Nachgefragt bei: Klaus Greipel

Klaus Greipel kommt aus dem Ruhrgebiet, genauer aus Recklinghausen und seine große Leidenschaft ist die Fotografie, der er seit einigen Jahren nachgeht. Auf seiner Webseite www.kgreipel.de zeigt er wunderbare Foto-Motive aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln zu den Kategorien Landschaft, Industrie, dem Ruhrgebiet und natürlich auch von verlassenen Objekten aller Art. Und genau zu diesen haben wir Greipel befragt.

rottenplaces: Klaus, woher kommt die Faszination für diese besondere Art der Fotografie, verlassene und verfallene Objekte abzulichten?

Greipel: Ich habe mich schon immer für verlassene und verfallene Objekte und Orte interessiert. Ich finde es faszinierend, wenn man sich beim Durchlaufen eines Korridors oder beim Betrachten eines leer stehenden Gebäudes fragt, was dort einmal geschehen ist, welche Personen dort gelebt, gewohnt oder gearbeitet haben. Für mich steht an solchen Orten die Zeit irgendwie still und das gefällt mir daran.

rottenplaces: Fotografen, die ihre Berufung in der extravaganten oder urbanen Fotografie sehen, durch verlassene und teilweise einsturzgefährdete Gebäude streifen, werden sofort dem Urban Exploring zugeteilt. Würdest du das so unterschreiben oder ordnest du dich lieber als Fotograf zu Dokumentationszwecken ein?

Greipel: Ich würde sagen, beides trifft für mich zu. Zum einen finde ich es unheimlich spannend, Orte zu erkunden und zu erforschen, die verlassen sind. Zum anderen möchte ich aber auch dokumentieren und festhalten, wo ein Gebäude einmal gestanden hat und wie es ausgesehen hat. Gerade hier im Ruhrgebiet verändert sich durch den Strukturwandel immer noch so vieles, da finde ich es wichtig, festzuhalten wie es einmal an einigen Stellen ausgesehen hat.

rottenplaces: Auf deiner Webseite finden sich ausgewählte und beeindruckende Gebäude, deren Glanzzeit längst verflogen ist. Darunter finden sich ehemalige Hotels, Kinos, Zechen, natürlich die Beelitz Heilstätten und viele mehr. Einige wurden mittlerweile bereits abgerissen. Erinnerst du dich noch an dein erstes Objekt – welches war das – und wie war das Gefühl, ein solches zu erkunden?

Greipel: Ja daran erinnere ich mich. Mein erstes Objekt habe ich 2007 erkundet. Es war das alte Stabsgebäude der ehemaligen DDR-Führung ganz in der Nähe vom Bogensee. Eigentlich war es kein besonderes großes und auffallendes Gebäude. Als ich es betrat hatte ich einerseits ein bisschen Angst erwischt zu werden, andererseits fand ich es auch unheimlich spannend und faszinierend durch die verlassenen Gänge zu laufen und Raum für Raum zu erkunden. Es war schon fast wie eine Sucht. Ich erinnere mich noch daran, dass es unheimlich still war, und dass in einem der langen Flure eine Deckenuhr hing. Der große Zeiger war abgebrochen und der kleine stand kurz hinter der Drei. Das hat mich fasziniert.

rottenplaces: Deine Fotografien werden auf deiner Webseite teilweise in Schwarz-Weiß und Farbe veröffentlicht. Warum entscheidest du dich für beide Arten der Darstellung?

