Preisträger für Deutschen Preis für Denkmalschutz stehen fest

Besucherbergwerk F60 in der Lausitz. Foto: rottenplaces Archivfoto

Berlin (aw). Das Präsidium des Deutschen Nationalkomitees für Denkmalschutz hat die diesjährigen Preisträger des Deutschen Preises für Denkmalschutz bekannt gegeben. Demnach wird die Auszeichnung zwölf Persönlichkeiten und Personengruppen verliehen, die sich in besonderem Maße um die Erhaltung des baulichen und archäologischen Erbes verdient gemacht haben. Der Preis ist die höchste Auszeichnung auf diesem Gebiet in der Bundesrepublik Deutschland.

Karl-Friedrich-Schinkel-Ring

Den Karl-Friedrich-Schinkel-Ring für sein außergewöhnliches Engagement bei der denkmalgerechten Restaurierung und Instandsetzung des Fagus-Werks in Alfeld erhält Dipl. Ing. Ernst Greten (Niedersachsen). Greten trug maßgeblich dazu bei, dass das von Walter Gropius 1911 erbaute und heute zu den herausragenden Beispielen moderner Architekturgeschichte zählende Werk in seiner Substanz erhalten blieb und darüber hinaus sogar seinen historischen und denkmalpflegerischen Wert erhöht hat.

Silberne Halbkugeln

Der Besucherbergwerk Förderverein F60 e.V. in Brandenburg erhält die Silberne Halbkugel für seinen ambitionierten, großartigen Einsatz, durch den die Abraumförderbrücke F 60 von einem zur Verschrottung erklärten technischen Großgerät – Zeichen für wirtschaftliche Leistung, aber auch großdimensionierte Zerstörung von Landschaft – schrittweise zu einem Denkmal und touristischen Highlight der Region avancierte. Die Gesellschaft der Freunde des Dessau-Wörlitzer Gartenreichs e.V. in Sachsen-Anhalt wird mit dem Preis für ihr mutiges, fachlich versiertes Engagement, mit dem sie das historisch bedeutsame Gebäude „Zum Eichenkranz“ durch ihren Enthusiasmus und viel Tatendrang vor dem sicheren Verfall gerettet haben, ausgezeichnet.

Die Stiftung Oldenburg Wall e. V. in Schleswig-Holstein wird für ihre großen Verdienste um den Erhalt und die Inwertsetzung des archäologischen Denkmals „Oldenburger Ringwallanlage“, dem zweitgrößte archäologische Denkmal Schleswig-Holsteins ausgezeichnet. Gemeinsam mit dem Archäologischen Landesamt Schleswig-Holstein, der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel gelang es dem 1978 gegründeten Verein, den Burgwall wieder als großartiges Geschichtsdenkmal sichtbar werden zu lassen, ihn in das Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rufen und seinen hohen wissenschaftlichen Stellenwert zu begründen.

Die Hessener Schlosspatrioten Homberg an der Ohm e.V. erhalten die Auszeichnung für ihr hohes und vorbildliches Engagement, welches inzwischen weit über Denkmalschutz und Denkmalpflege hinaus zum „sozialen Kitt“ in Homberg (Ohm) geworden ist und eine Strahlkraft ins weite Umland entwickelt hat. Für das Schloss Homberg arbeiten die Schlosspatrioten unermüdlich.

Für seine mustergültige Instandsetzung von Villa und Garten „Haus Schulenburg“, die in den Jahren 1913/14 Henry Van der Velde für den Textilfabrikanten und Kunstsammler Paul Schulenburg entworfen hatte und für die akribische Zusammenführung der ursprünglichen Ausstattungsgegenstände sowie dem Privatmusem, wird der Thüringer Dr. med. Volker Kielstein ausgezeichnet.

Dipl.-Ing. Patrice Wijnands aus Baden-Württemberg erhält die Silberne Halbkugel für sein langjähriges Engagement, mit dem er auf großartige Weise zur Erforschung einer ungeliebten und somit gefährdeten Denkmallandschaft – den Denkmälern aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges – beiträgt. Wijnands erfasst, dokumentiert und erforscht ehrenamtlich die Überreste der 1938-1940 gebauten Westbefestigungen, ein ausgeklügeltes Verteidigungssystem, welches in der Öffentlichkeit unter dem Begriff „Westwall“ als ein 630 km langes Flächendenkmal bekannt geworden ist.

Journalistenpreis

Den Journalistenpreis erhalten Wiebke Keuneke vom Deutschlandfunk für ihr Radio-Feature „Zwischen Bulldozern und begehbaren Kleiderschränken – Das Bauhaus in Tel Aviv“, dem eine umfassende, tiefgehende Recherche zugrunde liegt. Prof. Dr. Barbara Schock-Werner und Joachim Frank vom Kölner Stadt-Anzeiger erhalten den Preis für ihre kontinuierliche, langjährige Berichterstattung in Form einer Artikelserie „Auf den Punkt“, mit der sie die Leserschaft nachhaltig für die Belange des Denkmalschutzes und der Denkmalpflege sensibilisieren.

Daniela Gassmann und Max Fellmann vom Süddeutsche Zeitung Magazin werden für ihren meisterhaften Artikel „Die Letzten ihrer Art“, in dem sie äußerst unterschiedliche Bauten in München vorstellen, die von Spekulationen und Gentrifizierung wie durch ein Wunder nahezu unberührt sind, aber vielleicht bald für immer verschwinden könnten, ausgezeichnet. Herbert Stiglmaier und Frank Meißner vom Bayerischer Rundfunk erhalten den Preis für ihre inhaltlich wie filmhandwerklich stets einfallsreiche, humoristische und kurzweilige Gestaltung der Sendungen, die auf diese Weise einen hohen Unterhaltungswert besitzen, sogar zum Besuch der vorgestellten Denkmäler anregen und „nebenbei“ dem Zuschauer Ziele, Arbeit und Probleme der amtlichen Denkmalpflege nahebringen.

Robert H. Schumann und Günther Wittmann von der Medienwerkstatt Franken e. V. werden für ihr nahezu maßstabsetzendes Engagement um eine bislang so wenig beachtete Kunstform am Bau, für die Art des Erzählens, der filmischen Vermittlung und dafür, Menschen auf ebenso sensible wie intelligente Art den Blick zu öffnen für das, was in unserer aller Lebenswelt erhaltenswert ist und bleibt, ausgezeichnet.

Der Internetpreis wird in diesem Jahr nicht vergeben. Die Preise werden am 28. Oktober 2019 in der Aula der Landesschule Pforta in Naumburg (Sachsen-Anhalt) durch das Deutsche Nationalkomitee für Denkmalschutz feierlich überreicht.

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