Nachgefragt bei: Plotbot KEN

Kunst am Werk. Foto: Plotbot KEN

Der Berliner Plotbot KEN gehört zu den nennenswertesten jungen Urban Art Künstlern Deutschlands. Es gibt kaum jemanden, der seine aufwendigen Endzeitkunstwerke nicht kennt. Zu finden sind diese überwiegend in alten Industrieruinen, Militärliegenschaften, Sanatorien und anderen aufgegebenen Betrieben, aber auch als Prints und Kunstdrucke. Die Arbeiten des Künstlers wirken wie ein traumatisches Spiegelbild, transportieren Botschaften zu Themen wie Umweltverschmutzung und deren Auswirkungen auf Natur und Menschheit, aber auch zu nuklearen Bedrohungen aus dem zivilen oder militärischen Umfeld. Seine künstlerische Freiheit lebt er an den sorgfältig ausgewählten Orten und Objekten aus, nutzt neben Graffiti, Schablonen und Materialien aus der unmittelbaren Umgebung, um so bildgewaltige Kompositionen entstehen zu lassen. Seine Kunstwerke haben eine Vergänglichkeit, ja ein Verfallsdatum. Wie lange die Motive an den jeweiligen Orten sichtbar sind, hängt mit der Um- bzw. Weiternutzung jener Orte ab. Wir haben nachgefragt …

rottenplaces: Seit wann beschäftigst du dich mit deiner Art der Kunst und warum?

Plotbot KEN: Ich beschäftige mich seit 2010 mit dieser Art von Kunst. Anfangs habe ich vieles ausprobiert und mich Tag für Tag mit Farben und dem Bemalen von alternativen Materialien beschäftigt. Kunst soll zum Nachdenken anregen. Meine Werke sind Spiegelbilder unserer Zeit oder Visionen von einer düsteren Zukunft.

rottenplaces: Du bezeichnest dich ja selbst als Urban Art Künstler, kombinierst neben Graffiti, Schablonen und Materialien aus dem unmittelbaren Umfeld die du nutzt, auch diverse andere Kunstrichtungen. Wie lange braucht es von der Planung für ein neues Werk, über die Umsetzung bis zur Fertigstellung?

Plotbot KEN: Das ist immer unterschiedlich. Manchmal kommt es wie ein Geistesblitz, ein Gedanke oder eine Idee und man hat schon das fertige Bild vor Augen. Die Umsetzung erfolgt dann meist versiert und intuitiv. Dagegen ist es manchmal ein langer Prozess bis man endlich zufrieden ist. Meist bei den Studioarbeiten. Bei den Wandmalereien muss man irgendwann zu einem Ende kommen. Das schafft einen gewissen Druck den ich aber als kreative Herausforderung sehe.

rottenplaces: Deine Werke fertigst du größtenteils in verlassenen Industrie- und Militäranlagen, Sanatorien usw. Was fasziniert dich an diesen Kulissen und Gegebenheiten?

Plotbot KEN: An erster Stelle steht sicher die künstlerische Freiheit. Gleichzeitig ist es auch die Geschichte selbst die diese Orte mit sich bringen. Das Sanatorium: Viele entstanden als Lungenheilkliniken in den 20er Jahren in Folge der steigenden Tuberkulosefälle. Die fortschreitende Industrialisierung und kontinuierliche Verbrennung von Kohle schafften Verhältnisse die Mensch und Tier an ihrer Umwelt erkranken lassen. Die verlassenen Orte sind wie stille Zeitzeugen der Vergangenheit.

rottenplaces: Kunst ist immer eine Form des Ausdrucks. Woher kommen die Anregungen für deine Werke? Und was möchtest du mit ihnen aussagen?

Plotbot KEN: Hauptsächlich geht es um die immer weiter fortschreitende Verschmutzung unserer Umwelt. Mit meiner Kunst möchte ich die Menschen zum Nachdenken anregen.

Dieses Interview finden Sie auch in der aktuellen, 15. Ausgabe unseres Magazins. EIn Klick auf die Grafik öffnet die Ausgabe.
Dieses Interview finden Sie auch in der aktuellen, 15. Ausgabe unseres Magazins. Ein Klick auf die Grafik öffnet die Ausgabe.

rottenplaces: Was dominiert bei dir mehr? Der (nennen wir es mal) sozialkritische Ausdruck oder die ästhetische Technik?

Plotbot KEN: Beides sollte gleichstark zur Geltung kommen. Eine ansprechende Ästhetik schafft eine gute Voraussetzung sich mit dem Inhalt auseinanderzusetzen.

rottenplaces: Ist Graffiti, Streetart – oder zusammengefasst Urban Art – heute gesellschaftsfähiger? Wie ist die Wahrnehmung in der Öffentlichkeit heute?

Plotbot KEN: Kunst breitet sich immer weiter im öffentlichen Raum aus. Dementsprechend wird die Wahrnehmung auch zunehmend größer. Anfangs hätte ich nie gedacht einmal soviele Menschen mit meiner Kunst zu erreichen.

rottenplaces: Deine Werke sind weit über die Grenzen der Republik hinaus bekannt, du gehörst laut dem Blog „urbanshit“ zu den nennenswertesten jungen Urban Art Künstlern Deutschlands. Gibt es für dich bei deinen Arbeiten noch Herausforderungen?

Plotbot KEN: Das Leben an sich steckt voller Herausforderungen. In der Kunst ist das nicht anders. Das Arbeiten an verlassenen Orten bringt ständig neue Herausforderungen mit sich.

rottenplaces: Du hast im letzten Jahr ganz besondere Siebdrucke herausgegeben. Deine Werke wurden von dir künstlerisch auf alten Schaltplänen ehemaliger VEBs (Volkseigener Betriebe) „gedruckt“? Wie ist/war die Resonanz darauf?

Plotbot KEN: Die Resonanz war sehr gut. Eine auf 30 Stücke limitierte Edition wurde in kurzer Zeit ausverkauft. Die Schaltpläne wurden in Zusammenarbeit mit der Siebdruck Werkstatt Bang! in Hamburg angefertigt. Jede der einzelnen Farben wurden Schicht für Schicht in Handarbeit auf die Schaltpläne aufgetragen. Im Anschluss bekam jeder Plan eine künstlerische Note und den letzten Schliff. Ziel war es jedem Druck ein unterschiedliches Aussehen zu verleihen.

rottenplaces: Gibt es derzeit eine Ausstellung, wo man deine Arbeiten sehen kann und was ist in naher Zukunft geplant?

Plotbot KEN: Die letzte Ausstellung war in Baden der Schweiz (Galerie: Streetart Limited) und endete am 24. September. Kommende Ausstellungen sind bereits in der Planung.

Wir danken Plotbot KEN für das Interview.
Das Interview führte André Winternitz.

Interessante Links

www.facebook.com/Plotterroboter
www.kenberlin.tumblr.com
www.flickr.com/photos/plotbot

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