Nike-Raketenstellung Reetz (Blankenheim)

Die belgischen Streitkräfte betrieben ab 1963 in der Gemarkung Reetz „Auf dem Kump“ eine Raketenstellung, auf der als Teil der NATO-Luftabwehr bis Anfang der 1990er Jahre 23 Nike-Raketen des Typs „Nike-Hercules“ (Langstrecken-Flugabwehrrakete aus US-amerikanischer Produktion; Anm. d. Red.) stationiert waren. Die Stellung, die Teil eines Raketensperrgürtels war, befand sich auf einem stark gesicherten Gelände, auf dem 400 Soldaten ihren Dienst taten. Stationiert waren hier ab 1982 auch atomare Gefechtsköpfe unter direkter Kontrolle der USA, die 1988/89 abtransportiert wurden. Die Radar- und Steuerzentrale dieser Raketenstellung befand sich westlich des Nachbarortes Mülheim auf dem „Kalkbüsch“ am Finkenberg.

Die hier installierten Radarantennen dienten dem Zweck, Höhe, Geschwindigkeit und den Kurs eines anfliegenden Flugzeuges erkennen und dieses auch als „Feindflugzeug“ identifizieren. Parallel dazu mussten Kurs und Flugbahn der stellungseigenen Abwehrraketen zum feindlichen Flugobjekt errechnet werden. Dafür waren leistungsstarke Computer zuständig, die in atombomebnsicheren Bunkern untergebracht waren. Schon während des Zweiten Weltkriegs diente das Areal als Flugabwehr, später als Flugwacht. Von hier aus wurden Bomberverbände, die in Richtung deutscher Großstädte flogen, gesichtet, identifiziert und weitergemeldet.

Das Gelände der Stellung war eine Zeit lang verpachtet und der Öffentlichkeit nicht zugängig. Über die Jahre „schlachteten“ Kupferdiebe und Vandalen das Gelände mit seinen Gebäuden förmlich aus. Die Schäden sind enorm. Noch Ende 1990, also mit dem Abzug der Belgier, wollte der Verein „Art Eifel“ hier Filmvorführungen und Ausstellungen durchführen.
Nike

Nike war ein US-amerikanisches Flugabwehrraketenprogramm (SAM-N-25 – Bezeichnung bis 1962; MIM-14/14A/14B – Bezeichnung ab 1962), das in der ursprünglichen Variante MIM-3 Nike Ajax und später in der verbesserten Variante Nike Hercules über viele Jahre das Rückgrat der US-amerikanischen Luftverteidigung darstellte. Es war für den Einsatz gegen hochfliegende, überschallschnelle und auch multiple Ziele (etwa gegen Bomberpulks) konzipiert. In der Variante Nike Zeus wurde sie auch im ersten US-amerikanischen Raketenabwehrsystem verwendet.

Quellen: wisoveg.de, Wikipedia, cold-war.de, rundschau-online.de

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Dokument erstellt am 13.06.2017
Letzte Änderung am 13.06.2017

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André Winternitz, Jahrgang 1977, ist freier Journalist und Redakteur, lebt und arbeitet in Schloß Holte-Stukenbrock. Neben der Verantwortung für das Onlinemagazin rottenplaces.de und das vierteljährlich erscheinende "rottenplaces Magazin" schreibt er für verschiedene, überregionale Medien. Winternitz macht sich stark für die Akzeptanz verlassener Bauwerke, den Denkmalschutz und die Industriekultur.

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