Greipel: Ich persönlich finde, dass einige Fotografien einfach besser zur Geltung kommen, wenn man sie in Farbe präsentiert, andere wirken wiederum besser, wenn man sie in Schwarz-Weiß präsentiert. Ich verlasse mich da auf mein Gefühl. Ich versuche dem Betrachter durch die jeweilige Darstellung immer eine ganz bestimmte Stimmung zu vermitteln. Oft probiere ich bei der Bearbeitung erst einmal beide Varianten sowohl Farbe als auch Schwarz-Weiß aus. Dann entscheide ich mich.

rottenplaces: Bei vielen Themen gehen die Meinungen auseinander. Welchen Fotografen man auch nimmt, der eine lichtet die Gebäude nur von außen ab, der andere legt Wert auf eine bunte Mischung zwischen Innen- und Außenaufnahmen und wieder andere dokumentieren fotografisch jeden Winkel und noch so kleinen Raum. Auch bei dir gibt es eine „bunte“ Mischung. Wie ist deine bevorzugte Herangehensweise?

Greipel: Ich fange am liebsten im Inneren eines Gebäudes an, wenn es möglich ist, durchlaufe die Räume und Gänge und schaue wo ich schöne Motive finde. Bei Winkel und Perspektive probiere ich dann, je nach Art des Motivs das ein oder andere aus. Dann, wenn ich mit den Innenaufnahmen fertig bin, nehme ich das Gebäude von außen auf. Dadurch möchte ich dem Betrachter später einen Gesamteindruck über das Gebäude sowohl von innen als auch von außen vermitteln. Ich mache aber von außen oftmals weniger Aufnahmen als von innen. Gebäude, in die ich gar nicht hineinkomme fotografiere ich nur von außen. Allerdings stelle ich diese oftmals gar nicht aus sonder behalte sie rein zu Dokumentationszwecken.

rottenplaces: Welche Kamera(s) setzt du auf deinen Fototouren ein und was für ein Equipment wird von dir bevorzugt?

Greipel: Ich fotografiere ausschließlich mit meiner Canon EOS 400D. Für die Innenaufnahmen benutze ich fast immer ein Weitwinkelobjektiv (Canon 10-22mm) und ein Stativ. Eine Taschenlampe habe ich natürlich auch immer dabei und falls es mal zu dunkel wird auch noch ein Blitzgerät. Bei Außenaufnahmen nutze ich unterschiedliche Objektive je nachdem, was ich fotografieren will (Canon 10-22mm, Tamron 17-50mm, Sigma 70-300mm).

rottenplaces: Fotografen wie du sehen auf ihren Fototouren viel Vandalismus und kriminelle Energie, die den Gebäuden arg zugerichtet hat. Teilweise sind solche, nicht nachvollziehbaren Entgleisungen der Grund für die Zerstörung und das Ende ganzer Objekte. Das Resultat sind komplexe Sicherheitsvorkehrungen der Eigentümer und harte Strafen für Fotografen, die ohne spezielle Genehmigung diese Objekte betreten. Wie ist deine Meinung zu diesem Thema?

Greipel: Natürlich kann ich die Eigentümer leerstehender Gebäude verstehen, die alles dran setzten wollen, ein solches so lange wie möglich zu erhalten und vor Vandalismus zu schützen. Ich bin aber auch der Meinung, dass man unterscheiden muss zwischen Leuten die mit einer Eisenstange und Spraydose bewaffnet ein solches Gebäude betreten und denen die mit einer Kamera und einem Stativ ausgerüstet sind. Sicher liegt in beiden Fällen ein Hausfriedensbruch vor, dennoch denke ich, muss man unterscheiden. Das Gebäude erleidet durch die Fotografen meist keinen Schaden. Im Gegenteil. Den meisten Fotografen, so auch mir, liegt viel daran, dass ein leer stehendes Gebäude so lange wie möglich erhalten bleibt. Ich denke, es würde deshalb vollkommen genügen, dass wenn man einen Fotografen erwischt diesen einfach nur des Gebäudes oder Geländes verweist ohne rechtliche Schritte gegen ihn einzuleiten. Bei Randalierern sehe ich das natürlich ganz anders. Ich persönlich fände es gut, wenn an einigen Gebäuden eine Telefonnummer angebracht wäre, die man anrufen kann, um so in ein leer stehendes Gebäude ganz legal zu gelangen. Ich bin sicher es gäbe eine ganze Menge Fotografen und Interessierte die dort anrufen würden. In Brandenburg habe ich das übrigens schon mal gesehen.

rottenplaces: Du bist auf deinen Touren überwiegend in Deutschland unterwegs. Deine Ziele zerstreuen sich quasi in alle Himmelsrichtungen. Gibt es eine Location – wo auch immer – die du gerne einmal aufsuchen würdest?

