Olaf Rauch über die kommende urbEXPO 2013

Von André Winternitz – 14. Februar 2013

Das Konzept des Fotografen und Multimediakünstlers Olaf Rauch – eine Fotografieausstellung rund um das Thema Lost Places und Ästhetik des Verfalls ins Leben zu rufen – begann im Jahr 2011. Mit der URBEXPO wollte der Bochumer die Menschen auf künstlerisch-ästhetische Weise an zentrale Themen wie Kunst, (Zeit-)Geschichte, Politik, Architektur und Gesellschaft heranführen und Bedeutsames aus der Vergangenheit vor dem Vergessen bewahren. URBEXPO ist ein Kunstwort, das sich aus den Abkürzungen UrbEx für Urban Exploring und EXPO für Ausstellung zusammensetzt. Das Kuratorium wählt im Vorfeld zur Ausstellung – mit der Maßgabe ein möglichst breites Spektrum fotografischer Positionen zu zeigen – aus allen eingehenden Bewerbern diejenigen Arbeiten aus, die das Gesamtkonzept der URBEXPO bezüglich Vielfältigkeit sowie unterschiedlicher Stile, also SW, Farbe, HDR, DRI usw., optimal widerzuspiegeln. Finanziert wird das Projekt über Projektpartner, Teilnahmegebühr und viel Herzblut seitens der Veranstalter. 2012 waren neun Fotografen und Künstler mit über 80 Werken beteiligt. Wir haben den Organisator der URBEXPO zu den Beweg- und Hintergründen sowie Zahlen und Fakten befragt.

rottenplaces: Im letzten Jahr feierte die URBEXPO Premiere im Herzen Bochums. Bis dahin war es ein langer und arbeitsintensiver Weg. Was hat dich dazu bewegt eine solche Veranstaltung ins Leben zu rufen?

Rauch: Angefangen hat das Ganze im Prinzip schon vor Jahren. Ich fotografiere ja selbst seit 2004 im Bereich Lost Places und Ästhetik des Verfalls und es war schon lange mein Wunsch, eine Ausstellung in einem Ambiente zu machen, das exakt zu meinen Motiven passt. 2010 entdeckte ich per Zufall die Rotunde in Bochum, wo eine Ausstellung von Studenten der Bauhaus-Universität gezeigt wurde. So kam der Kontakt mit den Eigentümern zustande. Da die großzügige Location für eine Einzelausstellung beinahe zu groß war, veranstaltete ich zusammen mit befreundeten Künstlern im Sommer 2011 erstmals eine Gruppenausstellung innerhalb der Reihe ARS URBANA. Dort ging es allerdings noch um die bildenden Künste im Allgemeinen. Bei der Suche nach geeigneten Künstlern lernte ich Emil Schult, der seit 40 Jahren eng mit der Gruppe Kraftwerk zusammenarbeitet, kennen. Er war vom Konzept der ARS URBANA so begeistert, dass er auf sein obligatorisches Ausstellungshonorar verzichtete und bei der ARS URBANA Vol. 0 (2011) und Vol. 1 (2012) mitwirkte. Der Deal war, dass ich ihm eine Ausstellungsmöglichkeit für ihn und seine Schüler besorgen würde. Für diesen Termin war ebenfalls die Rotunde angedacht und das Ganze sollte im Februar 2012 stattfinden. Aus verschiedenen Gründen haben wir diese Ausstellung nicht auf die Beine gestellt bekommen, aber da ich die Location bereits geblockt hatte, musste was passieren. So entstand die Idee der URBEXPO, die aufgrund von Baumaßnahmen nochmals verschoben werden musste und dann im August 2012 ihre Premiere feierte.

rottenplaces: Was erwartet die Besucher bei der diesjährigen URBEXPO oder was ist in diesem Jahr rundherum alles geplant?

