortung für das Onlinemagazin rottenplaces.de und das vierteljährlich erscheinende "rottenplaces Magazin" schreibt er für verschiedene, überregionale Medien. Winternitz macht sich stark für die Akzeptanz verlassener Bauwerke, den Denkmalschutz und die Industriekultur.