Greipel: Ja die gibt es. Ich würde gerne einmal nach Pripyat in die Ukraine reisen. Diese verlassene Stadt mit ihrem Riesenrad hat mich immer schon sehr fasziniert.

rottenplaces: Du zeigst auf deiner Webseite auch Industriefotografien. Was fasziniert und motiviert dich daran besonders und welche Motive siehst du am liebsten?

Greipel: Mich fasziniert zum einen die Technik solcher Anlagen und ihre gewaltige Größe. Mir gefällt bei noch betriebenen Industrieanlagen, dass alles in Bewegung ist, es raucht, es arbeitet, es macht Krach. Besonders gefallen mir immer wieder Motive in denen viel Rauch und Qualm zu sehen ist. Das macht die Bilder für mich noch interessanter und verleiht ihnen etwas Kraftvolles. Das gefällt mir besonders. Ich mag aber auch Motive von Industrieanlagen bei Nacht, wo dann alles hell erleuchtet ist. Bei stillgelegten Industrieanlagen wie z.B. der Sinteranlage, der Kokerei Zollverein oder dem Landschaftspark Duisburg Nord fasziniert mich eigentlich dasselbe wie an leerstehenden Gebäuden. Beim Durchlaufen solcher Anlagen gehen mir auch wieder verschiedene Fragen durch den Kopf, wer hat hier gearbeitet, wessen Arbeitsplatz war das und wie muss das jetzt wohl für einen ehemaligen Arbeiter sein, wenn er seinen damaligen Arbeitsplatz heute so sieht. Was ich an solchen Orten auch immer wieder faszinierend finde, ist die Stille und Ruhe die diese Orte ausstrahlen, vor allem wenn man bedenkt, was dort einmal losgewesen ist und was für ein Lärm dort geherrscht haben muss. Ich finde die Atmosphäre ähnelt immer einem Friedhof aber irgendwie ist es das ja auch. Dass ich mich für Industrieanlagen interessiere könnte aber auch damit zu tun haben, dass ich aus dem Ruhrgebiet komme und praktisch mit ihnen groß geworden bin.

rottenplaces: Was gibt es demnächst von Klaus Greipel zu lesen, sehen oder hören, bzw. wie lauten deine Zukunftspläne?

Greipel: Also im Mai geht es wieder für ein paar Tage nach Brandenburg. Von dort aus werde ich dann auch ein paar Tage an die Ostsee reisen. Unter anderem wollte ich mir das Seebad Prora auf Rügen anschauen. Davon wird es dann auch Bilder zu sehen geben. Aber auch einige Objekte in Brandenburg und um Berlin herum fehlen mir noch. Sonst ist eigentlich erstmal nichts geplant. Mal schauen was ich hier in der Gegend noch so finde. Ich würde sagen lasst Euch einfach überraschen und schaut ab und zu mal auf meine Seite.

Wir danken Klaus Greipel für dieses Interview.

Das Interview führte André Winternitz

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André Winternitz, Jahrgang 1977, ist freier Journalist und Redakteur, lebt und arbeitet in Schloß Holte-Stukenbrock. Neben der Verantwortung für das Onlinemagazin rottenplaces.de und das vierteljährlich erscheinende "rottenplaces Magazin" schreibt er für verschiedene, überregionale Medien. Winternitz macht sich stark für die Akzeptanz verlassener Bauwerke, den Denkmalschutz und die Industriekultur.

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