Rauch: 2012 gab es ja noch verschiedene Angebote rund um die eigentliche Ausstellung. Aufgrund unterschiedlicher Ansätze der klassischen UrbEx-Szene und den Veranstaltern der URBEXPO werden diese Zusatzveranstaltungen dieses Jahr nicht stattfinden, sondern wir konzentrieren uns auf die Fotografieausstellung der URBEXPO. Es ist nur die offizielle Vernissage am 23. August ab 20 Uhr geplant und eine Abschlussparty am 31.8., die jedoch von Externen in Absprache mit uns organisiert wird. Bezüglich der beteiligten Künstler wird die diesjährige URBEXPO größer und internationaler – wir haben im Vorfeld circa 60 Fotografen und Künstler gesichtet, die eingeladen sind, sich zu bewerben. Wir werden außerdem für die Ausstellung auch noch einen weiteren Gebäudetrakt nutzen, sodass die Exponate der URBEXPO auf gut 500 qm präsentiert wird. In einem Raum wird es eine zusätzliche Sonderausstellung geben, die die aktuellen Preisträger eines großen europäischen Fotografiepreises zeigen wird. Das Thema der Sonderausstellung hat mit Architektur zu tun, die wiederum ja ein wichtiger und interessanter Aspekt von Lost Places ist. Neu ist auch, dass ein Katalog zur URBEXPO 2013 erscheint. Das war uns wichtig, da ein Ausstellungskatalog etwas Bleibendes hat – auch nach der Veranstaltung.

rottenplaces: Fotografen und Künstler können sich ja für die Ausstellung bewerben. Wie läuft das ab und welche Richtlinien gibt es?

Rauch: Die Teilnahmebedingungen haben wir auf der Website der URBEXPO unter www.urbane-kunst.eu/teilnahme zusammengefasst. Nicht zuletzt wegen des geplanten Katalogs haben wir auch die Künstler, die bereits letztes Jahr dabei waren, angefragt, ob sie erneut dabei sind. Natürlich müssen sie neue Arbeiten zur Bewerbung einreichen, da wir uns ja nicht selbst kopieren wollen.

Formal läuft das Ganze so ab, dass wir die eingehenden Bewerbungen und Arbeiten bereits während der Bewerbungsphase (bis 15.4.) sichten. Nach Ende der Bewerbungsphase wählt eine Jury diejenigen Arbeiten und Künstler aus, die im Rahmen der URBEXPO 2013 gezeigt werden sollen. Bei der Auswahl spielt das Gesamtkonzept eine große Rolle: D.h. es geht weniger um die einzelne Arbeit als darum, dass durch die Gesamtauswahl ein vielfältiger Mix aus Motiven, Bildsprache und unterschiedlichen Locations entsteht. Nur SW-Arbeiten von Zechen wäre langweilig. Die UrbEx-Fotografie ist so vielschichtig und das wollen wir zeigen. Es geht also auch darum, dass in der Ausstellung 1+1 mehr als 2 ist.

rottenplaces:Wie war die allgemeine Reaktion auf die Werke der ausstellenden Fotografen und Künstler im letzten Jahr und welches Feedback gaben Letztere?

Rauch: Bei der Bewertung der letztjährigen URBEXPO sehe ich wie bei allen Kunst- und Ausstellungsprojekten drei Wertungsbereiche: Die allgemeine Resonanz (Ausstellungsbesucher), Interesse der Medien und deren Berichterstattung und natürlich das Feedback der teilnehmenden Künstler. Die Besucherzahlen der URBEXPO 2012 waren weit über den Erwartungen: Zur Eröffnung sind über 100 Besucher gekommen und an den Ausstellungstagen konnten wir pro Tag jeweils 30 bis 60 Besucher verzeichnen. Mit vielen Besuchern kamen wir auch ins Gespräch und den einen oder anderen Besucher hat man auch öfter als einmal in der Ausstellung gesehen. Das sind schon Zahlen, die sich sehen lassen können, wenn man bedenkt, dass die Inhalte der URBEXPO nicht unbedingt zu den Mainstream-Themen zählen.

Das Medieninteresse an der URBEXPO 2012 hat mich am meisten überrascht. Die Bochumer Lokalpresse hat mich bereits auf die URBEXPO angesprochen, bevor wir sie zum Pressetermin einladen konnten. In den letzten 2 Wochen vor Veranstaltungsbeginn kamen täglich Anfragen und Telefoninterviews von Tageszeiten aus dem gesamten Ruhrgebiet, regionalen Magazinen und Radio WDR 5, die auch einen schönen Bericht von der Eröffnung in der Kultursendung SCALA gebracht haben. Für einen Großteil der Künstler der URBEXPO 2012 war es die Erste oder eine der ersten Ausstellungen überhaupt und für einige war es auch ein Ansporn, noch mehr zu fotografieren und sich außerhalb der einschlägigen Foren zu präsentieren. Die meisten Teilnehmer des letzten Jahres haben auch schon gefragt, ob es 2013 eine Fortsetzung gibt.

