Neues Handballzentrum auf historischem Fluglatz Rangsdorf?

Rangsdorf (aw). Der Deutsche Handballbund (DHB) möchte entsprechend mehrerer Medienberichte sein aktuelles Hauptquartier in Dortmund aufgeben und ein größeres, moderneres Handballzentrum bauen. Dies Vorhaben hat der Rangsdorfer Gemeindevertreter Stephan Wilhelm (SPD) aufgeschnappt und schlägt dem DHB das ehemalige Bücker-Areal auf dem Rangsdorfer Flugplatz vor. Rangsdorf sei eine Handballhochburg und hier fänden sich beste Bedingungen für eine neue Handballzentrale, sagte Wilhelm bei der Präsentation seiner Idee im Rathaus. Tatsächlich konnte zu DDR-Zeiten die Rangsdorfer Damen-Handballmannschaft zweimal die Meisterschaft gewinnen und auch im Jugendbereich Erfolge feiern. Ob dies den DHB beeindrucken wird, ungewiss.

Doch einfach entscheiden kann dies die Lokalpolitik nicht. Denn das Areal gehört dem Nürnberger Unternehmen Terraplan, welches seit Jahrzehnten denkmalgeschützte Gebäude saniert. Zustimmung hat Stephan Wilhelm für seine Idee von einem Handballzentrum in Rangsdorf von Bürgermeister Klaus Rocher (FDP) und dem Vorsitzenden der Gemeindevertretung, Jan Hildebrandt (SPD). Wilhelm hatte vor kurzem mitgeteilt, dem DHB-Präsidium einen Brief zu schreiben, in dem sich die Gemeinde Rangsdorf formlos als Standort bewirbt. Noch 2016 forderten Vertreter aller Fraktionen der Rangsdorfer Gemeindevertretung in einem Brief an Ministerpräsident Dietmar Woidke auf, eine Abbruchgenehmigung nicht grundsätzlich zu verweigern. Man wollte dem Verfall nicht länger zusehen.

Bücker-Flugzeugbau und Fluglatz Rangsdorf

Der Flugplatz Rangsdorf entstand 1935 bis 1936 als Wasser- und Landflughafen für den zivilen Luftsport (Reichssportflughafen), dem eine Flugschule und das Betriebsgelände der Bücker Flugzeugbau angegliedert waren. 1936 diente der Flugplatz als offizieller Sportflughafen der Olympischen Spiele in Berlin. 1945 nahm die Rote Armee den Flugplatz und die Bücker-Werke kampflos ein. Im Zuge des sowjetischen Truppenabzugs aus Deutschland verschrottete man 1990–1993 etwa 200 nicht mehr überführungsfähige Flugzeuge und Hubschrauber.

Der Flugplatz und seine Bauten gingen anschließend in das Eigentum des Bundes. 1999 übernahm die Gemeinde Rangsdorf dann die ehemaligen Werkswohnhäuser an der Walther-Rathenau-Straße, während Werksgelände und Flughafenbauten in das Eigentum des Landes Brandenburg unter Verwaltung des Brandenburgischen Landesbetriebs für Liegenschaften und Bauen (BLB) wechselten. 2018 kaufte die Nürnberger Terraplan das Areal um dieses zu entwickeln.

1995 nahm das Brandenburgische Landesamt für Denkmalpflege das Flugfeld, das frühere Vereinsheim des Aero-Clubs am Rangsdorfer See, das Sozial- und das Kantinengebäude, die vier erhaltenen Hallen aus der NS-Zeit und die Wohnhäuser für Werksangehörige an der Walther-Rathenau-Straße in die Denkmalliste auf. Seit 2012 steht auch der ehemalige Betriebssportplatz unter Denkmalschutz.

Stauffenberg, Uhse und Rühmann

Am 20. Juli 1944 gegen 7 Uhr startete Oberst Claus Schenk Graf von Stauffenberg mit seinem Adjutanten mit einem zweimotoriges Kampfflugzeug der Marke Heinkel HE 111 vom Flugplatz Rangsdorf in Richtung Ostpreußen. Sein Ziel war die Wolfsschanze. Mit zwei Sprengladungen in seiner Aktentasche verübte der Widerstandskämpfer ein Attentat auf Adolf Hitler, leider erfolglos. Drei Stunden nach der Ausübung des Vorhabens landete Stauffenberg wieder in Rangsdorf. Noch am selben Tag wurde er festgenommen und erschossen. Heute erinnert ein Gedenkstein am Ufer des Sees an den Widerstandskämpfer.

Beate Uhse (damals Beate Köstlin) lernte auf dem Flugplatz Rangsdorf das Fliegen. Sie war später bei den Bücker-Werken als Ein- und Überführungsfliegerin beschäftigt. Elly Beinhorn und ihr Ehemann Bernd Rosemeyer sowie Heinz Rühmann starteten ihre Flüge häufig in Rangsdorf.

Dreiteilung des Geländes

Nach Angaben von Terraplan sieht der erste Plan eine Dreiteilung des Geländes vor. Entlang der Bahnstrecke sind eine Schule, Sportflächen, Gewerbe und Wohnen geplant. Etwa 350 Wohnungen könnten hier entstehen. Das Unternehmen möchte die Einfliegerhalle mit dem markanten halbrunden Tower und die Endmontagehalle denkmalgerecht sanieren und zu Wohnungen umbauen. Neue Ein- und Mehrfamilien- sowie Reihenhäuser sollen auf den unbebauten Flächen entstehen. Daraus wird man die „Bückersiedlung“ und die „Fliegersiedlung“ formen. Das denkmalschützte Flugfeld soll zum Park umgestaltet werden.

Terraplan möchte auch die Geschichte des Flugplatzes und der Bücker-Werke mit einem Museum, einer Begegnungsstätte, einem Café und einer Sozialstation anschaulich machen. Um die Rangsdorfer in die Planungen einzubinden, möchte der Geschäftsführer von Terraplan, Erik Roßnagel, Workshops anbieten. Zudem wird man Fördergeld beim Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) beantragen.

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