Prora: Der Ausverkauf eines Mahnmals mit Seesicht

Prora (aw). Dort wo nach Vorstellung der Nazis in der „Kraft-durch-Freude“-Urlaubsfabrik Prora auf Rügen Tausende Menschen Urlaub machen sollten, entstehen derzeit etwa 1.000 Ferienwohnungen sowie Hotels. Alle Gebäudeblocks wurden an private, finanzstarke Investoren verkauft. Diese luxuriösen Apartments mit Quadratmeterpreisen bis zu 10.000 Euro erlauben großzügige Steuerabschriebungen vom Staat. Kein Wunder also, dass sich bisher die meisten Wohnungen an gut betuchte Geldanleger verkaufen ließen. Die Lage ist einzigartig, die Adresse weltbekannt und die realisierten Bauvorhaben luxuriös.

Und während die Nachfrage zu Eigentum mit Seeblick in den vergangenen Monaten riesengroß war und weiterhin anhält, bangen das Prora-Zentrum und das Dokumentationszentrum weiter um ihren Verbleib. Denn der Landkreis Vorpommern-Rügen würde den letzten fünften Block des denkmalgeschützten NS-Komplexes gerne an Investoren verkaufen (wir berichteten). Gegen diese Pläne gab es enormen Widerstand aus der Bevölkerung, von Historikern, Denkmalschützern und aus der Politik.

Der Verein “Denk-Mal-Prora” mit seiner Petition und die etwa 15.000 Unterzeichner fordern mit einem Drei-Punkte-Plan neben dem Stopp der überstürzten Verkaufsverhandlungen und dem Erhalt des 5. Blocks auch die Schaffung der Voraussetzung für eine finanziell selbstragende Kultur- und Kunstmeile, die sich an das Bildungszentrum anschließt und das historisch gewachsene bauliche Antlitz bewahrt, mit buntem Leben füllt und Festivals weiterhin ermöglicht sowie die Gewährung der Partizipation am Gestaltungsprozess für all jene, die sich an dieser Stelle konstruktiv einbringen und engagieren wollen.

Der Kreistag hatte Anfang Mai in einer Grundsatzentscheidung den Weg für den Verkauf des Blocks freigemacht. CDU, SPD und FDP ermächtigten mit ihren Stimmen Landrat Ralf Drescher (CDU) Vorbereitungen für den Verkauf zu treffen. Die Bedingung selbigen knüpft Drescher allerdings mit der Schaffung einer Gedenk- und Bildungsstätte. Sollte dies nicht möglich sein, will man von einer Privatisierung absehen. Die Immobilie habe man auch dem Land zum Kauf angeboten. Laut Staatskanzlei sei die Prüfung aber noch nicht abgeschlossen. Jetzt soll zuerst ein Vertragswerk gefunden werden, dass das Dokumentationszentrum und die Bildungsstätte nicht nur schafft, sondern auch auf Dauer sichert.

Claudia Müller, Landesvorsitzende der Grünen in Mecklenburg-Vorpommern, machte in einem Radiointerview mit detektor.fm deutlich, dass das Land prinzipiell keine hohen Ausgaben tätigen kann, die aber notwenig wären. „Ein privater Investor ist auch durchaus willkommen. Es geht einfach nur um die Frage des Wie“, so die Politikerin gegenüber dem Sender. Der Protzbau der Nazis ist in seiner Bauweise einzigartig. Trotz des Baubooms und der Umgestaltung zum Feriendomizil darf der Status als geschichtsträchtiger Ort nicht verloren gehen – das Ensemble muss, zumindest zum Teil ein Mahnmal bleiben. Ob dieser Gedanke nicht nur Wunschdenken bleibt, werden die kommenden Monate zeigen.