Ringen um den ehemaligen Fürstenhof im Südviertel

Fürstenhof in Eisenach. Foto: Metilsteiner/CC BY-SA 3.0

Eisenach (aw). Das ehemalige Kurhotel Fürstenhof im Südviertel der Stadt Eisenach sollte eigentlich bereits abgerissen sein (wir berichteten). Doch zwischen dem Eigentümer und der Stadt kracht es gewaltig. Aufgrund eines Sachverständigen-Gutachtens, das die Unwirtschaftlichkeit der Sanierung bestätigte, beantragte der Eigentümer im November 2014 den Abriss des gesamten Gebäudekomplexes. Die Eisenacher Stadtverwaltung lehnte den Komplettabriss ab. Auflagen sollte es nach Angaben der Stadt damals auch geben. Zumindest sollte die Fassade der stadtbildprägenden Gebäude Bornemannsche Villa samt nebenstehendem Gebäude erhalten bleiben. 2016 sollte das Grundstück unter Auflagen und Forderungen des Eigentümers an die Stadt veräußert werden. Einen Käufer gab es bereits.

Als die Stadt verneinte, machte der Käufer von seinem Rücktrittsrecht gebrauch. Weil sich der alte Eigentümer ungerecht behandelt fühlt, und diesem nach eigenen Angaben ein hoher, finanzieller Schaden entstanden ist, soll eine Schadenersatzforderung in zweistelliger Millionenhöhe durchgesetzt werden. Die Stadt reagierte darauf gelassen. Es gäbe bereits Fördermittel, die ausgeschüttet würden, sobald der Eigentümer einen entsprechenden Vertrag unterzeichnen würde. Auch eine konkrete Planung samt Kostenberechnungen für schützenswerte Gebäude stehe noch aus. Stadt und Eigentümer stecken sich gegenseitig den schwarzen Peter zu. Scheint eine langwierige Prozedur zu werden.

1996 wurde das Hotel endgültig geschlossen und steht seither leer. Vandalismus, Diebstahl, Brandstiftung und fehlende Bauunterhaltung führten zum baulichen Verfall der Gebäudesubstanz. Untersuchungen aus den Jahren 2000 und 2003 kamen zu dem Ergebnis, dass eine Sanierung unwirtschaftlich sei. 2004 wurde der Denkmalschutz für den Gebäudekomplex – auch angesichts des baulichen Verfalls und der architektonischen Verluste während der DDR-Zeit – aufgehoben. Die Gebäude unterliegen seither dem Ensembleschutz im Flächendenkmal „Villengebiet Karthäuser Höhe“ und sind Bestandteil des Ersatz- und Ergänzungsgebietes „Wandelhalle“ im Südviertel. Ein Jahr später wurde der Fürstenhof bei einer Zwangsversteigerung veräußert. Die Stadt Eisenach verzichtete auf ihr gesetzliches Vorkaufsrecht.

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