NVA-Erholungsheim „Auf dem Sonnenberg“ wird abgerissen

NVA-Erholungsheim. Foto: rottenplaces Archivfoto.

Frauenwald (aw). Das ehemalige NVA-Erholungsheim „Auf dem Sonnenberg“ in Frauenwald – umgangssprachlich auch „Sprungschanzenhotel“ genannt – sollte bereits seit 2014 abgerissen sein. Doch passiert war bisher nichts, der Abbruch wurde immer wieder verschoben. Der Netzbetreiber 50 Hertz, der durch den Thüringer Wald eine Hochspannungstrasse plant, wollte die Entfernung des ortsprägenden Bauwerks auf dem Großen Riesenhaupt übernehmen. Jetzt informierte Bürgermeister Frank Amm (parteilos) die Bürger und teilte mit, dass letzte Genehmigungen vom Landesverwaltungsamt hinsichtlich eines Renaturierungsplanes erteilt werden müssen, der Abbruch aber noch in diesem Jahr beginnen kann. Dieser soll jedoch eine ganze Zeit andauern.

Zehn Jahre versuchte die Gemeinde die Immobilie zu kaufen, um es abreißen zu lassen. Doch ein Eigner konnte nicht ermittelt werden. Der insolvente Eigentümer hatte das einstige Erholungsheim nicht auf der Liste der Besitztümer geführt. Pläne gab es in den vergangenen Jahren reichlich, doch keiner konnte umgesetzt werden. Das Gebäude sollte als Jugendhotel mit hauseigener Kegelbahn, Sportzentrum und Sauna weiterleben, vergeblich. Ein neuer Eigentümer betrieb dieses dann mehrere Jahre als Flüchtlingsheim. Nach der Schließung selbigen verfiel das Gebäude extrem. Alles Verwertbare wurde herausgeschafft oder zerstört. Eine Gesellschaft kaufte das Gebäude neben einigen anderen in der Region, ging aber kurze Zeit später in die Insolvenz.

Eröffnet wurde das Erholungsheim mit seinen über 440 Zimmern im Jahr 1976 und diente bis zum Niedergang der DDR und der Nationalen Volksarmee (NVA) den oberen Zehntausend der Armeen aus den sozialistischen und kommunistischen Brüderstaaten als Erholungs- und Freizeitoase in schönster Natur. Neben der ernormen Zimmerzahl gehörten zum Angebot auch ein Film- und Tanzsaal, eine Bibliothek, ein Frisiersalon, Tischtennis- und Fitnessräume, Physiotherapie-Räume und eine Arztpraxis sowie ein Schwimmbad. Weiter konnten im Winter modernste Ski-Ausrüstungen geliehen und verschiedene Skikurse belegt werden. Die nahen Waldtrassen und Wanderweg luden zu ausgiebigen Wanderungen ein.

6 Kommentare

  1. Alles abreisen. Nichts darf mehr bleiben. Recht so. Nur, was macht man mit den Menschen? Besser man denkt nicht daran. Ach so hatte ich nicht gleich gelesen das waren ja Einrichtungen für die oberen 10 Tausend. Wie dumm muß derjenige sein der das glaubt. Aber das kann man heute ja schreiben . Ist keiner mehr da der sich wehrt. Prima Beitrag !

  2. Ich frage mich, wie blöd man in Frauenwald sein muss, um solch ein Gebäude nicht mit allen Mitteln zu erhalten. Selbst wenn es nicht betrieben wird, hat es das Potential, Menschen anzulocken, und ist ein starkes Wahrzeichen. Mit den Millionen, die jetzt aufgewendet werden, um es abzureißen, hätte man es wohl Jahrzehnte sichern können. Nun, jetzt entsteht vermutlich eine teure grüne Wiese. Wegen einer grünen Wiese wird mich Frauenwald aber nicht sehen. Die gibt’s überall.

  3. Hier kann man sich wirklich nur an den Kopf fassen. Alles was nach ex Osten aussieht und gar nicht mal so schlecht war, wird platt gemacht. Ach ja – ich vergaß- auch 27 Jahre nach dem Niedergang der Diktatur und der „Freilassung von 16 Mio Menschen aus dem eingezäunten Gehege“ muß immer noch alles weg. Wie soll es anders sein. Die Geschichte kann man nicht wegradieren- man sollte daraus lernen und etwas daraus machen. Und der Abriß, der den Steuerzahler sehr sehr viel Geld kostet ist nicht die Lösung. Oder denkt jemand das diese Energiegesellschaft das bezahlt ??? Ne ne, die legen das auch nur um – viel Spass bei den nächsten Stromkostenerhöhungen – oder gibt es neue Erkenntnisse im Wandel der Zeit das im Westen jemand was geschenkt bekommt!!!!
    Nun ich war auch in dem Ferienheim- nicht nur die NVA hat so etwas betrieben, auch andere Organisationen hatten solche Ferienhäuser….und soll ich was sagen, es ist den Menschen und Familien nicht schlecht bekommen, und es waren nicht nur die obersten 10 Tausend. Ich war 30 Jahre mit 2 kleinen Kindern dort genau zur Maueröffnung im Urlaub und gehörte wahrlich nicht zu den obersten dazu. Und soll ich euch was sagen- es gibt auch heute noch solche Einrichtungen – und soll ich noch was sagen – man hat erkannt das dies sogar etwas gutes ist !!!!!
    Und jetzt kann krass – viele können sich das aber nicht mehr leisten – das war damals anders ….
    Schade für Frauenwald – leider zu spät – für den Tourismus hätte das doch mit einem Konzept und vielleicht ohne dem Anspruch vor Beginn der Umsetzung schon Millionär zu werden bestimmt etwas werden können.
    Aber – der Osten ist halt der Osten – der ist der Verlierer auf der ganzen Linie – warum also sollen nur die Menschen aus dem Gehege daran – bloß gut das man da noch nichts gefunden hat auch die „Abzureißen“ , der Rest ist ja bald weg.

  4. …ja schon 1990 hat der Helmut Kohl uns blühende Landschaften versprochen, nun hat Frauenwald auch seine blühende Wiese! Schließlich ernähren blühende Landschaften Menschen, schaffen neue Arbeitsplätze (z. B. Grashalmzähler) , schaffen Werte und Wohlstand, schafft soziale Absicherung, schafft Frieden uvam …was für eine schöne neue Welt!

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