Politisches Gerangel um die ehemalige Lederfabrik Sohre

Ehemalige Lederfabrik Sohre in Freital. Foto: rottenplaces Archivfoto
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Freital (aw). Das Zittern wegen der denkmalgeschützten Industriebrache in Freital ist groß. Die Zeichen stehen eher auf Abbruch als auf Erhalt: die ehemalige Lederfabrik Sohre in Freital wird zum Spielball der Entscheider und jenen, die sich dafür halten. Nachdem der Stadtrat kürzlich den Rückbau der Ruine beschlossen hatte, regt sich Widerstand unter den Einwohnern in Freital und Denkmalschützern – und das nicht erst nach der Abstimmung. Fakt ist, durch den Entscheid ist ein Abbruch wahrscheinlicher als eine Sanierung und somit ein Erhalt.

Um einen Abbruch in letzter Instanz noch abzuwenden, teilte Oberbürgermeister Uwe Rumberg (CDU) nach dem Stadtratbeschluss mit, er wolle die Industrieruine dem Freistaat zum Kauf und zur Sanierung anbieten. Wie die „Sächsische Zeitung“ berichtet, hüllt sich der Freistaat bisher jedoch in Schweigen. Man prüfe derzeit, wie viel Fläche man für das „Haus der Bildung“ – wenn es denn realisiert werden sollte – genau benötigen würde, teilt die Zeitung mit. Parallel zu diesem Plan wird ein Abbruch parallel vorbereitet.

Man werde sich zu gegebener Zeit für einen Standort entscheiden. Unter Beachtung der Wirtschaftlichkeit könnte die Lederfabrik durchaus in Betracht gezogen werden – sollten alle Gremien mitziehen. Das Kabinett hatte einen Beschluss verabschiedet, wonach ein Bildungshaus bis spätestens 2021 errichtet werden soll. Die Stadt Freital – oder besser der Bürgermeister – rechnet mit einer endgültigen Entscheidung für die Zukunft der Lederfabrik bis spätestens Ende Juli 2018. Dann wäre laut Matthias Weigel – Rathaussprecher – der späteste Termin für den Abbruch.

Die Geschichte der Lederfabrik Sohre geht bis in das Jahr 1842 zurück, 1991 wurde die Produktion hier eingestellt. Große Teile der einstigen Lederfabrik im hinteren Teil des Geländes wurden seitdem abgerissen, im Jahr 2004 öffnete ein Supermarkt auf einem Teil der revitalisierten Flächen. Die noch erhaltenen Gebäudeteile stehen unter Denkmalschutz, werden aber nicht genutzt. Pläne vor einigen Jahren, in dem Gebäude das Finanzamt für den Landkreis einzurichten oder den neuen Sitz von Schulaufsicht und Sächsischer Bildungsagentur hierher zu verlegen, scheiterten.

2015 hatte die Stadt ein Altlastengutachten in Auftrag gegeben, dass einmal über die Zukunft der Industrieruine entscheiden und Kenntnisse aufzeigen sollte, wie aufwendig eine Sanierung wäre und welche Kosten diese mit sich bringen würde. Im selben Jahr sprach sich Rumberg gegen einen Erhalt der Fabrikruine aus. Zwei Jahre zuvor hatte die Stadt das Grundstück samt Immobilie nach einem Stadtratsbeschluss für 750.000 Euro gekauft – um Selbiges zu entwickeln. Zwei Drittel der Summe waren Fördermittel. Jetzt ist das Thema „Haus der Bildung“ wieder aktuell.

Im Internet wurde ein Dossier veröffentlicht, das die Problematik und die Hintergründe der gescheiterten Pläne und die eines drohendes Abbruches beschreibt und auflistet. Unter www.das-ende-der-lederfabrik.de finden Sie weiterführende Informationen.

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