rottenplaces: Während der Einladungsphase stieß die URBEXPO im letzten Jahr im Allgemeinen und die Konferenz im Besonderen in entsprechenden Internet-Foren auf Kritik und teilweise auf Ablehnung. Auch im Jahr 2013 wird dies bei öffentlichen Veranstaltungen, die sich mit dem Thema Urban Exploring und Lost Places beschäftigen und hier ihren Schwerpunkt haben, nicht anders sein. Was glaubst du Olaf, warum es noch immer so viel Ablehnung gibt und warum es noch lange dauern wird, Kritiker davon zu überzeugen, durch solche Events der Szene positiveren Rückenwind und mehr Verständnis aus der Öffentlichkeit zu bekommen?

Rauch: Die Hauptkritik betraf ja die geplante Konferenz, die als szeneinterne Veranstaltung geplant war und den Alltag erleichtern sollte. Auch innerhalb der Foren werden Informationen zu den einzelnen Objekten nur sparsam und vorsichtig geteilt, was ja prinzipiell auch gut ist. Andererseits jammert jeder, dass es mit den Jahren immer schwerer wird, neue und spannende Objekte zu finden. Die Idee der Konferenz war, dass sich geprüfte Teilnehmer offen austauschen können und neue Netzwerke entstehen. Mit dieser Idee habe ich allerdings voll ins Klo gegriffen. Ich hatte den Eindruck, dass die einzelnen Foren ihre Mitglieder möglichst eng an sich binden wollen und vielleicht auch Angst hatten, dass der eine oder andere sagen würde, dieses oder jenes Forum gefällt mir auch. Generell hat die Diskussion mit den Foren aber gezeigt, dass die „Szene“ und die URBEXPO (bzw. die beteiligten Künstler) mit dem Thema Öffentlichkeit vollkommen unterschiedlich umgehen. Die ausstellenden Künstler machen ihre Bilder und Fotos, um sie präsentieren und verkaufen zu können. Verkaufen kann man aber nur, wenn man mit seinen Bildern an die Öffentlichkeit geht – egal ob man Lost Places fotografiert oder Bienchen und Blümchen.

Am meisten hat mich der Vorwurf des Kommerzes getroffen. Die Konferenz sollte inklusive Wasser, Tee und Kaffee für die Beteiligten 3 Euro kosten – in diesem Preis war der 1 Euro Eintritt zur Ausstellung bereits enthalten. Wer da von Kommerz spricht, hat wahrscheinlich noch nie eine Ausstellung oder Veranstaltung organisiert. Wenn man die vielen Stunden Vorbereitung einer URBEXPO, die Gestaltung und Produktion der Werbemittel (Website, Flyer, Plakate, etc.), die Pressearbeit, Raummiete, Aufsicht während der Ausstellungszeiten streng betriebswirtschaftlich rechnet, kostet eine Veranstaltung wie die URBEXPO locker 20 oder 30 Tausend Euro. Wir würden den Künstlern auch gerne Ausstellungshonorare zahlen, aber die URBEXPO ist kein institutionalisiertes und subventioniertes Projekt. Aufgrund der Haushaltsperren in den Ruhrgebietsstädten passiert auf öffentlicher Ebene so gut wie nichts – abgesehen von millionenschweren breitenwirksamen Vorzeigeprojekten. Aber ich will hier nicht jammern.

rottenplaces: Zurück zur diesjährigen URBEXPO. Fotografen und Künstler, die den Zuschlag zur Ausstellung bekommen, müssen diese für die Ausstellbarkeit ihrer „Werke“ selber sorgen – d.h. Rahmungen und sonstige technische Vorkehrungen treffen – oder wird dies vom Veranstalter übernommen?

