Polizei warnt vor Betreten der Spaßbad-Ruine „Blub“

Berliner Luft- und Badeparadies (Blub). Foto: rottenplaces Archivfoto.

Berlin (aw). Das Berliner Luft- und Badeparadies (Blub) galt zu aktiven Zeiten als Erholungseinrichtung mit überregionaler Bedeutung unter den West-Berliner Schwimmbädern. Seit der Schließung 2005 wurde das Bad seinem Schicksal überlassen. Über die Jahre wurde das Bad nahezu ausgeschlachtet, verbliebenes Inventar zerstört. 2016 kam es zu einem Großbrand auf dem Areal, weitere kleinere Brände folgten (wir berichteten). Seitdem tummeln sich Fotografen, Abenteuerlustige und vor allem Jugendliche in der Spaßbad-Ruine. Aktuell kündigt ein Investor eine Neubebauung an und möchte bis zu 450 Wohnungen schaffen. Geschehen ist bisher nichts.

Jetzt warnt die Berliner Polizei alle Neugierigen vor dem Betreten der Ruine. Fahnder für Jugendgruppengewalt informierten mit einem Twitter-„Servicetweet“ über diverse Straftaten (Raub, sexuelle Übergriffe; Anm. d. Red.) im ehemaligen Blub und appelieren an die „Erlebnisorientierten Jugendlichen“, einen Bogen um die Spaßbad-Ruine zu machen. „Geht kein unnötiges Risiko ein, so schützt ihr euch und euer Eigentum am besten“, schreibt die Polizei auf Twitter. „Coole Rückzugsorte zum Chillen oder für Fotos auf Instagram findet ihr sicher an anderen Stellen in Berlin“, heißt es weiter.

Badeparadies mit diversen Attraktionen

Unter drei Kuppeln in Holzfachwerkkonstruktion erstreckte sich im Blub auf über 40.000 Quadratmetern eine Strand- und Badelandschaft mit Bruchstein aus den Karpaten, Findlingen aus der Schorfheide und vielerlei natürlicher Bepflanzung, die Lufttemperatur wurde bei 29 Grad gehalten, die Wassertemperatur lag zwischen 29 und 36 Grad. Mit Außenanlagen und Parkplatz umfasste das Bad eine Fläche von 35.000 Quadratmetern.

An der Promenade befanden sich eine Bar, die auch Nicht-Badegästen zugänglich war, Boutiquen und ein Bikini-Restaurant, ebenso wie Liegestühle. Es gab ein Fitnessstudio, das auch Aerobic inner- und außerhalb des Wassers (Aquafitness) angeboten hat. Der große Saunagarten war mit sechs verschiedenen Sauna-Typen ausgestattet und mit Palmen, Orchideen und Kakteen bepflanzt. Besondere Attraktionen waren der Wildwasserkanal, die Wasserrutschen und der Wasserspielplatz.

Im Dezember 2002 wurde das Blub vom Gesundheitsamt wegen akuten Rattenbefalls, Vogeldreck und der seuchenhygienischen Zustände geschlossen. Gesundheitsstadtrat Michael Freiberg hatte nach Beschwerden von Besuchern Kontrolleure in das Bad geschickt. Der Rattenbefall soll vom nahe liegenden Teltowkanal auf das Gelände gekommen sein. Der Kanal vom Außen- ins Innenbecken wurde ab dann abends zusätzlich mit einem Maschendrahtzaun gesperrt. Schon 2002 gab es einige Bereiche, die vom Gesundheitsamt geschlossen wurden. Aus diesen Gründen wurde 2003 Insolvenz angemeldet, danach suchte der Eigner einen Investor.

Vom Erfolg in die roten Zahlen

1985 eröffnete das Bad seine Türen. Die Baukosten des Blubs betrugen 44 Millionen Mark von denen das Land Berlin neun Millionen Mark als zinslosen Kredit beisteuerte. Nach der Eröffnung wurde das Blub Trikotsponsor für die Saison 1985/1986 des Berliner Traditionsvereins Hertha BSC. Seit seiner Eröffnung hatte das Blub, das mit Sprüchen wie „Berlin blubst vor Vergnügen“ warb, etwa sieben Mio. Besucher und war täglich von 10 bis 23 Uhr geöffnet. Anfangs waren es 600.000 pro Jahr, 2001 nur noch 330.000.

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