Neuer Dokumentarfilm „Vergessen im Harz“

Der Harz zieht mit seiner Flora und Fauna jährlich Hunderttausende Touristen zu diversen Sportaktivitäten im Winter und Sommer, zur Kur und Erholung sowie zum Klettern, Radfahren oder Wandern an. Nahezu jeder Ort im Harz und Harzvorland ist touristisch geprägt. Ausgedehnte Wälder, tiefe Täler, wilde Flussläufe, Wasserfälle, Stauseen und eine einzigartige Tiervielfalt sind nur einige der Anziehungsgründe des höchsten Gebirges in Norddeutschland. Der Brocken ist einer der meistbesuchten Spots im Harz. Doch abseits der stark frequentierten Gebiete, in den kleinen Ortschaften bröckelt der Putz – im wahrsten Sinne des Wortes. Dort, wohin sich nur wenige Touristen „verirren“ regieren Leerstand und Verfall. Schuld dafür sind Misswirtschaft, leere Kassen, fehlende Arbeitsplätze und der demografische Wandel. Ganze Ortschaften sind nach der Einheit Jahr für Jahr gefühlt in Vergessenheit geraten. Die Menschen gingen und die Vergänglichkeit zeigte ihr schonungsloses Gesicht.

Zwei Jahre waren der Leipziger Filmemacher Enno Seifried und sein Team in der Harzregion unterwegs, haben nach verlassenen Orten – so genannten Lost Places – abseits der Touristenpfade gesucht und die zugehörigen Geschichten der Menschen recherchiert. Das Ergebnis ist der 95-minütige Dokumentarfilm „Vergessen im Harz“, der nahtlos an die Produktionen von „Geschichten hinter vergessenen Mauern“ anknüpft. „Vergessen im Harz“ nimmt den Betrachter mit auf eine Reise zu einst prachtvollen Hotels, ehemaligen Militärgeländen, FDGB-Heimen, Gewerbeobjekten und leer stehenden Sanatorien. Davon gab und gibt es im Mittelgebirge eine Vielzahl.

Neben beeindruckenden Bildern am Boden, in Gebäuden und aus der Luft, die faszinierende Lost Places zeigen, kommen Zeitzeugen, langjährige Anwohner, ehemalige Mitarbeiter und Historiker zu den vorgestellten Objekten zu Wort. Die teils direkten oder emotionalen Schilderungen der Protagonisten werfen ein Licht auf die tatsächliche, vorherrschende Situation. Das Filmteam stieß bei den Recherchen und Dreharbeiten auf eine durchweg positive Resonanz der Harzer Bevölkerung. „Der Großteil der Harzer war von unserer Projektidee begeistert. Und sie waren auch stets bemüht uns zu helfen, die richtigen Ansprechpartner zu finden“, sagt Seifried.

Während der deutschen Teilung von 1949 bis 1990 zog sich die innerdeutsche Grenze durch das westliche Drittel des Harzes. Auch über 25 Jahre nach der politischen Wende und dem Wegfall der Grenzanlagen sind bei Gesprächen mit Anwohnern oder Zeitzeugen noch heute seelische Narben zu erkennen. „Grenzen entstehen nur in den Köpfen der Leute und durch Linien auf Landkarten. Politisch spielt das Thema Deutsche Teilung natürlich eine Rolle und gerade wie sich Ost und West nach der Wende und durch die Wende verändert haben, ist natürlich auch bei Zeitzeugengesprächen immer mal Thema. Gewisse Hintergründe zu dem Thema sind nicht von der Hand zu weisen, weswegen der Film an einigen Stellen mit diversen Aussagen Bezug darauf nimmt, aber eher am Rande“, verrät der Filmemacher.

Der Dokumentarfilm „Verlassen im Harz“ wurde erneut ohne jegliche Fördergelder und Sponsoren realisiert. Das Filmteam – mit Neumitglied Alexandra Schmid, die im Team Musiker Peter Schneider bei der Filmmusik unterstützt – hat von der Konzeption über die Dreharbeiten bis zur Postproduktion alles aus eigener Kraft organisiert und realisiert. Anfallende Kosten wurden aus eigener Tasche oder mit Geldern vergangener Projekte finanziert. Auch dieses Mal setzte man wieder auf eine virtuelle Geldbeschaffung, um den Film der Öffentlichkeit präsentieren zu können. Über Deutschlands zweitgrößte Crowdfunding-Plattform „VisionBakery“ bat man die Crowd um finanzielle Unterstützung, wie bei den vorherigen drei Dokumentationen (Geschichten hinter vergessenen Mauern – Lost Places Storys aus Leipzig 1, 2 und 3) auch.

Das "Vergessen im Harz" Team. Foto: www.lostplace-dokfilm.de
Das „Vergessen im Harz“ Team. Foto: www.lostplace-dokfilm.de

Wenige Stunden nach dem Start der Crowdfunding-Aktion war die festgelegte Mindestsumme erreicht, mehr noch, die Zahl der Unterstützer wächst kontinuierlich weiter. „Wir sind wirklich unheimlich glücklich, wie die ersten 24 Stunden gelaufen sind. Wir wussten einfach nicht, was passiert, wenn wir uns aus unserer Homezone (Leipzig, Anm. der Redaktion) heraus bewegen und dann toppen wir alle vorangegangenen Projekte mit 13 Stunden bis zur Mindestfinanzierungssumme! Das ist einfach unglaublich! Wenn man über zwei Jahre eine Menge an privater Zeit und Geld in so eine Herzensprojekt steckt, ist so viel Zuspruch wirklich die schönste Belohnung, die ich mir vorstellen kann“, schwärmt Seifried.

Mit der Crowdfunding-Aktion soll die Miete der Premieren-Location samt Veranstaltungstechnik sowie die Pressung einer DVD-Auflage und CD mit Filmmusik, Werbung, Pressematerial, Portokosten, Verteilung und Bewerbung für Kinos, Festivals und Verleiher samt Druck von Plakaten und Flyern finanziert werden. Noch befindet sich der Dokumentarfilm „Vergessen im Harz“ in der Postproduktion. Einer öffentlichen Aufführung steht also nichts mehr im Wege.

Das Premierenwochenende (29. bis 31. Mai 2015) findet im so genannten „Goethesaal“ der Baumannshöhle in Rübeland statt. Ein Ort, wie er besser nicht gewählt sein könnte. Denn die „Rübeländer Tropfsteinhöhlen“ – zu der auch die Baumannshöhle gehört – verzaubern als älteste Schauhöhlen mit ihren Tropfsteinformationen und Sintergebilden die Besucher. Der „Goethesaal“ ist Deutschlands einzige unterirdische Naturbühne und ist weit über die Grenzen Europas bekannt. In der Baumannshöhle sind schon um 1500 Besuche dokumentiert, seit 1646 gibt es einen regelmäßigen Führungsbetrieb. Ein atemberaubendes sowie spannendes Premieren-Wochenende ist also garantiert.

Die Crowdfunding-Aktion findet sich unter www.visionbakery.com/VergessenImHarz. Weitere Informationen gibt es auf www.vergessenimharz.de und auf Facebook unter www.facebook.com/VergessenImHarz

Ein Interview mit dem Filmemacher Enno Seifried zur neuen Dokumentation „Vergessen im Harz“ finden Sie hier.

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