Rauch: Diese Frage habe ich größtenteils ja bereits beantwortet. Über einen Sponsor ist bislang lediglich die Raummiete gesichert. Über die Teilnahmegebühren können wir die Produktion der Werbemittel abdecken und mit etwas Glück und Rechengeschick einen Teil der Katalogproduktion. Wir werden jedoch noch weitere potenzielle Sponsoren ansprechen – und sicherlich den einen oder anderen gewinnen können -, damit die URBEXPO zumindest eine finanzielle Nullnummer wird. Man darf ja auch nicht vergessen, dass wir die Hängung der Arbeiten übernehmen und auch während der Öffnungszeiten der Ausstellung die Aufsicht stellen oder führen. Hinzu kommt, dass viele Künstler ihre Arbeiten bereits produziert haben, sodass sie neben der Teilnahmegebühr nur noch für den Transport ihrer Werke sorgen müssen. Und man darf nicht vergessen, dass die Künstler auch einen professionellen Rahmen zur Präsentation geboten bekommen, in dem sie ihre Werke auch verkaufen können. Zudem sind unter den Ausstellungsbesuchern auch immer Galeristen und Kunstsammler, sodass sich Kontaktmöglichkeiten ergeben, die bei einer „kleinen“ Ausstellung in irgendeinem Kunstverein oder in der örtlichen VHS nicht möglich sind.

rottenplaces: Gibt es eine Zusammenarbeit oder Kooperation mit ansässigen Medien in diesem Jahr, die durch ihre Berichterstattung den Teilnehmern eine zusätzliche Reichweite geben?

Rauch: Nicht nur über die URBEXPO habe ich sehr gute Kontakte zur lokalen und regionalen Presse, die eine entsprechende Berichterstattung liefern wird. Darüber hinaus werden alle bundesweiten Kunstmagazine und auch die entsprechenden Online-Portale diesmal regelmäßig informiert. Bei den Kontakten zu Radio und Fernsehen wird sicherlich auch noch was gehen. Momentan läuft eine Anfrage des WDR bezüglich einer TV-Reportage zu meiner Arbeit als Fotograf, bei der die URBEXPO sicherlich auch erwähnt wird, und ich will nicht ausschließen, dass wir da auch noch einen Sendeplatz kurz vor oder während der URBEXPO 2013 finden werden. ARTE, ZDF.kultur und andere Sender werden wir natürlich auch kontaktieren. Mit den Newslettern und den Veranstaltungsseiten vom Pixelprojekt Ruhrgebiet und dem europäischen Architekturfotografie-Preis haben wir ebenfalls Multiplikatoren mit einer großen überregionalen Reichweite. Wenn szeneaffine Websites und Portale wie rottenplaces und andere auch noch mal auf die URBEXPO hinweisen, mache ich mir keine Sorgen, dass wir den Öffentlichkeitsindex gegenüber dem Vorjahr deutlich steigern können.

rottenplaces: Was erwartest du dir persönlich – neben einem reibungslosen Ablauf und vielen Interessierten natürlich – von der 2. URBEXPO?

Rauch: Zunächst natürlich viele interessierte und begeisterte Besucher der URBEXPO. Die zweite Veranstaltung innerhalb einer Reihe ist immer die schwierigste, wenn die Premiere gut gelaufen ist. Ich wünsche mir vor allem, dass auch Besucher zur URBEXPO 2013 kommen, die in Zukunft auch als Sponsoren das Fortbestehen des Veranstaltungsformates sichern können, und dass sich unter den Künstlern wieder neue Netzwerke bilden. Das war im letzten Jahr schon so, dass es unter den Teilnehmern und Besuchern, die aus dem UrbEx-Umfeld stammen, zu einem Austausch kam und man sich auch gegenseitig Ausstellungen vermittelt hat oder einfach nur über neue Locations austauscht – sozusagen eine Konferenz ohne Konferenz.

Für Olaf Rauch gibt es bis zum ersten Ausstellungstag noch viel zu tun. Wir dürfen also gespannt sein, welche Künstler mit ihren Werken bei der diesjährigen URBEXPO zu sehen sein werden. Wer Interesse hat, sich selbst als Künstler zu bewerben, oder als Besucher bei der Ausstellung dabei zu sein, der ist nun auf dem aktuellen Stand. Alle weiteren Informationen gibt es über die unten stehenden, weiterführenden Links. Natürlich wird das Team von rottenplaces weiterhin rund um die URBEXPO berichten.

Links

www.urbane-kunst.eu
www.blog.industrial-moods.de

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André Winternitz, Jahrgang 1977, ist freier Journalist und Redakteur, lebt und arbeitet in Schloß Holte-Stukenbrock. Neben der Verantwortung für das Onlinemagazin rottenplaces.de und das vierteljährlich erscheinende "rottenplaces Magazin" schreibt er für verschiedene, überregionale Medien. Winternitz macht sich stark für die Akzeptanz verlassener Bauwerke, den Denkmalschutz und die Industriekultur.

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