Olympisches Dorf braucht Hilfe

Im Olympischen Dorf von 1936 bei Elstal regiert der Verfall. Dort wo sich 1936 Jesse Owens gemeinsam mit 3400 weiteren Sportlern auf die Wettkämpfe in Berlin vorbereitete, soll nun ein Wohnungsbauprojekt das „Flächendenkmal von nationaler Bedeutung“ kurz vor den Toren Berlins retten. Das Projekt stemmen möchte die Nürnberger Terraplan-Denkmalsanierung GmbH, die auch in Berlin bereits viele historische Gebäude saniert hat. Die Gesellschaft möchte auf einer etwa 20 Hektar großen Teilfläche 500 Wohnungen errichten. Der Bund unterstützt das einzige Vorhaben im Land Brandenburg mit 2,6 Millionen Euro aus seinem Programm „Nationale Projekte des Städtebaus“. Skurril: Die Stadt Berlin kämpft an der Seite der Stadt Hamburg um den Zuschlag für die Olympischen Spiele 2024 oder 2028. Nur wenige Kilometer von der Bundeshauptstadt entfernt, verfallen die Reste der Anlagen von 1936.

Bestandteil des Wohnungsbau-Konzeptes ist auch das Herzstück des Olaympischen Dorfes, das Speisehaus der Nationen. Dort wo es zur Olympiade 1936 getrennte Küchen und Speisesäle für die 50 Teilnehmerländer gab, sollen als Ankerpunkt auf dem Gelände im Speisehaus rund 100 Wohnungen – davon viele barrierefrei – errichtet werden. Ob es soweit kommt, zeigt eine genaue Untersuchung der Bausubstanz, deren Ergebnisse Mitte 2015 vorliegen sollen. Ist dieses positiv und das Vorhaben wirtschaftlich tragbar, möchte die Nürnberger Gesellschaft nicht mehr als 31 Millionen Euro in den ersten Bauabschnitt investieren.

Die Erschließung des Geländes des Olympischen Dorfes wäre so kostspielig gewesen, dass die Quadratmeterpreise für das Bauland mit etwa 100 Euro angegeben werden hätte müssen – doppelt so viel wie die üblichen Preise in der Region. Diese Kosten sollen die Fördermittel des Bundes nun abfangen, die Gemeinde steuert 1,3 Millionen Euro für die Planung und Erschließung als Kofinanzieurng dazu. Terraplan möchte ohne die Studie für das Speisehaus keine Versprechen zur Umsetzung der Pläne machen. Derzeit wird mit dem aktuellen Eigentümer, der Deutschen Kreditbank (DKB) über den Kauf des acht Hektar großen Teilareals am Speisehaus verhandelt. Die DKB steckt derzeit jährlich einen sechsstelligen Betrag für die Sicherung der Gebäude und die Pflege des Geländes in das Gesamtareal – der Verfall geht trotzdem unaufhörlich weiter.

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